Inzwischen haben sich Hunderttausende Nutzer zum Carsharing angemeldet. Doch mit einem großen Wachstum rechnen Branchenexperten in naher Zukunft nicht.
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Inzwischen haben sich Hunderttausende Nutzer zum Carsharing angemeldet. Doch mit einem großen Wachstum rechnen Branchenexperten in naher Zukunft nicht.

Auto-Teilen

Noch wenig Hoffnungen - Carsharing bleibt in der Nische

Ist das schon das Ende des Booms? Das Auto-Teilen wächst deutlich langsamer. Zum Klimaschutz trägt es erst wenig bei. Die Anbieter warten auf Privilegien - während sich neue Konkurrenz warmläuft.

Berlin - Lieber hin und wieder ein Carsharing-Auto nehmen als einen eigenen Wagen zu kaufen - so denken inzwischen Hunderttausende und haben sich zum Carsharing angemeldet. Doch die Zeit rasanter Wachstumszahlen scheint vorerst vorbei zu sein.

Wie funktioniert Carsharing?

Es gibt mehrere Unterschiede zum klassischen Mietwagen: Man meldet sich beim Anbieter an, kann dann meist rund um die Uhr reservieren und das Auto abholen, abgerechnet wird nach Nutzungsdauer, und der Sprit ist inklusive. "Wir haben es in der Regel nicht mit Vielfahrern zu tun", sagt Willi Loose, Geschäftsführer des Bundesverbands Carsharing. "Das sind Menschen, die maximal einmal die Woche Carsharing nutzen, die meisten deutlich seltener."

Welche Angebote sind besonders erfolgreich?

Zuletzt legten vor allem die Anbieter ohne feste Station zu, deren Wagen vor allem über die Großstädte verteilt sind. Sie erreichen mehr als 40 Prozent des Angebots. Dahinter stehen vor allem die Autobauer Daimler (car2go), BMW (Drive Now) und Citroën (Multicity). Die klassischen stationsbasierten Anbieter wachsen in kleineren Städten.

Wie viele Menschen nutzen Carsharing?

Das lässt sich nicht genau sagen. Der Branchenverband weiß zwar, dass 1,26 Millionen Nutzer registriert sind, ein Fünftel mehr als vor einem Jahr. Es lässt sich aber nicht klären, wie viele Fahrer mehrfach gezählt wurden, weil sie bei mehreren Anbietern angemeldet sind. Offenkundig ist: Die Wachstumskurve flacht seit zwei Jahren ab.

Wie stark ist Carsharing verglichen mit dem Privatwagen?

Noch sehr schwach. Gut 16 000 Carsharing-Wagen sind nach Branchenangaben bundesweit im Einsatz, 4,5 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Verglichen mit mehr als 44 Millionen Autos insgesamt fallen sie kaum ins Gewicht, auch wenn sie oft mehr Kilometer machen als Privatautos, die nach Studien nur eine Stunde pro Tag fahren. Eine aktuelle Untersuchung der Boston Consulting Group sieht noch große Wachstumschancen, stellt aber auch fest: "Ein eigenes Auto zu besitzen, wird die Norm bleiben."

Was bringt es der Umwelt?

Noch sehr wenig - obgleich die Branche vom "Klimaschutz durch Autofahren" spricht. Das liegt neben dem geringen Marktanteil auch an den Carsharing-Kunden. Um die Elektroautos machten die meisten nämlich einen Bogen, sagt Branchenvertreter Loose - aus Sorge, etwas kaputt zu machen. Neun von zehn Carsharing-Autos haben Verbrennungsmotoren.

Warum gibt es nicht mehr so viele Neukunden?

Es seien noch Hemmnisse zu beseitigen, sagt Loose. Beispielsweise seien Haftungsfragen nicht geklärt. "Wer wird haftbar gemacht, wenn ein Mensch ohne Führerschein das Fahrzeug benutzt, der Fahrer oder der Halter?" Am wichtigsten seien aber Privilegien beim Parken, die ein neues Gesetz bringen soll. "Damit wird Carsharing präsenter."

Wann kommt das Carsharing-Gesetz?

Das steht noch nicht fest, der Entwurf ist in der Ressortabstimmung. "Carsharing liegt im Trend", das wolle er unterstützen, begründet Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Initiative. Er will reservierte Parkplätze für Carsharing und Abholstellen auf öffentlichen Flächen ermöglichen. "Die Bundesregierung muss mit dem Carsharing-Gesetz endlich zu Potte kommen", drängen die Grünen.

Braucht man denn überhaupt noch Carsharing-Anbieter?

Die Frage drängt sich auf beim Blick auf Portale wie Drivy und Tamyca, wo Privatleute ihre Autos zur Vermietung anbieten - ähnlich wie Wohnungen auf Airbnb. Sie machen besonders Autovermietungen Konkurrenz. Die Stiftung Warentest aber rät, genau hinzusehen. Nicht immer verfügbar und zuverlässig, teils weit entfernt, häufig teurer, so das Fazit der Tester nach einer Stichprobe. Die Plattformen widersprachen den meisten Kritikpunkten.

dpa

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