Passanten stehen in Köln an der Unfallstelle, an der zum Gedenken an den getöteten Radfahrer Blumen und Kerzen liegen. Foto: Oliver Berg
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Passanten stehen in Köln an der Unfallstelle, an der zum Gedenken an den getöteten Radfahrer Blumen und Kerzen liegen.

Bereits drei Tote

Köln will illegale Autorennen und Raser stoppen

Poller, Bremsschwellen und Blitzer - nach drei Unfalltoten will die Stadt Köln auf breiter Front gegen illegale Autorennen und die Raser-Szene in der Domstadt vorgehen.

„Wir werden alles dafür tun, Raser von der Straße zu holen“, sagte Stadtdirektor Guido Kahle nach einem Gespräch mit der Polizei am Mittwoch.

Unter anderem werde mehr kontrolliert und an den populären Strecken für die Autorennen geblitzt. Es werde der Verkehr verlangsamt, zum Beispiel durch Poller oder Bremsschwellen. Außerdem will die Stadt enger mit Auto-Vermietungen und der Justiz zusammenarbeiten. „Wir werden die Raser zu Fußgängern machen“, sagte eine Stadtsprecherin.

Allein in diesem Jahr sind in Köln vermutlich drei unbeteiligte Menschen bei illegalen Autorennen ums Leben gekommen. Am Freitagabend wurde ein 26 Jahre alter Radfahrer so schwer verletzt, dass er einen Tag später im Krankenhaus starb. Am Donnerstagabend wollen Trauernde zu einer Mahnwache und zum stillen Protest an der Unfallstelle zusammenkommen. Bereits seit Anfang Mai geht die Ermittlergruppe „Rennen“ gegen die Raserszene vor.

Köln trauert um Radfahrer

In Deutschlands viertgrößter Stadt trauern viele Menschen um mutmaßliche Opfer illegaler Autorennen. Seit Jahresbeginn gab es bereits drei Tote in Köln. Das Phänomen wird zum Problem.

Radfahrer halten an und nehmen sich ein paar Minuten Zeit, Menschen legen Blumen nieder, andere zünden Kerzen an: Köln trauert um einen 26 Jahre alten Radfahrer, der vermutlich durch ein illegales Autorennen ums Leben gekommen ist.

Er ist wohl schon der dritte Unfalltote, der allein in der Domstadt in diesem Jahr auf das Konto von Teilnehmern illegaler Autorennen geht.

Auch aus anderen Regionen Deutschlands gibt es Berichte über solche Autorennen, die sich nicht mehr im Verborgenen, sondern teils innerstädtisch abspielen.

An der Stelle, an der sich in Köln der jüngste Unfall am Freitag ereignete, bildeten Blumen, Kerzen und Fotos am Mittwoch eine Gedenkstätte. An diesem Donnerstag wollen Bürger zu einer Mahnwache und zum stillen Protest zusammenkommen.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen die beiden Autofahrer, die in den Crash verwickelt waren, wegen fahrlässiger Tötung.

Die beiden Männer im Alter von 26 und 29 Jahren sollen sich am Freitagabend in der Innenstadt mit Mietwagen ein illegales Rennen geliefert haben. Dabei hatte sich einer der Wagen mehrfach überschlagen und den 26-jährigen Radfahrer erfasst. Er starb wenige Tage später an seinen schweren Verletzungen.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft schloss sich als Reaktion auf die Vorfälle einer Forderung der Grünen an: Eine PS-Obergrenze für junge Autofahrer sei prüfenswert. Es sollte darüber nachgedacht werden, "den Zugang junger Fahrer zu leistungsstarken Autos zum Selbst- und Fremdschutz einzuschränken", forderte der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Erich Rettinghaus.

Phänomen wird zum Problem

Begonnen hatte die Kölner Serie tödlicher Autorennen 2015 am 26. März: Ein 19-jähriger Autofahrer krachte in ein Taxi, in dem ein österreichischer Fahrgast starb. Der junge Mann hatte sich der Polizei zufolge mit einem 21-Jährigen ein Rennen geliefert.

Am 14. April der nächste Tote: In Köln-Mülheim rasten ein 22 und ein 21 Jahre alter Autofahrer mit Limousinen durch die Stadt. Das Todesopfer: eine junge Radfahrerin, 19 Jahre alt. Sie trug einen Helm und fuhr vorschriftsmäßig auf einem Radweg. Das Auto des mutmaßlichen Rasers soll mehr als 100 Stundenkilometer schnell gewesen sein, als es die junge Frau tötete.

Auch im benachbarten Leverkusen lief ein illegales Rennen aus der Spur: Ein Radfahrer überlebte verletzt.

Mit der speziellen Ermittlergruppe "Rennen" hat die Kölner Polizei der illegalen Raserszene den Kampf angesagt. "Dieses testosterongesteuerte, lebensgefährliche Verhalten muss gestoppt werden. Das sind wir den Opfern schuldig", kündigte der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers an.

Ein Appell der Polizei ging auch an die Kölner Bevölkerung: "Wer weiß, wo solche Treffpunkte sind, oder wo öfter solche Rennen gefahren werden, soll uns unbedingt informieren." Manchmal beginnen die Rennen aber auch spontan irgendwo im Stadtgebiet: "Da stehen zufällig zwei an einer Ampel, die nehmen Blickkontakt auf, und dann wird losgerast."

Am 13. September ist Oberbürgermeisterwahl in Köln. Die illegalen Rennen sind bereits zum Politikum geworden.

dpa

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