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Polizistenmörder Rudi R. (r.) ist bereits zu lebenslanger Haft verurteilt. Sein Bruder Raimond M. (l.) steht seit Montag erneut vor Gericht.

Nach Abbruch wegen Parkinson

Polizistenmord: Neuer Prozess hat begonnen

Augsburg - Ein 61-jähriger Mann, der 2011 einen Augsburger Polizisten ermordet haben soll, steht seit Montag wieder vor Gericht. Die Befangenheitsanträge seiner Anwälte gegen die Richter wurden abgelehnt.

Der zwei Jahre jüngere Bruder des Mannes war Ende Februar zu einer lebenslangen Haftstrafe und Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Gegen dieses Urteil haben die Verteidiger Revision eingelegt. Das Gericht muss nun klären, ob auch der 61-Jährige wegen Mordes verurteilt wird.

Das Urteil gegen den 59-Jährigen bedeute keine Vorverurteilung des älteren Bruders, hatte die Strafkammer am Ende des ersten Prozesses betont. Das Verfahren starte mit völlig offenem Ausgang nun noch einmal. Dennoch hat die Verteidigung des 61-Jährigen mehrere Augsburger Richter wegen Befangenheit abgelehnt. Die Anträge wurden  am Montag vom Landgericht abgelehnt.

Nach der Verlesung der Anklage am Montagnachmittag wurde der Prozess nach nur einer Stunde vertagt. Am Donnerstag sollen am zweiten Verhandlungstag Zeugen vernommen werden.

Die Geschwister sollen den 41 Jahre alten Polizisten Mathias Vieth im Oktober 2011 nach einer nächtlichen Verfolgungsjagd in einem Augsburger Wald förmlich hingerichtet haben.

Die Chronologie der Ereignisse um den Polizistenmord:

28. Oktober 2011: Vieth und seine Streifenkollegin wollen um 2.45 Uhr zwei Männer kontrollieren. Die Verdächtigen flüchten auf einem Motorrad in den Augsburger Stadtwald. Dort kommt zu einer heftigen Schießerei. Vieth stirbt im Kugelhagel, die Polizistin wird verletzt, die Täter entkommen.

15. Dezember 2011: Nachdem die Sonderkommission noch keinen Fahndungserfolg melden kann, wird die ursprünglich nur 5000 Euro umfassende Belohnung erneut erhöht - auf nun 100.000 Euro.

29. Dezember 2011: Die Polizei nimmt zwei Brüder fest, die später auch angeklagt werden. Der jüngere von beiden ist einschlägig vorbestraft: der heute 59-Jährige hatte bereits 1975 bei Augsburg einen Polizisten ermordet und war zu lebenslanger Haft verurteilt worden, nach rund 20 Jahren kam er frei. Die beiden Verdächtigen schweigen.

11. Juni 2012: Die Tochter des älteren, heute 61 Jahre alten Bruders wird zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Sie hatte für ihren Vater Kisten mit Waffen und mehr als 38.000 Euro versteckt. Sie will vom Inhalt aber nichts gewusst haben. Das Geld soll Beute aus einem Raubüberfall der Brüder sein.

20. August 2012: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen die zwei Männer wegen Mordes, versuchten Mordes und weiterer Delikte.

15. Februar 2013: Knapp eine Woche vor dem Prozess wird bekannt, dass sich die Angeklagten möglicherweise aus der Untersuchungshaft freipressen wollten. Angeblich soll es auch den Plan gegeben haben, einen Augsburger Richter zu entführen. Denn der ältere Bruder kennt den Richter privat: Der Jurist hatte als Vorsitzender eines Tennisclubs den Mann als Platzwart beschäftigt. Die Strafkammer ordnet schärfste Isolationshaft für die Angeklagten an.

21. Februar 2013: Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen beginnt die Verhandlung gegen die Brüder vor dem Landgericht Augsburg.

13. November 2013: Das Verfahren gegen den älteren Bruder wird abgetrennt, da der an Parkinson erkrankte Mann nach Ansicht eines Gutachters nicht verhandlungsfähig ist. Deswegen waren schon mehrere Prozesstage ausgefallen. Der Mann bleibt aber in Untersuchungshaft. Die Verhandlung gegen den jüngeren Bruder wird fortgesetzt.

27. Februar 2014: Die Richter verurteilen den Jüngeren wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe und ordnen Sicherungsverwahrung an.

7. Mai 2014: Der Ältere wehrt sich dagegen, dass in einer Psychiatrie ein Gutachten über seine Verhandlungsfähigkeit erstellt wird. Doch das Münchner Oberlandesgericht bestätigt eine entsprechende Entscheidung der Augsburger Strafkammer. Ein Arzt kommt später zu der Auffassung, dass der Mann wieder vor Gericht gestellt werden kann.

22. September 2014: Gegen den älteren Bruder beginnt der Prozess von vorne. Das Gericht plant mit 41 verhandlungstagen in dem Verfahren, das bis Ende April 2015 dauern soll.

dpa

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