Integration behinderter Schüler

Lehrer fordern mehr Unterstützung bei Inklusion

München - Viele Lehrer sind am Ende ihrer Kraft: Sie brauchen mehr Unterstützung bei der Integration behinderter Kinder. Mit einem Hilferuf wenden sie sich an die Staatsregierung.

Die bayerischen Lehrer schlagen wegen gravierender Probleme bei der Inklusion behinderter Kinder an Schulen Alarm und werfen der Staatsregierung mangelnde Unterstützung vor. „Die Lehrerinnen und Lehrer sind am Ende ihrer Kraft“, sagte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, am Mittwoch in München.

„Eine erfolgreiche Inklusion ist ohne optimale Rahmenbedingungen nicht möglich - auch wenn die Staatsregierung das offensichtlich nicht zur Kenntnis nehmen will.“ Das Kultusministerium wies die Vorwürfe zurück und verwies auf deutliche Fortschritte und Verbesserungen in den vergangenen Jahren.

Wenzel kritisierte, die meisten Lehrer fühlten sich mit der Aufgabe alleingelassen, und die meisten Regelschulen seien weder personell noch räumlich auf behinderte Kinder vorbereitet. Es fehle Geld für räumliche Verbesserungen, und es fehlten Fortbildungsprogramme für Lehrer. „Für viele Lehrkräfte wäre es schon hilfreich, wenn sie besser auf die Herausforderungen vorbereitet wären“, sagte Wenzel. Die Lehrer wünschten sich zudem deutlich kleinere Inklusionsklassen, mehr Kooperation mit Sonderpädagogen und geeignete Lehr- und Lernmittel. Wenzel forderte mehr als 200 zusätzliche Stellen.

Das Ministerium nannte es selbstverständlich, dass ein Berufsverband weitere Verbesserungen anmahne. Man nehme Anregungen „aller an Inklusion beteiligten Kräfte“ sehr ernst. Der BLLV übersehe aber „die erheblichen Leistungen des Freistaats für die Weitergestaltung der Inklusion an den Schulen in Bayern“, hieß es in einer Mitteilung. So stelle die Staatsregierung jährlich 100 zusätzliche Lehrkräfte für inklusiven Unterricht zur Verfügung - bis 2016 also insgesamt 600. Und zum aktuellen Schuljahr hätten schon 164 bayerische Schulen das Schulprofil „Inklusion“ ausgebildet - mit einer besonders intensiven Kooperation von Lehrern der Regelschule mit Sonderpädagogen.

Als Beispiel für die Überforderung vieler Lehrer nannte der BLLV rechtliche Unklarheiten bei der Medikamentenabgabe an betroffene Kinder. Das Ministerium verlange dies. Bei Fehlern zahle aber weder die Unfallversicherung noch die Diensthaftpflichtversicherung.

Dazu erklärte das Ministerium: „Anders als der BLLV behauptet ist die regelmäßige Verabreichung von Medikamenten keine allgemeine Dienstpflicht einer Lehrkraft, sondern kann von dieser freiwillig nach einer Vereinbarung mit den Eltern übernommen werden.“ Das Ministerium räumte allerdings ein, dass Haftungsfragen nicht pauschal, sondern nur im Einzelfall geklärt werden könnten. Ebenfalls räumte das Ministerium ein, dass es hier offenbar Klärungsbedarf gebe. Man werde deshalb das Gespräch auch mit dem BLLV suchen.

dpa

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