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Odilo Lechner wird 85.

Porträt

Beten und Bier - Altabt Odilo Lechner wird 85

München/Andechs - Als Abt der Benediktinerabtei St. Bonifaz war Odilo Lechner fast 40 Jahre lang für die geistliche Prägung des Klosters zuständig. Aber auch für süffige Getränke.

Er fuhr, wenn es sein musste, auch im quietschgelben Sportflitzer an der Kirche vor. Als die S-Bahn einmal nicht wie geplant fuhr und kein Taxi verfügbar war, bat der damalige Abt von St. Bonifaz in München an einer Tankstelle einen Mann, ihn mitzunehmen. Und so kam es, dass der Sportwagenbesitzer den damals 66-jährigen Odilo Lechner zum Erstaunen der versammelten Pfarrgemeinde im Sportflitzer vor der Kirche absetzte. Der auch ansonsten unkonventionelle und bescheidene Ordensmann feiert am 25. Januar seinen 85. Geburtstag.

39 Jahre lang stand Hans Helmut Lechner, wie der am 25. Januar 1931 als Beamtensohn in München geborene Mönch eigentlich heißt, an der Spitze der Abtei im Herzen Münchens. Weil Kloster Andechs nahe Starnberg dazugehört, war der Ordensobere nicht nur für die geistliche Leitung der Abtei, sondern auch für das süffige Bier zuständig, das auf dem „Heiligen Berg“ gebraut wird.

In seine Amtszeit fiel der Ausbau der Klosterökonomie, zu der heute neben einer ganzen Reihe von Biersorten und Likören auch der erfolgreiche Vertrieb von Lizenzprodukten wie Brot, Schnupftabak und Speck gehört. Bräustüberl und Biergarten von Kloster Andechs sind zudem ein beliebtes Ausflugsziel von Einheimischen und Urlaubern gleichermaßen.

Mit dem Erlös der Andechser Wirtschaftsbetriebe verpflegt das Kloster St. Bonifaz Obdachlose. Jeden Morgen wird an Dutzende Männer und Frauen Essen verteilt. „Denn diese Menschen brauchen vor allem am Morgen etwas Warmes“, begründete Odilo Lechner die Initiative einmal. Auch eine Arztpraxis wurde eigens für die Obdachlosen eingerichtet.

Als Kind habe er erst Straßenbahnschaffner und dann Dichter werden wollen, erzählte der Altabt einmal schmunzelnd. Doch der Zweite Weltkrieg und die Schulzeit im niederbayerischen Benediktinerkloster Metten prägten ihn so sehr, dass er sich zum Priestertum berufen fühlte. „Nach dem Ende der Nazi-Diktatur hatten die Menschen geistigen Hunger, man hat die Suche nach Orientierung überall gespürt“, erinnert er sich.

Lechner studierte in München und Innsbruck Theologie und Philosophie. 1952 trat er ins Kloster St. Bonifaz ein. 1956 wurde er zum Priester geweiht, war zunächst Seelsorger in der Pfarrei St. Bonifaz und dann Assistent am Philosophischen Institut der Benediktiner in Salzburg. 1962 promovierte er mit einer Arbeit über den Kirchenlehrer Augustinus.

1964 wurde er als damals jüngster Oberer der Benediktiner in ganz Deutschland zum Abt von St. Bonifaz und Andechs gewählt. Er behielt das Amt fast 40 Jahre lang. Lechner - Träger des Bayerischen Verdienstordens - machte sich auch mit einer Vielzahl von Veröffentlichungen einen Namen. So wurde doch noch ein Dichter aus ihm. In seinem Buch „Kraft der Stille“ schreibt er: „Wer aus dem Lärm und der Hetze der Straßen dieser Welt in ein Kloster tritt, empfindet es vielleicht zuallererst als einen Raum geheimnisvoller Stille.“

Auch um den jahrzehntelang als Redner, Mann der Ökumene und Prediger gefragten Altabt ist es zuletzt stiller geworden. Doch Odilo Lechner lebt im Konvent von St. Bonifaz weiterhin den strengen Alltag mit frühem Aufstehen, viel Gebet und innerer Einkehr. Um seine Person macht er kein Aufhebens. Regelmäßig können Kirchenbesucher ihn - inzwischen auf einen Gehstock gestützt - beim Weg zum sonntäglichen Gebet erleben.

dpa

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