Gemeinde aufgebracht

Bistum nimmt Pfarrer nach Hetzrede ins Gebet

Deining - Hetze gegen Frauen, Homosexuelle und die Presse. Ein Pfarrer aus der Oberpfalz ist nach einem Rundumschlag beim Bistum und Teilen seiner Gemeinde in Ungnade gefallen. Gemeinderäte und Generalvikar besprechen die Zukunft des Geistlichen.

Nach einer Hetzrede gegen Frauen, Homosexuelle und die Presse hat der Pfarrer im oberpfälzischen Deining einen Großteil seiner Gemeinde gegen sich aufgebracht. In einem Brief an den Bischof von Eichstätt, Gregor Maria Hanke, beschrieben nach Medienberichten nun neun Mitglieder der Pfarrei auch das dienstliche Verhalten des Pfarrers als „nicht gesellschaftsfähig“.

Bereits nach dem umstrittenen Äußerungen hatte das Bistum Eichstätt den Kirchenmann ins Gebet genommen. Nach den nun aufgekommenen Vorwürfen werde es ein Gespräch mit dem Generalvikar und dem Gemeinderat über die Zukunft des Pfarrers geben, sagte ein Bistumssprecher auf Anfrage.

In dem Brief wird mit Beispielen erläutert, wie sehr sich das Gemeindeleben seit Amtsantritt des Pfarrers im September 2013 zum Negativen verändert habe. Demnach habe der 49-Jährige Frauen als „Weiber“ bezeichnet, die hinter den Herd gehörten und zum Kinderkriegen da seien. Bei einer Beerdigung soll der Pfarrer geäußert haben, dass der Verstorbene nicht in den Himmel kommen werde, weil er ihn zu Lebzeiten nicht in der Kirche gesehen habe. Und bei einer Taufe soll er ein an Leukämie erkranktes Kind im Rollstuhl gefragt haben, ob es zu faul zum Laufen sei.

Grundschülern, die seiner Ansicht nicht folgsam genug gewesen waren, habe er prophezeit, ihnen würden Teufelshörner aus dem Kopf wachsen. Auch der Jugendchor dürfe nicht mehr auftreten, weil er zu modern sei.

Auslöser für das Schreiben war eine Rede des Pfarrer auf einem Neujahrsempfang Anfang Januar. Augenzeugen hatten berichtet, der Geistliche habe in einer Schimpftirade gegen verschwenderische Politiker, Homosexuelle, zunehmende Islamisierung und einseitige Medien gewettert.

Anfang dieser Woche hatte deshalb Generalvikar Isidor Vollnhals den Pfarrer zu einem Gespräch zitiert. Dabei hatte Vollnhals den Geistlichen „eindringlich auf die Vorgaben“ hingewiesen, zu einem friedlichen Zusammenleben beizutragen. In einer vom Bistum veröffentlichen Erklärung hatte der Pfarrer daraufhin sein Bedauern ausgedrückt. Mit seinen Äußerungen habe er nicht beabsichtigt, Menschen zu verletzen oder zu diskriminieren. Vielmehr sei es ihm darum gegangen, möglichst eindringlich Probleme in einer Weise zu artikulieren, wie sie von vielen Menschen so empfunden würden. Der Pfarrer selbst war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

dpa

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