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Mit dem feierlichen Prolog eröffnete das diesjährige Nürnberger Christkind Barbara Otto (M) in Nürnberg auf der Empore der Frauenkirche den Nürnberger Christkindlesmarkt.

Für Christkind Barbara erfüllt sich ein Traum

Nürnberger Christkindlesmarkt eröffnet

Nürnberg - Der Nürnberger Christkindlesmarkt ist als einer der berühmtesten Weihnachtsmärkte Deutschlands ein Touristenmagnet. Eröffnet wurde am Freitagabend wie alle Jahre wieder vom Christkind persönlich.

Vor einer Kulisse von rund 20 000 Besuchern hat das Christkind Barbara Otto am Freitagabend den Nürnberger Christkindlesmarkt auf dem Hauptmarkt eröffnet. Den Prolog - ein mehrstrophiges Weihnachtsgedicht - sprach die 18-Jährige traditionell von der Empore der Frauenkirche, sie wurde dabei von zwei Engeln und mehreren Fanfaren-Bläsern flankiert. Das öffentliche Schauspiel markiert in Nürnberg alljährlich den Beginn der Adventszeit.

Trotz Terrorängsten und des nasskalten Novemberwetters hatten viele Nürnberger den Weg auf den feierlich abgedunkelten Hauptmarkt gefunden. Obwohl es keinerlei Hinweise für eine Gefährdung gab, demonstrierte die Polizei Präsenz. Neben uniformierten Einsatzkräften hatten sich auch zivile Kräfte unter die Besucher gemischt. Nürnbergs Wirtschaftsreferent Michael Fraas (CSU) hatte die Marktbesucher im Vorfeld zu „gelassener Wachsamkeit“ aufgerufen.

Bis zum Heiligen Abend bieten in der 185 mit Tannengrün geschmückten rot-weißen Marktbuden neben Glühwein und Lebkuchen typische Weihnachtsartikel an, wie Krippen, Kerzen, Weihnachtsschmuck und die berühmten „Zwetschgenmännle“ - kleine Figuren aus Dörrobst. Kleinere Besucher kommen auf der „Kinderweihnacht“ auf ihre Kosten. Auf sie warten neben historischen Karussells auch Mitmach-Aktionen.

Inzwischen wächst auf dem Christkindlesmarkt auch das Angebot an Bioprodukten. Bereits 60 Prozent der Getränke-, Imbiss- und Süßwaren-Stände böten auch biologisch hergestellte Erzeugnisse an, hatte das Marktamt im Vorfeld betont. Auch Mülltrennung werde auf dem Markt groß geschrieben. Plastikbecher für Glühwein sind auf dem Markt seit Jahren verboten.

Der Nürnberger Christkindlesmarkt ist zusammen mit dem Dresdner Striezelmarkt einer der ältesten Weihnachtsmärkte in Deutschland. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1628: Auf einer Spanschachtel aus Nadelholz findet sich neben der Jahreszahl der Hinweis auf einen „Kindles-Marck“ in Nürnberg.

Eröffnung des Nürnberger Christkindlesmarktes - Bilder

Eröffnung des Nürnberger Christkindlesmarktes - Bilder

Vermutlich gab es das „Städtlein aus Holz und Tuch“, wie der Christkindlesmarkt im Prolog des Christkinds genannt wird, aber schon früher, meinen Stadthistoriker. Bereits im Jahr 1610 ist in einem Ratsbeschluss der früheren Freien Reichsstadt von einem Markt die Rede, auf dem Geschenke zum „Kindleinsbescheren“ angeboten wurden.

Was das Christkind sagt

„Ihr Herrn und Frau'n, die ihr einst Kinder wart, ihr Kleinen am Beginn der Lebensfahrt, ein jeder, der sich heute freut und morgen wieder plagt: Hört alle zu, was euch das Christkind sagt!“ So beginnt der traditionelle Prolog des Nürnberger Christkinds. Wenn der berühmte Christkindlesmarkt eröffnet wird, lauschen jedes Jahr mehrere Tausend Menschen. Die Eröffnungszeremonie ist seit Jahrzehnten nahezu unverändert. Der Text des Prologs wurde in den 1950er- und 1960er-Jahren mehrfach verändert.

Die Rede nimmt nach Angaben der Stadt Bezug auf die Situation im Jahr 1948, als es erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder einen Christkindlesmarkt in Nürnberg gab. „Bedenkt, wer alles schon hat, der braucht nichts geschenkt“, sagt das Christkind von der Empore der Frauenkirche aus. Und der Prolog endet mit den Worten: „Die Kinder der Welt und die armen Leut, die wissen am besten, was Schenken bedeut. Ihr Herrn und Frau'n, die ihr einst Kinder wart, seid es heut wieder, freut euch in ihrer Art. Das Christkind lädt zu seinem Markte ein, und wer da kommt, der soll willkommen sein.“

Barbara ist das Nürnberger Christkind 2015

Ein Geheimnis macht Barbara Ottos Familie nicht gerade aus dem Amt der Nürnbergerin. „Wir sind Christkind“, steht auf einem großen Zettel an der Wohnungstür - darunter ein Foto von Barbara und ihrer Vorgängerin kurz nach der Wahl der 18-Jährigen zum neuen Nürnberger Christkind Anfang November. Auch in der Wohnung weihnachtet es sehr - den Schmuck vom vergangenen Jahr hat die Familie gleich stehen gelassen. „Das rentiert sich nicht, das wegzuräumen“, sagt Vater Klemens Sittler. „Die Zeit vergeht immer so schnell“, ergänzt Mutter Inge Otto und lacht.

Die 63-Jährige war vielleicht auch der Auslöser, warum die Tochter am Ende Christkind werden musste. „Ich bin schon immer ein Weihnachtsmensch gewesen“, sagt die Grundschullehrerin. Sie genieße die Vorweihnachtszeit immer besonders, „weil's sonst immer so eine Hetze ist“. Das habe Barbara wohl ein wenig übernommen.

Die 18-Jährige wollte „schon immer“ Nürnberger Christkind werden, wie sie erzählt. Seitdem sie als kleines Mädchen eine Dokumentation über das besondere Ehrenamt gesehen habe, sei ihr das klar gewesen. Doch was ist eigentlich so toll daran, in vier Wochen rund 170 Termine zu absolvieren und viele Stunden in der Kälte stehen zu müssen? „Ich weiß schon, dass es stressig ist und ein Knochenjob“, sagt Barbara. „Aber es ist auch einzigartig. Es ist eine Auszeichnung, das Christkind zu sein.“ Außerdem werde man als Christkind mit einem Lächeln empfangen - egal, wo man hinkommt.

„Das Christkind sieht nur fröhliche Gesichter“, pflichtet ihre Mutter ihr bei. „Das ist einfach toll, wie viel Freude einem da entgegenschwappt - gerade in dieser Terror-Zeit.“ Angst vor einem Anschlag bei ihrem großen Auftritt auf der Empore der Frauenkirche hat Barbara nicht. „Dafür bin ich nicht wichtig genug“, sagt die 18-Jährige. Außerdem vertraue sie den Sicherheitsmaßnahmen der Polizei. Am Freitag (27. November) muss sie vor etwa 20 000 Besuchern den Christkindlesmarkt mit dem berühmten Prolog eröffnen.

Bis vor kurzem machte Barbara noch ein Regieassistenz-Praktikum bei der Kinderoper „Pinocchio“ und half in einer Anwaltskanzlei aus. Und nach der Weihnachtszeit stehen weitere Praktika beim Radio, in der Theaterpädagogik und einer Konditorei an. Später möchte der Krimi-Fan vielleicht einmal in der Kriminalpsychologie landen - und viel reisen. „Ich möchte so viel von der Welt sehen wie möglich“, sagt sie. Wohnen will sie aber weiterhin in der Nähe ihrer Familie.

Die Abiturientin mit den langen braunen Haaren wirkt unbekümmert und natürlich. Die 18-Jährige spielt Gitarre und Geige, tanzt seit drei Jahren in der Tanzschule und liebt es, zu backen. „Torten, Kekse, Muffins, alles.“ Sie trägt schlichte sportliche Kleidung, nur dezenten Schmuck und „höchstens Wimperntusche“. Hier muss sie sich nun ein wenig umgewöhnen: Für ihr Christkind-Amt musste Barbara Make-Up und Puder kaufen. „Da muss ich jetzt selbst erstmal üben“, sagt sie lachend. Nur Rouge brauche sie keins. Ihre Wangen sind meist ein wenig gerötet. „Das scheint durch's Make-Up durch.“

Ihre Amtsvorgängerin Teresa Treuheit hat ihr beim Einkaufen geholfen: Neben Puder und Pinsel musste sie vor allem Skiunterwäsche und Glitzerstaub für das goldene Buch besorgen, aus dem sie bei der Märchenstunde vorliest. Auch ihr Kostüm hat die 18-Jährige schon einmal anprobiert - samt Lockenperücke und goldener Krone. „Wenn ich umgezogen bin, fühle ich mich schon anders. Wirklich wie das Christkind. Was das genau ist, kann ich nicht sagen.“

Sozusagen von Kindesbeinen an hat sich die 18-Jährige auf ihr Amt vorbereitet. Als Engel verkleidet begleitete die anfangs Neunjährige mit ihrer Schwester zusammen sechs Jahre lang den Nürnberger Nikolaus. Er besuchte wie das Christkind Altenheime, Hilfsorganisationen und Vereine. „Meine Aufgabe war, den Nikolaus mit einem kurzen Gedicht anzukündigen und ihm zu helfen“, erklärt Barbara. Außerdem sprach sie bei jeder Gelegenheit mit den ehemaligen Christkindern und fragte sie über ihr Amt aus - in ihrem Zimmer hängen acht Autogrammkarten ihrer Vorgängerinnen.

So wusste Barbara gut, was auf sie zukommt. „Doch dass es so schlimm wird mit dem Medienrummel, hätten wir nicht gedacht“, sagt ihre Mutter. „Wir bereuen es aber noch nicht“, betont sie. Und auf einen ihrer vielen Termine freut sich Barbara besonders: Mitte Dezember wird sie als Christkind das Altenheim besuchen, in dem ihre 88 Jahre alte Oma wohnt, die an Demenz leidet. „Dass ich das Christkind bin, war seit langem das erste, was sie sich länger als zwei Tage gemerkt hat“, erzählt Barbara.

Christkindlmärkte: Fühlen sich die Münchner noch sicher?

dpa

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