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ZDF-Doku: US-Soldaten vergewaltigten in Bayern tausende Frauen

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Von: Franz Rohleder

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Die Verbrechen der Befreier
"Die Verbrechen der Befreier: Amerikas dunkle Geheimnisse im Zweiten Weltkrieg" lief am Dienstagabend im ZDF. © ZDF

München - Eine Doku im ZDF über US-Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg zeigt: GIs erschossen deutsche Gefangene und vergewaltigten tausende Frauen. Übergriffe gab es auch in Bayern.

Keine Frage: Für die meisten Deutschen im Westen und Süden des Reiches, die in irgendeiner Form unter den Gräueln des Nazi-Regimes litten, kamen die amerikanischen Soldaten bei ihrem Vormarsch ins Nazi-Reich als Befreier. Dieses Bild vom heldenhaften GI vermitteln in der Regel auch Hollywood-Filme über den Zweiten Weltkrieg. Freilich mit Ausnahmen. So werden etwa in "Der Soldat James Ryan" willkürliche Erschießungen von deutschen Soldaten durch US-Militärs gezeigt. Doch das Bild einer uneingeschränkt heldenhaften US-Armee bekommt schwere Kratzer. 70 Jahre nach Kriegsende thematisiert erstmals eine deutsche TV-Dokumentation die Kriegsverbrechen der amerikanischen Besatzer. "Die Verbrechen der Befreier: Amerikas dunkle Geheimnisse im Zweiten Weltkrieg" (lief am Dienstag ab 20.15 Uhr). Den Film von Annette Harlfinger und Michael Renz kann man auch im Webauftritt des ZDF sehen.

Die Doku bringt erschreckende Fakten ans Tageslicht: Der Vormarsch der US-Armee gegen Hitlers Tyrannei war begleitet von Gräueltaten der GIs. Schätzungen der deutschen Opferzahlen gehen weit auseinander und sorgen für Streit unter den Experten, auch weil sie ein Tabubruch sind und in der Bundesrepublik jahrzehntelang als potenzielle Belastung für das Verhältnis zu den westlichen Bündnispartnern galten. Allein in Bayern, das im April 1945 von US-Truppen befreit wurde, gehen Historiker von mehreren tausend Sexualdelikten durch amerikanische Soldaten aus. An manchen Landungsstränden in der Normandie überlebte nur jeder zweite deutsche Kriegsgefangene.

Diese Kriegsverbrechen der US-Soldaten gegen Deutsche dokumentiert "Die Verbrechen der Befreier" im ZDF: 

ZDF-Doku "Die Verbrechen der Befreier"  will Nazi-Verbrechen nicht verharmlosen

Trotz der umfassenden Erkenntnisse über US-Kriegsverbrechen gegen Deutsche bemühen sich die Autoren, die Gräuel der Nazi-Kriegsmaschinerie nicht zu verharmlosen. Sie weisen darauf hin, dass Millionen sowjetischer Soldaten in deutscher Kriegsgefangenschaft umkamen. Und: Deutschen Soldaten im Ostfeldzug wurde Straffreiheit bei Mord, Vergewaltigung und Plünderung zugesichert. "Ein Freibrief für alle deutschen Soldaten."

Auch stellen die Macher der ZDF-Doku "Die Verbrechen der Befreier" das Schicksal der jeweiligen Kriegsgefangenen gegenüber. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 22.000 deutsche Soldaten starben in US-Kriegsgefangenschaft. 363.000 Deutsche kamen in sowjetischer Kriegsgefangenschaft um. Und 2,5 Millionen Sowjets kamen in deutscher Kriegsgefangenschaft ums Leben.

Für die Autoren steht somit im Hinblick auf den Zweiten Weltkrieg fest: "Verglichen mit der ungeheuren Dimension der deutschen Verbrechen sind die Übergriffe amerikanischer Soldaten kaum mehr als eine Randnotiz."

Nach ZDF-Doku "Die Verbrechen der Befreier" zu US-Kriegsverbrechen: Das sagt die Forschung

Die von sowjetischen Soldaten an normalen Deutschen begangenen Morde, Vergewaltigungen und Plünderungen sind seit Jahren gut erforscht. Dass sich auch die amerikanischen Soldaten in großem Ausmaß an deutschen Zivilisten vergingen, blieb lange ein Randthema der Forschung. So ist es bezeichnend, dass der britische Historiker und Journalist Giles MacDonogh erst im Jahr 2007 ein aufsehenerregendes Buch über Kriegsverbrechen in allen vier Besatzungszonen herausbrachte: "After the Reich: The Brutal History of the Allied Occupation" (Deutsch: "Nach dem Reich: Die brutale Geschichte der alliierten Besatzung") Ebenso bezeichnend ist es, dass es noch immer keine deutsche Ausgabe dieses Buches gibt. Das Fazit des britischen Geschichtsforschers: Raub, Mord und Vergewaltigung gab es in allen Besatzungszonen. Allerdings in sehr unterschiedlichem Ausmaß. Die meisten Morde und Vergewaltigungen in den westalliierten Zonen gehen auf das Konto der Franzosen. Kein Wunder: Viele Soldaten erlebten (wie auch die Rotarmisten) die Verbrechen der Wehrmacht im eigenen Land. Auch die Amerikaner gingen bei ihrem Vormarsch zuweilen brutal vor. Der Hass auf die Deutschen war von der Propaganda im eigenen Land geschürt worden. Hinzu kamen die schockierenden Bilder, mit denen die GIs in den befreiten Konzentrationslagern konfrontiert wurden. Diese dienten als Rechtfertigung für Übergriffe gegen die Besiegten.

Historiker Prof. Sönke Neitzel wünscht sich in der ZDF-Doku "Die Verbrechen der Befreier" vor allem eine bessere Aufarbeitung der sexuellen Übergriffe im Zweiten Weltkrieg: "Wir haben viele Sachen aufgearbeitet. Den Holocaust und Kriegsverbrechen aller Art. Aber die sexuelle Gewalt ist - warum auch immer - kaum behandelt worden. Die Forschungen, die wir jetzt haben, zeigen,  dass in allen Armeen des Zweiten Weltkriegs die sexuelle Gewalt und Vergewaltigungen eine viel größere Rolle spielten, als wir dachten. Auch in der Wehrmacht." 

fro

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