+
Wegen Totschlags muss sich der 55 Jahre alte Mediziner vor Gericht verantworten. Der Frauenarzt soll seine Ehefrau getötet haben.

Angeklagter: "Ehe war harmonisch"

Vom Frauenarzt zum Frauenmörder?

Landshut - Weil er seine Ehefrau umgebracht haben soll, muss sich ein Frauenarzt aus Erding jetzt vor dem Landgericht Landshut verantworten. Vor Gericht spricht er von einer Ehe voll Harmonie und Wärme.

Weil er seine 60-jährige Ehefrau Brigitte umgebracht haben soll, muss sich der Erdinger Frauenarzt Prof. Dr. Michael B. seit gestern vor dem Schwurgericht Landshut verantworten. Der 55-jährige Gynäkologe bestreitet den Tatvorwurf vehement. Er sagt, seine Ehe sei stets von Harmonie und Wärme geprägt gewesen.

Staatsanwalt Klaus Kurtz wirft dem Angeklagten Totschlag vor. Er ist überzeugt, dass der Gynäkologe im gemeinsamen Reihenhaus seine Frau mit einem stumpfen Gegenstand niedergeschlagen hat. Dann habe er ihr Mund und Nase zugehalten, um sie zu ersticken. Als der Angeklagte am Abend des 4. Dezember 2013 völlig aufgelöst einen Nachbarn um Hilfe bat, war seine Frau schon tot, ihr Körper ausgekühlt.

Was war im Badezimmer passiert? Bei einer gerichtsmedizinischen Untersuchung wurden bei der Toten Rippenbrüche sowie Blutergüsse an Kopf, Schulter und beiden Armen festgestellt. Spuren deuten auch eindeutig darauf hin, dass der Täter seinem Opfer Mund und Nase zuhielt. Laut Anklage war die Frau bereits in den Mittagsstunden gestorben. Zu dieser Zeit könnte der Mediziner, der nur nachmittags in der Praxis arbeitete, noch am Tatort gewesen sein. Es gibt keine Spuren eines Einbruchs. Deshalb kommt nach Ansicht des Staatsanwalts nur der Ehemann als Täter in Frage.

Dr. Michael B. sagt, er habe sich an jenem Mittwoch mittags von seiner Ehefrau verabschiedet und sei in seine Praxis gefahren. „Wir haben uns zum Abschied noch zugewunken. Das war das letzte Mal, dass ich sie lebend gesehen habe.“ Man habe sich auf dem Weihnachtsmarkt in Erding treffen wollen. Mehrfach habe er vergeblich versucht, sie per SMS oder Anrufe zu erreichen. „Da habe ich mir schon Sorgen gemacht.“ Um 18.35 Uhr habe er dann die Praxis verlassen. Er habe noch vergeblich am Weihnachtsmarkt vorbeigeschaut und sei dann nach Hause gefahren.

Im Haus hätten Lichter gebrannt, aber auffällig sei gewesen, dass die Eingangstür nicht wie üblich doppelt abgeschlossen gewesen sei. Im Haus habe er nach ihr gerufen. Dann habe er sie leblos im Bad mit einer Blutlache um den Kopf herum gefunden. In Panik sei er zum Nachbarn gelaufen und gebeten, den Notarzt zu rufen.

Für den Prozess sind 25 Verhandlungstage angesetzt.

Bluttat im Reihenhaus

Üblicherweise ist es sehr ruhig in der Siedlung Am Hochrainacker im Erdinger Ortsteil Pretzen. Doch am Abend des 4. Dezember 2013 war plötzlich die Hölle los: Um 19.15 Uhr klingelte der Arzt Dr. Michael B. aufgeregt bei einem Nachbarn. Er forderte, sofort den Rettungsdienst zu verständigen. Im Badezimmer seines Hauses habe er soeben seine Ehefrau leblos gefunden. Flackerndes Blaulicht erhellte die Straße. Wie ein Lauffeuer ging es von Haus zu Haus: Ein Mord! Dann wurde bekannt, dass ihr Mann wegen dringenden Tatverdachts selbst in Haft sitzt. Dass er seine Biggi getötet hat, wollen viele nicht glauben. Bei Freunden waren die Eheleute sehr beliebt. Die Patientinnen überhäuften den Gynäkologen mit großem Lob.

WS

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

500 Jahre Reinheitsgebot: Festival in München

München - 500 Jahre bayerisches Reinheitsgebot feiert die hiesige Brauwirtschaft mit einem eigenen Festival. Vom 22. bis 24. Juli rückt sie in der Landeshauptstadt die …
500 Jahre Reinheitsgebot: Festival in München

Baby fast verhungert: Jugendamt war gewarnt

Augsburg - Mit einer lebensbedrohlichem Unterernährung kommt ein acht Monate alter Bub in die Klinik. Das Jugendamt hatte zwar Hinweise auf Misshandlung, doch die …
Baby fast verhungert: Jugendamt war gewarnt

Aufräumarbeiten an eingestürzter Autobahnbrücke

Werneck - An der vor knapp zwei Wochen eingestürzten Autobahnbrücke in Unterfranken haben am Montag die Aufräumarbeiten begonnen.
Aufräumarbeiten an eingestürzter Autobahnbrücke

Kinderrechte im Abschiebezentrum Bamberg vielfach verletzt

Bamberg - Im Abschiebezentrum in Bamberg leben derzeit 142 Kinder und Jugendliche. Sie haben kaum eine Perspektive, in Deutschland Asyl zu erhalten und hier zu leben. …
Kinderrechte im Abschiebezentrum Bamberg vielfach verletzt

Kommentare