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Kerzen und Kuscheltiere an der Stelle, an der das Mädchen zusammenbracht.

Elfjährige Schülerin getötet

Tödliche Silvester-Schüsse: Absurdes Motiv

Oberaurach - Knapp zwei Wochen nach dem tödlichen Schuss in der Silvesternacht auf ein elfjähriges Mädchen in Unterfranken ist der Fall aufgeklärt. Die Erklärung des Täters sorgt für Entsetzen.

Der Stoßseufzer der Ermittler war unüberhörbar: „Uns ist ein Riesenstein vom Herzen gefallen“, sagte Schweinfurts Kripochef Armin Kühnert in Bamberg, als er gestern die Festnahme des mutmaßlichen Mörders der kleinen Janina (11) verkünden konnte. Mit einem Motiv, das niemand verstehen kann …

Nur zwei Stunden zuvor hatte der Justizmitarbeiter Roland E. (53) vor dem Ermittlungsrichter eine Beichte abgelegt: Er sei in der Silvesternacht auf seiner Couch eingeschlafen, dann gegen 1 Uhr durch Böllerei vor seiner Haustür in der Unterschleichacher Siedlung Am Käppela wachgeworden. „Aus Wut und Ärger über diese Störung und seine persönliche Situation nach der Trennung von seiner Familie soll er aus dem Keller einen Kleinkaliberrevolver geholt haben, sich in seinen Garten begeben und drei- bis viermal im flachen Winkel über den Boden in Richtung einer Personengruppe geschossen haben“, sagte Bambergs Leitender Oberstaatsanwalt Erik Ohlenschlager. Der Angeklagte bestritt jede Tötungsabsicht, doch das nahmen ihm Ermittler und die Haftrichterin nicht ab – sie erließ Haftbefehl wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen.

200 Trauergäste gaben ihr das letzte Geleit

Janina war am Neujahrsmorgen auf einmal bewusstlos zusammengebrochen, nachdem sie zum ersten Mal alleine mit Freunden feiern durfte. Eine Not-OP konnte sie nicht retten. Am 7. Januar wurde das Mädchen beigesetzt. Rund 200 Trauergäste gaben ihr das letzte Geleit. Erst bei der Obduktion stellte sich heraus, dass sie von einer .22-Kaliber-Kugel getroffen worden war. Daraufhin bildete sich eine 50-köpfige SOKO, die Zeugen befragte, Waffenbesitzer überprüfte und Bilddateien aus der Silvesternacht sichtete.

Gleich zu Beginn der Ermittlungen war die Kripo bei Roland E. vorstellig geworden: Ihm gehörten vier der insgesamt sechszig in Unterschleichach registrierten Waffen. Bereitwillig händigte er seine Waffen aus, sagte in einer ersten Vernehmung, er sei zum Jahreswechsel im Ort unterwegs gewesen. Doch nachdem sämtliche 300 Einwohner befragt worden waren, fiel auf: Roland E. hatte keiner von ihnen gesehen. In seiner Nachbarschaft galt der Kraftfahrer, der in der JVA Ebrach angestellt war, als cholerischer Einzelgänger. Von seiner Partnerin hatte er sich schon vor Jahren getrennt.

Am Dienstag rückte die Kripo erneut bei Roland E. zur Hausdurchsuchung an. Der Beschuldigte selbst wurde an seinem Arbeitsplatz festgenommen. „Er war sichtlich erleichtert, dass man ihm auf die Spur gekommen ist“, sagte Oberstaatsanwalt Christopher Rosenbusch. Weil er seine Tat nun auf seine psychische Erkrankung schiebt, wegen der er auch bereits behandelt wurde, will die Staatsanwaltschaft einen Gutachter zur Frage der Schuldfähigkeit einschalten.

Roland E. sitzt in einer JVA außerhalb Oberfrankens

Fest steht bereits: Das in Janinas Schädel sichergestellte Projektil passt zu einer der Waffen, die Roland E. als früheres Mitglied eines Schützenvereins legal besitzt. Dennoch wartet die Staatsanwaltschaft noch auf ein ballistisches Gutachten des Bayerischen Landskriminalamts, das zudem ein 3-D-Modell des Tatorts anfertigen soll. Roland E. wurde in eine JVA außerhalb Oberfrankens gebracht, damit er in U-Haft auf keine Bekannten trifft. Ihm droht lebenslange Haft.

Währenddessen äußerte sich Janinas Mutter Magdalena (36) zur Verhaftung. Sie hatte an den Täter appelliert, sich zu stellen. „Was ist das für ein Mensch? Es macht mich so wütend. Wie kann man nur einfach so durch die Gegend schießen?“ Im Falle eines Prozesses will sie eines: dem Täter in die Augen schauen.

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