Marode Infrastruktur

Etwa jede vierte staatliche Brücke in Bayern muss saniert werden

München - Brücken sind teure Bauwerke - und teuer ist auch die Instandhaltung. Eine Anfrage der Landtags-SPD beim Innenministerium enthüllt den großen Sanierungsbedarf. SPD-Fraktionschef Rinderspacher ist entsetzt.

Etwa jede vierte Brücke an öffentlichen Straßen in Bayern ist nach Einschätzung der Behörden ein Sanierungsfall. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage von SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher hervor. Demnach müssten 1291 der insgesamt 5085 Brücken in näherer Zukunft instand gesetzt werden, weil „Standfestigkeit und/oder Dauerhaftigkeit“ des Bauwerks beeinträchtigt sein können.

Rinderspacher kritisierte den Investitionsstau am Mittwoch scharf: „Was die CSU-Regierung hier mit den Brücken treibt, ist versteckte und verschleppte Staatsverschuldung.“

Tatsächlich saniert werde nur ein Bruchteil der Brücken, monierte der SPD-Fraktionschef. So sollten in Schwaben von 149 sanierungsbedürftigen Brücken ganze 17 instand gesetzt werden. „Hier wird die Sicherheit der Menschen gefährdet und die Verschuldung einfach den künftigen Steuerzahlern aufgebürdet.“

"Auf Kosten künftiger Generationen"

Auch die Freien Wähler kritisierten die Landesregierung scharf: „Der Sanierungsstau unserer Brücken spiegelt den schlechten Zustand der gesamten Verkehrsinfrastruktur wider - mit der Reparatur hängt Bayern mehr als zehn Jahre hinterher“, sagte der stellvertretende Vorsitzende Thorsten Glauber. Die Staatsregierung feiere zwar einen Rekordhaushalt nach dem anderen, lebe aber tatsächlich „von der Substanz - und auf Kosten künftiger Generationen“.

Das Ministerium teilt den Zustand der Brücken nach Schulnoten ein: Die 1291 sanierungsbedürftigen Brücken sind diejenigen, denen die Bauämter die Note vier - „ausreichend“ - oder schlechter gegeben haben. Immerhin 173 Brücken sind demnach mit Note fünf oder sechs beurteilt und in so schlechtem Zustand, dass sie umgehend saniert werden müssten. Die restlichen reparaturbedürftigen Brücken sind mit „ausreichend“ bewertet und müssten demnach „kurzfristig“ saniert werden.

Der ministeriellen Auflistung zufolge sind die Brücken in den beiden südlichen Regierungsbezirken und in Niederbayern in etwas besserem Zustand als in den drei fränkischen Regierungsbezirken und der Oberpfalz: Dort stehen 2403 staatliche Brücken, von denen 678 saniert werden müssten. In Schwaben, Oberbayern und Niederbayern dagegen sind nach dem amtlichen Zahlenwerk lediglich 613 Bauwerke reparaturbedürftig, obwohl dort insgesamt 279 Brücken mehr stehen. Rinderspacher fordert nun von der Staatsregierung die schnellstmögliche Aufstockung ihres Reparaturetats.

dpa

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