Der Angeklagte (l.) erklärte, dass er aus Panik gehandelt hatte.
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Der Angeklagte (l.) erklärte, dass er aus Panik gehandelt hatte.

Hausarzt war ein Opfer

Ex-Wachtmeister gesteht Mord an Rentnerehepaar

Traunstein - Mit einem umfassenden Geständnis des Angeklagten hat vor dem Landgericht Traunstein der Prozess um den Raubmord an einem Rentnerehepaar begonnen.

Der Ex-Justizwachtmeister räumte am Donnerstag ein, seinen langjährigen Hausarzt und dessen Ehefrau am Pfingstmontag 2014 in deren Ferienhaus in Aschau in Chiemgau getötet zu haben.

Der 58-Jährige stellte sich bei seiner Vernehmung als Opfer der Justiz dar. Völlig zu Unrecht sei ihm die Betreuung seiner demenzkranken Mutter entzogen worden, schilderte der Ruhestandsbeamte vor dem Schwurgericht. „Ich war psychisch ziemlich am Ende.“

Zunächst beschrieb der Angeklagte seinen Werdegang. Er verlangte dabei mehrfach erfolglos, dass die Zuhörer den Sitzungssaal verlassen sollen. Das Einzelkind einer Landwirtsfamilie aus dem Chiemgau lernte erst Einzelhandelskaufmann, holte dann das Fachabitur nach und wurde Justizwachtmeister. Nach der Bundeswehrzeit sei er schwer depressiv geworden, schilderte der verheiratete Vater zweier Kinder. „Warum bist du überhaupt geboren?“, habe er sich in der Zeit oft gefragt.

Der Ex-Wachmeister redete sich vor Gericht in Rage

Durch Spekulationen an der Börse gewann der Angeklagte viel Geld, verlor aber auch große Summen und musste Immobilienbesitz verkaufen. 2013 wurde seine Mutter dement und kam in ein Pflegeheim. Der zeitweise in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim beschäftigte Ex-Wachtmeister redete sich bei seiner Vernehmung vor Gericht regelrecht in Rage, als es um den Entzug der Betreuung seiner Mutter ging. Er sei gerichtlich mit finanziellen Rückforderungen von mehr als 270 000 Euro konfrontiert worden, sagte er. „Wissen Sie, was das bedeutet?“, fragte er den Vorsitzenden Richter Erich Fuchs.

In dieser für ihn ausweglosen Situation „habe ich ein Ventil gesucht“, schilderte er seine Motivlage vor dem Schwurgericht. „Das Maß war voll, es war übergelaufen.“ Am Pfingstsonntag 2014 fuhr er schon einmal in der Absicht einzubrechen zum Ferienhaus seines langjährigen Arztes, „etwas hat mich aber davon abgehalten“. Tags darauf schritt er dann zur Tat. „Irgendwann hat es kein Halten mehr gegeben, ich musste mich auflehnen“, schilderte er.

Die Tat geschah aus Panik

Zum eigentlichen Tatablauf gab sich der Angeklagte recht wortkarg. „Lassen Sie sich halt nicht jedes Wort aus der Nase ziehen“, forderte ihn der Vorsitzende zum Reden auf. Der 58-Jährige gestand daraufhin, dass er von dem Ehepaar überrascht worden sei, als er das Haus nach Diebesgut durchsuchte. Als ihn die 65-Jährige nach der Aufforderung, die Scheckkarte samt PIN herauszurücken, geschubst habe, „bekam ich Panik“. Mit einem mitgebrachten Dachgepäckträger erschlug er zunächst die Frau und erstach dann mit einem Küchenmesser seinen 90 Jahre alten Hausarzt. Die Leichen versteckte er in einem Wald. Von einem Unbeteiligten ließ er 4000 Euro vom Konto seines Arztes abheben, dann wurde er gefasst.

Verteidiger Harald Baumgärtl beschrieb seinen Mandanten in einer Sitzungspause als Mann „mit enormen psychischen Problemen“. Der Angeklagte bringe die Tat tatsächlich mit dem Entzug der Betreuung seiner Mutter in Verbindung. „Das Betreuungsverfahren hat ihn existenziell belastet“, sagte der Anwalt. Am ersten Verhandlungstag wurde denn auch bekannt, dass der Ruhestandsbeamte vor einer Woche in der Untersuchungshaft einen Suizidversuch unternahm.

Im Prozess muss sich der 58-Jährige auch für eine räuberische Erpressung im November 2013 in Brannenburg (Landkreis Rosenheim) verantworten. Das Traunsteiner Schwurgericht will zu beiden Taten mehrere Sachverständige und zahlreiche Zeugen hören. Das Urteil soll nach fünf Verhandlungstagen am 5. März verkündet werden.

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