Das Tagpfauenauge ist eigentlich ein Allerweltsschmetterling. Dramatisch: Seine Population ist seit Mitte des 20. Jahrhunderts um 90 Prozent zurückgegangen.
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Das Tagpfauenauge ist eigentlich ein Allerweltsschmetterling. Dramatisch: Seine Population ist seit Mitte des 20. Jahrhunderts um 90 Prozent zurückgegangen.

Zoologische Staatssammlung schlägt Alarm

Forscher: Vielfalt der Schmetterlingsarten in Bayern bedroht

München - Wissenschaftler der Zoologischen Sammlung München haben eine umfassende Checkliste aller in Bayern heimischen Schmetterlingsarten zusammengestellt. Dabei zeigt sich: Immer mehr Arten verschwinden.

Immer weniger Schmetterlingsarten sind in Bayern heimisch. Das geht aus einer Arbeit bayerischer Forscher hervor, die für die Zoologische Sammlung München alle Schmetterlingsarten, die in Bayern verbreitet sind oder einmal verbreitet waren, in einer Liste zusammengetragen haben. Danach sind heutzutage in Bayern nur noch 2781 von einstmals 3243 Schmetterlingsarten übrig, die in den vergangenen 250 Jahren in Bayern registriert wurden.

„Wir haben einen signifikanten Artenschwund“, sagt Andreas Segerer, Schmetterlingsforscher der Zoologischen Sammlung, der gemeinsam mit dem Fachamateur Alfred Haslberger die Liste zusammengestellt hat. Seit 1971 sei der Rückgang besonders stark. Die Bestände werden immer kleiner, auch die der eigentlich häufigen „Allerweltsschmetterlinge“ wie dem Kohlweißling oder dem Tagpfauenauge. „Wo früher zehn Tagpfauenaugen herumgeschwirrt sind, ist heute noch eines übrig“, sagt Segerer. Die Population sei seit Mitte des 20. Jahrhunderts um 90 Prozent zurückgegangen.

Forscher geben der Landwirtschaft die Schuld

Vor allem die intensive Landwirtschaft bedroht nach Ansicht der Forscher die Schmetterlinge. „Solange sich daran nichts ändert, wird der Verlust an der Biodiversität der Schmetterlinge zwangsläufig weitergehen“, sagt Segerer. Die Magerwiesen in Nordbayern und in der Münchner Schotterebene beispielsweise seien eigentlich das natürliche Habitat vieler Schmetterlinge. Doch diese nährstoffarmen Wiesen werden stark gedüngt und seien damit kein geeigneter Lebensraum für die Schmetterlinge mehr. Zu stark sei die Stickstoffbelastung, sagt Segerer. Wenn man die Schmetterlinge wirklich schützen wolle, müssen man die intensive Landwirtschaft abschaffen. „Das ist natürlich unrealistisch“ sagte Segerer, „aber unser Lebensstil und die Erhaltung der Artenvielfalt schließen sich gegenseitig aus.“

Zwei Jahre lang hatten die Münchner Forscher aus etwa 400 000 elektronischen Datensätzen und zahlreichen noch nicht digitalisierten Sammlungen und Literaturquellen Material zusammengetragen und alle Arten aufgelistet und kommentiert. Die Verbreitung der Arten ist nach den Regionen Alpen, Voralpenland, Nordbayern und Bayerischer Wald aufgeschlüsselt. So ist die nach eigenen Angaben umfangreichste Liste dieser Art in Bayern entstanden.

Segerer und Haslberger konnten 100 Schmetterlingsarten aufnehmen, die bis dahin noch nicht erfasst waren. Darunter ist auch eine Art, die der Wissenschaft bisher unbekannt war. „Das ist ein winziger Kleinfalter aus der Familie der Grasminierfalter, der in den Alpen gefunden wurde“, sagte Andreas Segerer. Er muss jetzt wissenschaftlich beschrieben werden.

dpa

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