Bürger protestieren

„Gleichstrompassage" erhitzt Gemüter

Kulmbach/Nürnberg - Buhrufe für den Netzbetreiber: Viele Bürger ärgern sich über die Pläne zum Bau einer Stromautobahn von Sachsen-Anhalt nach Schwaben. Zweifelhaft ist, ob ihr Widerstand etwas nützt.

Etliche Gemeinden in Bayern sind derzeit in Aufruhr. Der Grund nennt sich „Gleichstrompassage Süd-Ost“. Dahinter verbirgt sich eine etwa 450 Kilometer lange Stromautobahn von Sachsen-Anhalt bis in den Landkreis Augsburg. Ob der Landkreis Wunsiedel in Oberfranken oder der Landkreis Eichstätt im Altmühltal - es regt sich großer Widerstand gegen die Pläne des Netzbetreibers Amprion. Das Unternehmen hatte am Dienstagabend zu einer ersten Infoveranstaltung ins oberfränkische Kulmbach eingeladen. Weit mehr als 1000 Bürger sind gekommen.

Mit Buhrufen quittieren sie die Erläuterungsversuche der Amprion-Vertreter. Sie haben sich mit ihren Transparenten aufgebaut, auf denen sie sich gegen die „Monstertrasse“ aussprechen und betonen: „Es reicht!“ Für den Mittwoch hat Amprion die mittelfränkischen Bürger nach Nürnberg eingeladen. Auch hier ist Protest zu erwarten.

Anke Gräbner und ihr Mann Jochen aus Ramlesreuth bei Speichersdorf (Landkreis Bayreuth) demonstrieren vor der Stadthalle in Kulmbach gegen die Trassenplanungen. Am Ort führe bereits eine Stromleitung mit großen Masten vorbei, sagt Anke Gräbner. Jetzt fürchtet das Paar, dass weitere Masten folgen und das Ortsbild vollends verschandeln. „Wir haben Angst, dass unser Dorf nicht mehr lebenswert ist.“ Jochen Gräbner vergleicht die geplante Trasse mit einem „ICE, der an uns vorbeirauscht - und wir haben nichts davon“. Auch vor gesundheitlichen Risiken durch die Magnetfelder der Leitungen fürchten sie sich.

Viele Landräte und Bürgermeister sind in Kulmbach dabei. In die zahlreichen Mikrofone sagen sie, dass sie alles tun werden, um riesige Strommasten in ihren Kommunen zu verhindern. Es ist Wahlkampfzeit. Viele Lokalpolitiker müssen sich im März zur Wahl stellen - der Protest gegen die Trasse dürfte in den betroffenen Gemeinden und Landkreisen ganz oben auf der Liste der Themen stehen.

2022 soll die Stromautobahn fertig sein, so plant es Amprion. Bislang diskutiere man nur über Vorschläge, noch sei der Trassenverlauf längst nicht verbindlich, sagt Projektsprecherin Joelle Bouillon. Man bemühe sich, einen größtmöglichen Abstand zu Wohnhäusern einzuhalten, obwohl es dafür keine gesetzlichen Vorgaben gebe. Die Verantwortlichen beim Dortmunder Netzbetreiber sind Widerstand gegen ihre Projekte gewöhnt. Bouillon sagt, man habe einen gesetzlichen Auftrag, die Trassenpläne umzusetzen. Der im Norden und Osten produzierte Windstrom müsse in den Süden geschafft werden.

Man sei durchaus bereit, sich mit sachlichen Argumenten mit den Bürgern auseinandersetzen, ergänzt Projektleiter Dirk Uther. Formale Einspruchsmöglichkeiten haben Bürger und Behörden allerdings erst, wenn das Planfeststellungsverfahren von 2017 an läuft. Klagen, betonen Uther und Bouillon, hätten keine aufschiebende Wirkung.

dpa

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