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Der Einzelkämpfer: Gustl Mollath sitzt ganz allein im Sitzungssaal 104 des Regensburger Landgerichts. Er hat sich mit seinen Anwälten überworfen, sie baten gestern um die Entbindung von ihrem Pflichtmandat – vergebens.

Verteidiger zieht die Notbremse

Mollath-Prozess: Eklat vor Gericht

Regensburg - Gustl Mollaths Verteidiger zieht die Notbremse: Nach einem Eklat bittet er um seine Entpflichtung – doch das Landgericht Regensburg lehnt ab. Prozesstag 14 endet mit einem endgültigen Zerwürfnis. Mollath ist kein einfacher Mandant.

Regensburg – Dieser Satz sagt alles: alles über das, nun ja, spezielle Verhältnis zwischen dem Angeklagten und seinem Pflichtverteidiger. „Ein Mandant, der öffentlich Lügen über seinen Anwalt verbreitet – das geht mir nicht nur gegen den Strich, sondern gegen meine Ehre“, erklärt Gerhard Strate, jener Mann, der erst vor wenigen Tagen sein Mandat niedergelegt hatte und daraufhin zum Pflichtverteidiger von Gustl Mollath bestellt wurde. Jetzt also bittet Strate die Vorsitzende Richterin sogar um seine Entpflichtung. Es ist Montagvormittag, kurz nach 9 Uhr. Und der Prozess am Landgericht Regensburg droht zu platzen.

Nach knapp zwei Stunden steht fest: Der Prozess platzt nicht, er geht weiter, alles wie geplant. Die Vorsitzende Richterin Elke Escher hat entschieden, Strate bleibt Mollaths Pflichtverteidiger, zusammen mit dem Co-Anwalt Johannes Rauwald. Sie sieht das Vertrauensverhältnis als „nicht ernsthaft zerstört an“, sie findet vielmehr, Strate würde Mollath „hervorragend“ verteidigen. Dass es Strate aber endgültig reicht, dass er von Mollath genug hat, ist durchaus nachvollziehbar.

Denn diesmal ist Mollath übers Ziel hinausgeschossen, hat seinem Anwalt öffentlich vorgeworfen, dass der sich nicht ausreichend Zeit für ihn und vor allem für die Besprechung seiner Beweisanträge nehme. Mollath will nämlich noch rund 30 weitere Zeugen laden lassen – bislang wurden schon mehr als 40 gehört. Mollath findet jedoch, das seien die falschen gewesen, zumal es ihm auch weniger um die eigentliche Anklage geht, die auf Köperverletzung und Sachbeschädigung lautet, sondern eher um angebliche Schwarzgeld-Geschäfte seiner Ex-Frau Petra. Und: natürlich auch um seinen Ruf, die vollständige Rehabilitierung – und dazu gehört für ihn, dass diese Bankensache ebenfalls geklärt wird.

„Ich habe Herrn Mollath mitgeteilt, dass die Anträge Mist sind“, sagt Strate. Und: Es treffe keineswegs zu, dass die beiden nicht darüber gesprochen hätten. Außerdem: „Herr Mollath hat meine Handynummer.“ Er hätte Strate selbst am Wochenende erreichen können, der habe Samstag und Sonntag ohnehin „mit dem Fall zugebracht.“ Und: „Ich habe auch versucht, Herrn Mollath am Sonntagabend zu erreichen.“ Vergeblich.

Für Mollath zählen diese Argumente offenbar nicht, er erklärt, er lebe derzeit „wie ein Zigeuner“. Strate kontert prompt: Zigeuner? Mollath seien 13 Verhandlungstage vorfinanziert worden von der Verteidigung! Strate hatte seinen Mandanten nach Informationen unserer Zeitung im gleichen Hotel untergebracht, wo er sich selbst aufhielt. Es handelt sich dabei um ein gutes Hotel in der Regensburger Innenstadt. „Die Diffamierung, die Herr Mollath hier betreibt, das muss ich zurückweisen“, betont Strate. Tatsächlich hat Mollath in den vergangenen Tagen immer wieder die Arbeit seines Anwalts kritisiert. Was absurd anmutet, wenn man bedenkt, dass die Verhandlung auf einen Freispruch hinausläuft – und vor allem auch darauf, dass Mollath nicht in die Psychiatrie zurückmuss. Dort saß er mehr als siebeneinhalb Jahre, und letztlich verdankt er es Strate, dass sein Fall wieder aufgerollt wurde.

Mollath selbst zweifelt zwar nicht an der Professionalität seines Verteidigers, aber in die eigene Verteidigungsstrategie will er sich dennoch nicht mal von einem erfahrenen Juristen reinreden lassen. Als die Richterin Mollath fragt, wie er die Situation beurteile, erklärt der: „Ich bin im Zweifel, ob mit so einer Feindseligkeit eine solche Verteidigung für mich möglich ist. Man sollte Herrn Strate von dem Mandat entbinden.“

Strate ist natürlich Profi genug, um Mollath auch ohne viel Sympathie weiter zu verteidigen – daran zweifelt auch die Richterin nicht, deshalb bleibt es auch am Ende bei diesem Zweckbündnis. Anwalt und Angeklagter reden allerdings so gut wie kein Wort mehr miteinander.

Als es eine kurze Pause gibt, geht Mollath raus, vor das Landgericht, um einem Anhänger die Hand zu schütteln. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht Strate und raucht eine Zigarette. Mollath schaut ihn nicht mal an. Er redet lieber mit einem, der täglich lautstark seine Lieder vor dem Justizgebäude anstimmt. Um „Recht und Freiheit“ für Gustl Mollath zu besingen.

Von Barbara Nazarewska

Barbara Nazarewska

Barbara Nazarewska

E-Mail:barbara.nazarewska@merkur.de

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