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Halten die Deiche in Straubing?

Ticker-Nachlese vom Mittwoch

Die Deiche in Straubing drohen zu brechen

München - Die Pegelstände stagnieren oder sinken vielerorts - wie in Passau oder am Tegernsee. Im Raum Deggendorf ist die Gefahr hingegen noch nicht gebannt. Alle aktuellen Entwicklungen vom Mittwoch im Ticker zum Nachlesen.

+++21.02 Uhr: In Straubing kämpfen Hunderte Einsatzkräfte weiter fieberhaft darum, die Deiche an der Donau zu halten. Der Pegel sank bis zum Abend zwar auf 7,77 Meter und geht langsam weiter zurück. Aber „aufgrund der aufgeweichten Deiche besteht weiterhin die Gefahr von Überflutungen“, teilte das Landratsamt mit. Der Zustand der Deiche sei bedenklich. Ein Dutzend Ortschaften - Reibersdorf, Sand, Hermannsdorf, Asham, Hunderdorf, Rohrhof, Ainbrach, Entau, Sophienhof, der gesamte Polder Sulzbach und der Bereich um Scheften - blieben evakuiert. Mehrere Sammelunterkünfte stünden offen.

Neuer Einsatzschwerpunkt sei der Deich des Kinsachableiters bei Oberalteich, nachdem die drei Donaudeiche zwischen Reibersdorf und Bogen, Sand und Irlbach sowie Pfelling und Mariaposching durch immensen Einsatz von Feuerwehr, Bundeswehr und Kreisbauhofs verstärkt worden seien. Die Arbeiten dauerten am Mittwochabend noch an. „Im Schnitt sind ständig rund 300 Einsatzkräfte der Feuerwehr im Einsatz“, teilte das Landratsamt mit.

Für Schaulustige und Hochwassertouristen sprach das Landartsamt ein Betretungsverbot für die Deiche und Wege dahinter aus.

Aufgrund der Sperrung der Autobahn A 3 konzentriert sich der gesamte überregionale Verkehr derzeit auf die Bundesstraßen B 8 und B 20 sowie auf die Staatsstraße 2125 von Straubing über Bogen nach Metten. Deggendorf ist derzeit nur noch aus dem Bayerischen Wald zu erreichen.

+++19.50 Uhr: Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) informiert sich am Donnerstag in Deggendorf, Metten, Straubing und Bogen über das Donau-Hochwasser. Zusammen mit Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) und Umweltminister Marcel Huber (CSU) will er sich ein Bild über den Einsatz der Hilfskräfte und die Lage der Betroffenen machen. Um 09.00 Uhr wird Seehofer in Deggendorf an der Einsatzzentrale und dann in der Stadthalle erwartet, um 10.25 am Deich in Metten, um 11.00 Uhr beim Krisenstab der Stadt Straubing und dann am Deich Kinsachableiter in Oberalteich.

+++17.15 Uhr: Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) will nach dem Ende der Hochwasser-Bedrohung mögliche Versäumnisse beim Hochwasserschutz in den betroffenen Gebieten untersuchen lassen. „Sobald sich das Wasser verlaufen hat, muss es eine umfassende und sehr transparente Fehler- und Schwachstellen-Analyse geben“, sagte Altmaier am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

+++16.31 Uhr: Ein 77 Jahre alter Mann ist in einem Hochwasser führenden Fluss in Mittelfranken gestorben. Passanten hätten den leblosen Körper bereits am Montag bei Allersberg (Landkreis Roth) in der reißenden Kleinen Roth gefunden, berichtete eine Nürnberger Polizeisprecherin am Mittwoch. Die Feuerwehr habe die Leiche des Rentners kurz darauf geborgen. Eine Obduktion habe ergeben, dass der Mann einen Infarkt erlitten habe und daher wahrscheinlich nicht als Hochwasseropfer einzustufen sei, hieß es aus Sicherheitskreisen. Der Pegelstand der Kleinen Roth hatte zum Unfallzeitpunkt etwa einen Meter über dem sonst üblichen Wert gelegen. Die genauen Unfallumstände waren am Mittwoch noch unklar.

+++16.23 Uhr: Mittlerweile ist die seit Sonntag am Chiemsee wegen des Hochwassers total gesperrte Autobahn München-Salzburg (A8) wieder befahrbar. Allerdings steht in dem Bereich in beiden Fahrtrichtungen nur jeweils ein Fahrstreifen zur Verfügung. Auch gilt dort ein Tempolimit. Bis zur kompletten Freigabe der A8 werde noch längere Zeit vergehen, „da umfangreiche Baumaßnahmen zur Wiederherstellung nötig sind“, teilte die Polizei in Rosenheim mit.

+++15.39 Uhr: In den Hochwassergebieten im Raum Straubing und Deggendorf war am Mittwoch noch keine Entspannung in Sicht: Es wurde die Evakuierung weiterer Dörfer entlang der Donau angeordnet, wie ein Polizeisprecher sagte. Etwa 1000 Menschen seien betroffen. In Straubing mussten rund 400 Menschen ihre Häuser verlassen. Noch hielten die Dämme in Straubing den Wassermassen stand, sagte ein Sprecher des Einsatzzentrums.

Land unter im Kreis Deggendorf

Schock-Fotos: Land unter im Kreis Deggendorf

+++15.34 Uhr: Für den Landkreis Freising wurde der Katastrophenfall am Nachmittag aufgehoben.

+++14.44 Uhr: Hochwasseropfer in den Katastrophengebieten sollen „Sofortgeld“ zur Linderung der gröbsten Schäden bekommen. Richtwert sind 1500 Euro - in besonderen Fällen kann es auch mehr sein. Das sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Mittwoch nach der Kabinettssitzung. Die Auszahlungen sollen noch in dieser Woche beginnen. „Ich möchte, dass wir in Bayern ein Modell sind für unbürokratisch und schnell.“

+++13.40 Uhr: Der Landkreis Kelheim ist beim Donauhochwasser glimpflich davongekommen. Am Mittwoch wurde der Katastrophenfall wieder aufgehoben.

Der Pegelstand der Donau bei Kelheim sinke stündlich um zwei bis drei Zentimeter. Die höchste Meldestufe vier werde voraussichtlich am Donnerstagfrüh unterschritten. Die Aufräumarbeiten seien in vollem Gange.

+++13.08 Uhr: Die A 8 München - Salzburg wird ab 14 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben. In beide Fahrtrichtungen steht aber jeweils nur ein Fahrstreifen zur Verfügung. Laut Polizei werde es noch dauern, bis die Autobahn komplett freigegeben wird - es seien "umfangreiche Baumaßnahmen zur Wiederherstellung nötig", heißt es in der Meldung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.

+++12.27 Uhr: In den Hochwassergebieten Niederbayerns ist die Lage auch am Mittwoch ernst geblieben. Am Mittag war der Scheitelpunkt der Hochwasserwelle an der Donau in Deggendorf erreicht. „Dieser Stand wird wohl ein bis zwei Tage andauern“, sagte ein Sprecher des Deggendorfer Landratsamtes. Tausende Menschen hatten in der Region Straubing und Deggendorf ihre Wohnungen bereits verlassen müssen, etliche Dörfer sind komplett überflutet. „Die Hochwasserlage an der Donau ist weiterhin sehr ernst“, mahnte auch Markus Mühlbauer, Sprecher des Landkreises Straubing-Bogen.

+++12.21 Uhr: Die Bayerische Staatsregierung hat ein zentrales Spendenkonto für die Hochwasseropfer eingerichtet. Kontonummer 82 000 bei der Bayerischen Landesbank BLZ 700 500 00. Kostenfreie Spendenhotline: 0800 272 6768.

+++11.45 Uhr: Wer in Passau helfen möchte, kann sich bei der Koordinierungsstelle melden. Hier die Kontaktadressen: Freiwilligen können über die Telefonnummern 0851-4905290, 0851-4905291 und 0851-5092613 die Koordinierungsstelle direkt erreichen. Außerdem via Facebook bei „Passau räumt auf“ und über das Bürgertelefon (0851-396-859, 0851-396-860)

+++11.39 Uhr: Die Stadt Passau gibt einen Sachstandsbericht: Der Donaupegel steht bei 10 Metern - und soll bis zum Abend auf 9,50 Meter sinken. Die Stromversorgung soll abschnittsweise wiederhergestellt werden, wo es der Wasserstand zulässt. Außerdem habe man begonnen, die Schäden zu dokumentieren. Ab heute soll auch eine Müllentsorgung aufgebaut werden. Es werden Container aufgestellt, in den befahrbaren Bereichen holen Kipplaster den Sperrmüll ab. Die Passauer Schulen bleiben bis einschließlich Freitag geschlossen. Derzeit sind laut Angaben der Stadtverwaltung rund 1200 Helfer in der Drei-Flüsse-Stadt im Einsatz.

+++11.05 Uhr: Die Lage an der Amper im Kreis Freising ist nach wie vor kritisch. Es bestehe zwar keine akute Gefahr - doch der K-Fall ist noch nicht aufgehoben worden.

+++11 Uhr: Deggendorf ist weiterhin schwer zu erreichen. Die Autobahn 3 Nürnberg-Passau war komplett gesperrt, die Autobahn 92 nach Deggendorf ebenfalls nicht mehr befahrbar. Auf den Umleitungsstrecken hatten sich nach Polizeiangaben Staus gebildet. Das Landratsamt Deggendorf teilte mit, die Stadt sei am besten mit der Waldbahn von Plattling aus zu erreichen. Die Menschen sollten, wenn möglich, auf Autofahrten verzichten, um die Fahrzeuge der Rettungskräfte nicht zu behindern.

+++9.30 Uhr: Gute Nachricht aus Passau: Für die meisten Bürger gibt es wieder Trinkwasser. Im Lauf des Tages sollten die restlichen Haushalte folgen. Noch muss das Wasser aber nach Angaben der Stadt mit Chlor aufbereitet werden. Und: Vor dem Verzehr sollte das Wasser abgekocht werden. Die Passauer haben derweil begonnen, das Hochwasser-Chaos zu beseitigen.

+++9.15 Uhr: In Tegernsee beginnt das große Aufräumen. Die Kollegen von der Tegernseer Zeitung haben wissenswerte Fakten zusammengetragen.

Leserbilder: Hochwasser im Landkreis Miesbach

Leserbilder: Hochwasser im Landkreis Miesbach

+++9.05 Uhr: Schlechte Nachrichten für Bahnnutzer im Kreis Miesbach: Zugverkehr zwischen Miesbach beziehungsweise Schliersee und Bayrischzell kann noch nicht wieder aufgenommen werden. Grund: ein Hang in Gleisnähe droht abzurutschen. 

+++8.55 Uhr: Eine Welle der Hilfsbereitschaft rollt durch Bayern: Die tz sprach mit Menschen, die vollkommen selbstlos Hilfe anbieten - von der Versorgung der Einsatzkräfte über Kleidung oder Schlafplätze für Flutopfer. 

+++8.35 Uhr: Droht uns jetzt eine Stechmücken-Plage? Das Hochwasser hat Bayern zu einem Paradies für die kleinen Plagegeister gemacht. Das Münchner Institut für Infektions- und Tropenmedizin gibt eine Prognose ab.  

+++8.23 Uhr: Die einen helfen, die anderen fotografieren: Feuerwehrleute fordern jetzt Geldstrafen für Flut-Gaffer - um Katastrophen-Touristen von Einsatzorten fernzuhalten.

+++8 Uhr: In Regensburg sinken die Pegelstände, es ist eine leichte Entspannung der Hochwasserlage spürbar. Entwarnung gibt es allerdings noch nicht.

+++7.53 Uhr: Im schwer getroffenen Passau ist das Wasser der Donau zwar fast drei Meter zurückgegangen - entlang der Ufer seien aber immer noch einige Straßen überflutet, teilte ein Sprecher der Stadt mit. Auch die Innenstadt sei nach wie vor abgeschnitten. Das gröbste sei überstanden: „Langsam kommen wir weg von der Katastrophe und hin zum Hochwasser.“

+++7.45 Uhr: Der Hochwasser-Pegelstand der Donau nähert sich in Straubing seinem vorläufigen Höhepunkt. In der Nacht war das Wasser auf eine Höhe von 7,92 Metern gestiegen, teilte ein Sprecher der Stadt mit. Noch bis drei Uhr in der Früh sollte der Pegelstand auf knapp über acht Meter klettern. Bisher hielten die Deiche - einige seien aber kritisch zu sehen.

+++7.30 Uhr: Die Staatsregierung will heute das Hilfsprogramm auf den Weg bringen. Geplant ist ein Programm von 150 Millionen Euro, davon will der Bund die Hälfte übernehmen. Ministerpräsident Horst Seehofer will das Programm bei Bedarf noch aufstocken. Bis feststeht, wie hoch die Schäden tatsächlich sind, wird aber noch einige Zeit vergehen. Seehofer kündigte am Dienstag zudem eine Art „Feuerwehrfonds“ an. Besonders hart getroffenen Privatpersonen und Unternehmen soll damit schnell geholfen werden.

+++7.25 Uhr: Der vom Donauhochwasser teilweise überschwemmte Landkreis Deggendorf ist nach der Teilsperrung der A 92 fast vollständig vom Umland abgeschnitten. Die Region sei nur noch über einige wenige Straßen für Helfer und Fahrzeuge zu erreichen, erklärte Landkreis-Sprecherin Jutta Staudinger am Mittwochmorgen. Die Fahrbahn in Richtung München sei so überflutet, dass ein Durchkommen nicht mehr möglich sei. Es sei davon auszugehen, dass auch die Gegenfahrbahn gesperrt werden müsse. Am Dienstag war schon die A 3 zwischen Nürnberg und Passau gesperrt worden.

Großes Aufräumen in Passau

Großes Aufräumen in Passau

In der Nacht wurden weitere Häuser evakuiert - 50 bis 80 Menschen wurden allein im Landkreis Deggendorf in Sicherheit gebracht. Dammbrüche habe es in der Nacht bislang nicht gegeben - einige Deiche seien aber sehr durchgeweicht und gefährdet, sagte Staudinger.

mm/dpa

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