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Ein italienischer Höhlenretter (l) unterhält sich mit dem Einsatzleiter der Bergwacht am 11.06.2014 am Untersberg bei Marktschellenberg (Bayern) nach seinem Einsatz in der Riesending-Schachthöhle.

Drei Tage nach Steinschlag

Höhlen-Drama Tag 5: Verletzter Forscher transportfähig

Berchtesgaden - Die Nachrichten aus der Tiefe sind gut: Der schwer verletzte Höhlenforscher ist transportfähig. Dutzende Helfer sind dabei, den Transport nach oben vorzubereiten - er wird eine Riesenherausforderung.

Update 2: Nach dem Höhlenunglück bei Berchtesgaden laufen die Vorbereitungen für den Transport des schwer verletzten Forschers Johann Westhauser aus 1000 Metern Tiefe auf Hochtouren. Der 52-Jährige sei mittlerweile transportfähig, sagte der höhlenerfahrene Notarzt, Anästhesist und Neurochirurg Michael Petermeyer am Donnerstag. Eine genaue Diagnostik sei zwar nicht möglich. Aber: „Der Patient ist körperlich und psychisch stabil. Das deute ich als extrem positiv.“

Querschnitt durch die Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden (zum Vergrößern hier klicken).

Die Retter sehen einer schweren Aufgabe entgegen. Insgesamt sind derzeit sieben internationale Höhlenretter-Teams mit rund 30 Leuten in der Riesending-Schachthöhle unterwegs, um den Weg weiter zu sichern und Material nach unten zu bringen: die spezielle Trage für den Schwerverletzten, Medikamente, Nahrungsmittel. Sobald alles vorbereitet sei, könne die Aktion starten (So funktioniert die Rettungs-Aktion genau). Die Retter hoffen, dass sie jeden Tag eines der vier auf der Strecke eingerichteten Biwaks erreichen. Ob das gelingt, ist vollkommen offen. „Das hängt ganz vom Zustand des Patienten ab“, sagte der Bergwachtmitarbeiter.

Die Einsatzleitung bleibt unterdessen über ein eigens installiertes Funksystem in Kontakt mit den Helfern am Unglücksort in der Tiefe. Draußen steht auch Petermeyer bereit. Er könnte ebenfalls noch absteigen und helfen.

Update 1: In der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden bereiten zwei Ärzte die Rettung des schwer verletzten Forschers Johann Westhauser aus 1000 Metern Tiefe vor. Wann und wie genau der Mann nach oben gebracht wird, ist aber offen. „Wann der Transport beginnt, entscheidet der Arzt“, sagte ein Mitarbeiter der Bergwacht.

Seine Bergung wird schwierig: „Es sprengt jede Vorstellung, was eine Rettung aus dieser Tiefe bedeutet“, sagte Petermeyer, der selbst in ähnlichen Tiefen war und das Einsatzteam verstärkt. „Es ist extrem verwinkelt, es geht um die Ecke. Es ist schmierig, es ist lehmig, es ist rutschig. Es ist eine Riesenherausforderung, die uns bevorsteht. Wir brauchen alle einen langen Atem.“

Der kilometerlange Weg aus der Tiefe führt durch enge Stellen und Schächte, über Canyons und sehr lange senkrechte Wände, über die der Verletzte am Seil vermutlich auf einer Trage hinaufgezogen werden muss - wenn das Gelände das zulässt. Dabei sollte ein Patient mit einer solchen Verletzung eigentlich so weit wie möglich ruhig gehalten werden.

Ärzte versorgen verletzten Forscher

Gute Nachrichten aus der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden: Mittlerweile haben Ärzte mit der Versorgung des schwer verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser begonnen. In der Nacht zum Donnerstag traf auch der zweite entsandte Arzt aus Italien bei dem verletzten Stuttgarter ein, wie ein Sprecher der Bergwacht Bayern mitteilte. Der Schwerverletzte sei transportfähig, müsse jedoch zuvor behandelt werden.

„Die Ärzte werden jetzt einen medikamentösen Schutzmantel um den Mann legen“, sagte der Sprecher. Dazu hätten sie spezielle Medikamente und Rettungsmaterial angefordert. Das alles transportieren insgesamt sechs Teams, die am Morgen mit dem Einstieg in die Höhle beginnen und im Laufe des Tages bei dem Forscher eintreffen sollten. Sobald der Zustand des Patienten es erlaube, sei geplant, mit der Hilfe der internationalen Höhlenretter-Teams die Bergung des Mannes aus der Höhle zu starten. Der Mediziner aus Österreich war am Dienstag aufgebrochen und gut einen Tag über senkrechte Wände und enge Schächte unterwegs, ehe er den 52-Jährigen erreichte. Westhauser, der seit Jahren in der tiefsten und längsten Höhle Deutschlands forscht, hatte bei einem Steinschlag am frühen Sonntagmorgen ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten.

„Es ist so, dass so ein Patient seit mehr als drei Tagen auf der Intensivstation liegen würde“, sagte der Frankfurter Neurochirurg Michael Petermeyer in Berchtesgaden. Westhauser habe aber wahrscheinlich das Schlimmste überstanden. „Die Schwelle der maximalen Gefährdung ist überschritten, aber er ist noch nicht über den Berg“, sagte Petermeyer. „Was jetzt mehr oder minder schicksalhaft und nicht vorhersehbar ist, sind Blutungen.“ Der höhlenerfahrene Mediziner ist angereist, um die Einsatzleitung zu verstärken und bei Bedarf selbst in die Höhle zu gehen.

Helfer sichern die Route

Inzwischen haben andere Helfer die Route zum Unglücksort gesichert. Unter anderem wurden an schwierigen Stellen Metallstifte in die glitschigen Felswände gebohrt. Zusätzliche Seile sollen den Rettern den Weg erleichtern. Teils wurden Seile ausgetauscht, weil sie verschlissen waren.

Die Höhle sei extrem schwierig, sagte der Bergwachtler Schneider. „Für mich ist das die absolute Ausnahme, wenn da einer runterkommt.“ Westhauser, der zu den extremsten Höhlenforschern Deutschlands zählt, hatte die Höhle mitentdeckt und erforscht sie mit seinen Kollegen seit Jahren.

Bilder von der Rettungsaktion an der Riesending-Schachthöhle

Bilder von der Rettungsaktion an der Riesending-Schachthöhle am Untersberg

Für den Aufstieg wäre es hilfreich, wenn Westhauser mithelfen könnte - etwa an Engstellen. Der Höhlenretter und Einsatzleiter Nils Bräunig sagte am Mittwoch, er sei zuversichtlich, den Verletzten mit einer Trage auch an engen Stellen vorbei zu bringen.

Sehr aufmerksam beobachten die Helfer den Wetterbericht. Unter anderem soll es Wärmegewitter geben. Starker Regen kann auch in Höhlen die Schluchten und Canyons gefährlich mit Wasser anschwellen lassen. Durch „geschickte Planung“ sei hier inzwischen Vorsorge getroffen worden, sagte Schneider. „Wir haben die Leute aus dem wassergefährten Bereich abgezogen.“

dpa

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