Verletzter Höhlenforscher

Höhlen-Drama: Heute Nacht soll er raus kommen

Berchtesgaden - Der verletzte Höhlenforscher Johann Westhauser soll noch in der Nacht zum Donnerstag die Riesending-Schachthöhle verlassen.

„Wir gehen von einem Zeitfenster zwischen 22 Uhr und den frühen Morgenstunden aus“, sagte ein Sprecher der Bergwacht Bayern am Mittwochabend. Das Rettungsteam komme gut voran.

Rettungstrupp auf letzter Wegstrecke

Bereits um die Mittagszeit setzte sich der Trupp, nachdem er kurz vor Biwak 1 pausiert hatte, wieder in Bewegung. Der Gesundheitszustand ist des Patienten ist weiterhin stabil, teilt die Bergwacht Bayern mit. Westerhauser habe seine Arme in die Ärmel des Schlafsackes gestreckt, damit er sie bewegen könne - und helfen, wenn es um das Bugsieren der Trage geht.

Verschiedenen Medienberichten zufolge könnte Westerhauser noch heute Nacht die Oberfläche erreichen. Ursprünglich rechnete man im Laufe des Donnerstags. Am Höhlenausgang am Untersberg in 1800 Metern Höhe bereiten sich die Retter auf die Ankunft des Schwerverletzten vor. Hubschrauber stehen bereit. „Die Ärzte warten bereits“, sagt Bergwachtsprecher Roland Ampenberger. Eine mobile notfallmedizinische Station ist eingerichtet. Wenn Westhauser ankommt, wird er untersucht. „Je nach dem, wie der Zustand ist, wird entschieden, wie der weitere Transport aussieht“, sagt der Vorsitzende der Bergwacht Bayern, Norbert Heiland.

Kliniken bereiten sich vor

Auch die Medien rüsten sich. Immer mehr Kamerateams beziehen Position am Untersberg.

In welches Krankenhaus Westhauser kommen wird, ist bisher nicht bekannt. Salzburg läge am nächsten. Aber es könnte auch ein Krankenhaus in Süddeutschland sein, in Bayern oder in Baden-Württemberg, wo Westhauser herkommt. „Die Ärzte müssen entscheiden, in welche Klinik er geht“, sagt Ampenberger. „Die wichtigen Kliniken, die infrage kommen, werden darauf eingerichtet sein, dass sie einen weiteren Patienten aufnehmen können.“

Wahrscheinlich ist, dass der Patient erst einmal auf eine Intensivstation kommt. Die Ärzte dürften voraussichtlich Röntgenbilder machen und eine Computertomographie. Das ist bei einem Schädel-Hirn-Trauma normalerweise der erste Schritt, um zu sehen, ob und welche Schäden im Gehirn entstanden sind. Die Sorge: dass Westhauser eine Blutung erlitten hat. Dabei gibt es unterschiedliche Formen, die jeweils unterschiedliche Maßnahmen erfordern würden.

Es wird noch einmal eng

Doch auf dem Weg zum Ausgang wartet auf die Einsatzkräfte noch eine schwierige und kräftezehrende Etappe, die höchste Konzentration abverlangt.

Zunächst geht es durch einen Canyon in Richtung Biwak 1. Dann kommt der vertikale Schlussanstieg. Über Biwak 1 befindet sich ein 180 Meter tiefer, vertikaler Schacht, durch den die Trage mit Muskelkraft emporgezogen werden muss. Und dann wird es noch enger: Darüber befindet sich noch eine deutlich engere Schachtstelle. Insgesamt müssen die Retter noch 300 Meter bis zur Oberfläche zurücklegen.

Im senkrechten Bereich geht es darum, die Trage mit dem Patienten samt medizinischer Begleitung in der sogenannten Gleichgewichts-Methode zu bergen. Extra eingerichtete Seilzüge erlauben es den Rettern, ihr Eigengewicht zum Zug nach unten zu nutzen, um die Trage auf der Gegenseite nach oben zu heben.

Teilweise wurde die Rettungsmannschaft in der Nach ausgetauscht. Seit Dienstagabend sind rund 20 kroatische Retter im Einsatz, um die italienischen Kräfte zu entlasten. Insgesamt sind im Moment 60 bis 70 Leute in der Höhle.

Höhlen-Drama: Neue Bilder der Rettungsaktion

Höhlen-Drama: Neue Bilder der Rettungsaktion

Der Bereich um den Höhleneingang auf dem Untersberg wurde von der Bundespolizei weiträumig abgesperrt. Um die Sicherheit des Flugverkehrs an der Einsatzstelle zu gewährleisten, hat die Deutsche Flugsicherung im Umkreis von rund neun Kilometern um das Untersberg-Massiv seit Dienstag eine Flugverbotszone eingerichtet.

 

Bilder von der Rettungsaktion an der Riesending-Schachthöhle

Bilder von der Rettungsaktion an der Riesending-Schachthöhle am Untersberg

Ungeachtet der großen Fortschritte bei der Bergungsaktion warnt die Bergwacht vor Euphorie: „Die Retter sind angehalten, extrem langsam vorzugehen, um in diesem Abschnitt der Strecke eine Eigengefährdung durch Steinschläge zu vermeiden.“ Westhauser selbst hatte durch einen Steinschlag in tausend Metern Tiefe ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Seit Freitag wird der Höhlenforscher von einem internationalen Rettungsteam auf einer Trage durch enge Schächte aus der Höhle transportiert.

dpa

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