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Erster Prozesstag im neuen Jahr: Mit drei Verteidigern hat Hubert Haderthauer (rechts, hier mit Anwalt Andreas Weitzell) über Weihnachten seine Aussage vorbereitet.

Prozess um Modellbau-Affäre

Haderthauer sagt aus: "Es war mein Herzblut mit drin"

München - Hubert Haderthauer hat vor Gericht zum ersten Mal in der Modellbau-Affäre ausgesagt. Einen Teil der vorgeworfenen Steuerhinterziehung gab er zu, einen Teil wies er zurück. Doch die Aussage ließ auch Fragen offen.

Hubert Haderthauer (59) hat sich etwas erholt über die Weihnachtfeiertage. Er sieht viel fitter aus als noch im Dezember. Er steht aufrechter, seine Gesichtsfarbe ist rosiger, die Gesichtszüge entspannter. Das ist wohl nicht nur den Feiertagen – an Heiligabend hatte er auch noch Geburtstag – zu verdanken. Sicherlich liegt es auch daran, dass er sich endlich äußern darf. Lange wollte er schon sprechen. Nun setzt er sich seine Lesebrille auf, blickt auf seine Unterlagen, spricht dann aber relativ frei, legt seine Sicht auf die sogenannte Modellbau-Affäre dar. Mehr als zwei Stunden lang. 

Sagte gestern aus: Dreifachmörder und Modellbauer Roland S.

Hubert Haderthauer, Ehemann der früheren Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer (53, CSU) und suspendierter Landgerichtsarzt, muss sich seit Dezember vor dem Landgericht München II wegen Betrugs und Steuerhinterziehung rund um die Firma Sapor Modelltechnik verantworten. Diese verkaufte teure Modellautos, die von Straftätern in der geschlossenen Psychiatrie gebaut wurden. Chef-Konstrukteur der Modelle war der Dreifachmörder Roland S. 

Unter dem Strich kann man sagen: Haderthauers Aussage ist lang und dennoch lückenhaft. Einen Teil der vorgeworfenen Steuerhinterziehung räumt er ein, einen anderen Teil weist er zurück. Insbesondere bestreitet er, dass er vier Modellautos im Wert von fast 57 000 Euro unrechtmäßig aus der Firma entnommen hat – am teuersten ein Simplex und ein Mercer für zusammen 40 000 Euro. Er habe nur zwei Modelle als „irgendeine Art von Sicherheit“ mitgenommen, als „eine Art Gerechtigkeitausgleich“, weil das Geschäft so schlecht gelaufen sei. Diese Entnahme von Fahrzeugen, die fortan daheim im Arbeitszimmer standen, spielt sowohl für die Steuerhinterziehung als auch für den angeklagten Betrug eine Rolle. Der Staatsanwalt wirft Haderthauer vor, dass er seinen früheren Kompagnon Roger Ponton beim Verkauf des Betriebs um rund 84 000 Euro geprellt hat. Zu diesem Vorwurf will er sich erst am Freitag äußern. 

"Es war mein Herzblut mit drin"

Derweil erklärt Hubert Haderthauer wie das so war mit Sapor. „Mein Baby“, wie er die Firma bis heute liebevoll nennt. Wahrscheinlich würde er den Modellbau, der in der Psychiatrie als Therapie für psychisch kranke Straftäter eingeführt wurde, noch heute führen. Doch als seine Frau 2008 bayerische Sozialministerin wurde, habe sie ihn zum Verkauf gedrängt. Der Amtschef des Ministeriums habe damals massive Bedenken wegen der Verquickung der Firma mit den Psychiatrien in Ansbach und Straubing gehabt. Schließlich war Christine Haderthauer als Sozialministerin Chefin der Bezirkskrankenhäuser. Hubert Haderthauer habe dieser Verkauf leid, ja „weh getan“. „Es war mein Herzblut mit drin.“ 

Seine Frau Christine will der 59-Jährige ausdrücklich aus der Sache heraushalten. Zwar sei sie von 1990 bis zur Wahl in den Landtag 2003 auf seine Bitte hin Geschäftsführerin gewesen. Er habe als Psychiater des Bezirksklinikums Ansbach jeden Anschein einer Interessenkollision vermeiden wollen. Aber: „Faktisch war Sapor immer meine Sache, mein Ding“, betont er. Christine Haderthauer war 2014 über die Modellbau-Affäre gestürzt – und von ihrem Amt als Chefin der Staatskanzlei zurückgetreten. Sie erwartet nun ein Strafbefehl wegen Steuerhinterziehung. Das Ehepaar soll gewinnmildernd vorgetäuscht haben, dass eine Stimmkreismitarbeiterin für Sapor tätig war. 

"Was ansatzweise fehlt, ist etwas Kaufmännisches"

Haderthauer spricht ruhig und sonor. Er macht rhetorische Pausen. Und er sucht immer wieder Blickkontakt zum Vorsitzenden Richter Rupert Heindl. Doch der lässt ihn abblitzen. Er hört zu und notiert während der Aussage Haderthauers. Dieser stellt das Geschäft mit Sapor als jahrelanges Verlust-Geschäft dar. Immer wieder habe er nachschießen müssen, unter anderem hohe Summen, die von seiner Schwiegermutter stammten. Mit seiner Frau habe es Streit wegen der finanziellen Probleme gegeben. 

Als Haderthauer fertig ist, kommt, was kommen muss. Richter Heindl deckt die Lücken auf: „Was ansatzweise fehlt, ist etwas Kaufmännisches.“ Immer wieder fragt er nach konkreten, nachvollziehbaren Zahlen, nach der Anzahl der gefertigten Autos. Doch Haderthauer kann dazu nichts beitragen; er habe nicht Buch geführt. „Herr Dr. Haderthauer, Sie überraschen mich etwas. Das sind ganz normale betriebswirtschaftliche Überlegungen.“ Dreifachmörder und Chef-Konstrukteur Roland S. (77) kann mehr beitragen als Haderthauer. Schon vor dem Umzug der Modellbautherapie von Ansbach nach Straubing seien 45 Autos fertiggestellt worden. Haderthauer habe stets zur Eile gedrängt. Er widerspicht auch Darstellungen des Psychiaters: So habe der Verkauf der Firma diesem nichts ausgemacht.

Mollath beobachtet Haderthauer-Prozess

Im Prozess gegen den suspendierten Landgerichtsarzt Hubert Haderthauer tauchte am Donnerstag überraschend ein bekanntes Gesicht auf: Gustl Mollath (59), der ab 2011 Schlagzeilen als Justiz-Opfer machte. 

Interessierter Beobachter: Der langjährige Psychiatrie-Insasse Gustl Mollath am Rande des Prozesses gegen Hubert Haderthauer.

Am Rande des Prozesses schilderte er, dass er während seiner Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie in Straubing herausgefunden habe, dass die damalige Ministerin Christine Haderthauer etwas mit dem dortigen Modellbau zu tun habe. „Für mich war klar, da stimmt etwas nicht, das stinkt zum Himmel.“ Eine Bekannte habe dann recherchiert, die Sache sei ins Rollen gekommen. Deshalb wolle er nun wissen, was aus den „jahrelangen Anstrengungen“ geworden sei. „Mich interessiert natürlich, wie’s jetzt weitergeht im Fall Haderthauer.“

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