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Hubert Haderthauer steht unter anderem wegen Betrugs vor Gericht.

Prozess um Modellbau-Affäre

Haderthauer: "Zu keiner Zeit die Absicht, Herrn Ponton zu täuschen"

München - Hubert Haderthauer hat die Betrugsvorwürfe in der Modellbau-Affäre zurückgewiesen. Sein Ex-Kompagnon Ponton sagte als Zeuge aus – und blieb bei seinen Vorwürfen.

Auch am zweiten Tag seiner Aussage ist Hubert Haderthauer (59) guter Dinge, als er den Gerichtssaal betritt. „Guten Morgen“, sagt er in Richtung des Publikums. Auch das Gericht und den Staatsanwalt begrüßt er nochmal mit „Guten Morgen“, bevor er über die Vergleichsverhandlungen mit seinem ehemaligen Geschäftspartner Roger Ponton (86) spricht. Sein Fazit: „Ich möchte betonen, dass ich zu keinem Zeit die Absicht hatte, Herrn Ponton zu täuschen.“ Das sieht Staatsanwalt Achim von Engel anders. Er wirft Haderthauer, Ehemann der ehemaligen Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer (53, CSU) vor, Ponton beim Verkauf der Firma Sapor Modelltechnik um rund 84 000 Euro betrogen zu haben. Sapor ließ teure Modellautos von Straftätern in der Psychiatrie anfertigen. Außerdem soll Haderthauer Steuern hinterzogen haben, was er am Donnerstag auch teilweise einräumte. 

Den Vorwurf des Betrugs will er jedoch keinesfalls auf sich sitzen lassen. Haderthauer schildert, dass seine Frau im Frühjahr 2011 im Landtag ein Brief von Ponton erreichte. Mit der Adressierung an den Landtag habe er „gefühlt zum Ausdruck gebracht“, dass er das Thema auch öffentlich machen würde. „Und das ist uns vom Rechtsanwalt auch unverhohlen angedroht worden“. Haderthauer wandte sich daraufhin an seinen Anwalt und seine Steuerberaterin – und suchte die Unterlagen im Keller zusammen. Von der Steuerberaterin habe er dann erfahren, dass Ponton möglicherweise noch Geld zustehe. „Ich war völlig baff, damit hatte ich nicht gerechnet.“ Er habe gedacht, dass Sapor insgesamt mit einem Verlust geendet hatte. Er habe sich nicht vorstellen können, dass ein Gesellschafter da noch Anspruch auf Geld habe. 

"Habe da ein erhebliches Diffamierungspotential gesehen"

Haderthauer, suspendierter Landgerichtsarzt in Ingolstadt, betont noch einmal, dass er keine kaufmännischen Kenntnisse hatte. Sein Hauptziel sei gewesen, die ganze Sache außergerichtlich zu lösen – wegen der Position seiner Frau, die damals Sozialministerin war. „Ich habe da ein erhebliches Diffamierungspotenzial gesehen.“ Deshalb habe er auch einem Vergleich mit Ponton über 20 000 Euro zugestimmt. Nach der Aussage Haderthauers tritt Roger Ponton selbst in den Zeugenstand – und bekräftigt seine Betrugsvorwürfe. Jahrelang hatten er und Haderthauer keinen Kontakt. Bis er mit dem Chef-Konstrukteur der Sapor, dem Dreifachmörder Roland S., sprach. „Du bist ja Millionär“, habe S. gesagt. Ponton habe sich gewundert, wieso er Millionär sein solle. Schließlich habe er nie einen Cent gesehen. S. habe ihm erklärt, dass doch 130 Autos verkauft worden seien, 80 davon offiziell. 

Ponton gerät aber auch immer wieder ins Straucheln

Daraufhin ging Ponton zu einem Anwalt und ließ das Schreiben an die Haderthauers verfassen. Nach dem Vergleich über 20 000 Euro habe er gedacht: „Das ist nicht möglich“. Die einzige Möglichkeit, die er nun sah: „Ich muss an die Steuer gehen. Sonst wäre das nie aufgeflogen.“ Ponton widerspricht auch Haderthauers Darstellung, dass sich alle Gesellschafter zwei Modellautos mit nach Hause nehmen durften. „Sonst hätte ich ja zwei Autos.“ Bei seiner Befragung gerät Ponton aber auch immer wieder ins Straucheln. An manches kann er sich nach all den Jahren nicht mehr erinnern. Ja, er habe Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis, gibt er zu. Der Prozess dauert an.

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