Beitrag zur Integration

Islam-Unterricht soll ausgebaut werden

München - 94.000 Schüler in Bayern sind Muslime, nur rund 11.500 von ihnen besuchen aber staatlichen Islam-Unterricht. Das Kultusministerium will das nun ändern.

Das Kultusministerium will den Islam-Unterricht an bayerischen Schulen deutlich ausweiten. In den kommenden fünf Jahren soll es an mehr als 100 weiteren Schulen die Möglichkeit geben, statt christlichen Religions- oder Ethik-Unterrichts den Islam-Unterricht zu besuchen. Ziel sind bayernweit 400 Schulen.

„Der Islamische Unterricht in Bayern ist kein konfessioneller Religionsunterricht“, hieß es in einer Ministeriumsmitteilung vom Mittwoch in München. Er findet im Rahmen eines Modellversuchs in staatlicher Verantwortung statt und basiert „auf dem Fundament des Grundgesetzes und der Bayerischen Verfassung“, wie das Ministerium betonte.

Nach den Worten von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) beugt der Islamunterricht auch islamistischer Propaganda vor. Er sei ein Beitrag zur Integration und überall hoch anerkannt. „Es geht nicht um klassischen Religionsunterricht, sondern um staatlich kontrollierte Aufklärung, damit sie nicht in falschen Händen stattfindet“, sagte Seehofer in Wildbad Kreuth.

Die Grünen zeigten sich hinsichtlich der Ankündigung des Kultusministeriums skeptisch. Im Doppelhaushalt 2015/16 finde sich keine einzige der zugesagten 37 Stellen, sagte Landtags-Vizepräsidentin Ulrike Gote. Sie betonte weiter, es gehe nicht nur um die Eindämmung eines militanten Islamismus, sondern vor allem um die gebotene Unterrichtung im eigenen Glauben.

Nur 11.500 von 94.000 jugendlichen Muslimen besuchen den Islam-Unterricht

Rund 94.000 Kinder und Jugendliche an allgemeinbildenden Schulen in Bayern sind Muslime. Im vergangenen Schuljahr besuchten aber nur 11.500 Schüler an 261 Schulen den Islam-Unterricht. 177 Grundschulen in Bayern bieten nach Ministeriumsangaben deutschsprachigen Islam-Unterricht an, 78 Mittelschulen, vier Realschulen und nur zwei Gymnasien. Die meisten der Schulen sind in Großstädten. Künftig soll es auch auf dem Land mehr Angebote geben.

Der Präsident des bayerischen Lehrerverbandes BLLV, Klaus Wenzel, begrüßte die Pläne des Ministeriums. „Wir haben immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass der Bedarf wesentlich höher ist. Umso mehr erkennen wir an, dass das Kultusministerium nun handelt“, sagte er - und forderte bessere Ausbildungsmöglichkeiten für Islam-Lehrer.

Nach Ministeriumsangaben gibt es 65 Lehrerstellen für Islam-Unterricht in Bayern. An der Uni Erlangen-Nürnberg, der bislang einzigen entsprechenden Ausbildungsstätte in Bayern, studieren derzeit rund 40 Lehramtsanwärter das Fach.

dpa/lby

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