Prozess in Memmingen

Kokablätter für Siebtklässler: Lehrer vor Gericht

Memmingen - Weil in ihrem Unterricht Kokablätter verteilt wurden, stehen zwei Lehrer schon zum zweiten Mal vor Gericht. Sie weisen jede Schuld von sich.

Zum Auftakt des Berufungsprozesses vor dem Landgericht Memmingen am Donnerstag wiesen die Pädagogen - ein Mann und eine Frau - die Schuld von sich. „Mir war nicht bewusst, dass da ein Unrecht geschieht“, sagte die 61 Jahre alte Angeklagte.

Ihr und ihrem 45-jährigen Kollegen wird Beihilfe zu unerlaubter Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige vorgeworfen. Sie hatten im November 2012 an einer Mittelschule in Weißenhorn bei Neu-Ulm eine Peruanerin in den Erdkundeunterricht eingeladen, die vor den Schülern über die Sitten ihrer Heimat sprach. Die Frau, die an der Schule als Putzfrau arbeitet, sprach in Landestracht vor zwei Klassen und zeigte unter anderem Schmuck, Textilien, Musik und Tänze aus Peru.

Allerdings hatte sie auch getrocknete Kokablätter als Anschauungsmaterial dabei. „Ein paar haben die Blätter genommen, darauf gekaut und wieder ausgespuckt“, schilderte ein heute 15-jähriger Schüler vor Gericht. „Es hat bitter geschmeckt“, sagte ein 14-jähriger Klassenkamerad. Andere Kinder hatten die Blätter mit nach Hause genommen. Gesundheitliche Beschwerden habe es später nicht gegeben. Die Blätter des Koka-Strauchs gelten in Südamerika als Heilmittel. Weil sie aber der Grundstoff für Kokain sind, sind die Blätter in Deutschland verboten.

Die Peruanerin war als Zeugin geladen, sie sah die Schuld bei den Angeklagten. „Die Lehrer hätten mir sagen müssen, dass ich das den Schülern nicht zeigen durfte“, sagte sie unter Tränen. Weder sie noch die beiden Angeklagten wollen gesehen haben, dass einige Kinder die Blätter in den Mund genommen oder eingesteckt haben. 

In einem ersten Verfahren am Amtsgericht Neu-Ulm waren die Lehrkräfte freigesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt, weil in dem ersten Prozess keine Schüler als Zeugen gehört wurden. Die Peruanerin ist bereits rechtskräftig verurteilt worden - sie erhielt eine Geldstrafe zur Bewährung.

dpa

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