Meridian
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Unglaublicher Vorfall im Video

Strom weg: Fahrgäste müssen Meridian schieben

Kufstein/Kiefersfelden - Unglaublicher Vorfall beim Rosenheimer Meridian: Wegen einer technischen Panne mussten Fahrgäste aussteigen und den tonnenschweren Zug anschieben. Die Bahnbehörden fordern Aufklärung durch das Unternehmen.

Wer seinen Zug liebt, der schiebt – solche und ähnliche Witze dürften jetzt über den Meridian zuhauf gerissen werden. Doch es ist kein Witz, sondern tatsächlich passiert: Am vergangenen Montagnachmittag blieb ein Meridian-Zug auf der Strecke zwischen Kufstein und Kiefersfelden offenbar wegen fehlenden Stroms liegen – und wurde mit vereinten Kräften wieder auf einen Abschnitt mit Strom geschoben.

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„Ja, den Vorfall gab es“, bestätigte Kai Müller-Eberstein, Chef der Bayerischen Oberlandbahn, zu der der Meridian gehört. Die Meridian-Züge fahren erst seit Mitte Dezember auf dem Rosenheimer Streckennetz. Schon am Anfang gab es viele Pannen, der Ruf des Unternehmens ist angekratzt, auch wenn es zuletzt besser lief. Dementsprechend wortkarg ist der Meridian-Chef: „Wir ermitteln intern.“ Der Zugführer und das Personal würden befragt. Er bitte um Verständnis, dass er noch nicht mehr sagen dürfe.

Aufschluss über den Hergang gibt jedoch ein Passagier, der die Situation auch gefilmt hat. Demnach begann das Problem schon in Kufstein mit einem kurzzeitigen Stromausfall im Zug. „Als wir die Grenze von Österreich nach Deutschland überschritten hatten“, so berichtet der Fahrgast, „blieb auf einmal der Zug erneut stehen“. Der Zugführer habe laut geflucht, sei aus dem Führerstand zu den Fahrgästen gerannt und habe berichtet, dass der Zug des Typs Flirt „dummerweise auf einem etwa einen Meter langen Streckenabschnitt ohne Strom“ stehen geblieben sei. Die Elektronik streikte offenbar auf einem sogenannten Streckentrenner. Dabei handelt es sich um einen kurzen Gleisabschnitt, der die Stromnetze von Österreich und Bayern unterbricht. „Stromtrenner sind gängig und funktionieren täglich hunderte Male“, heißt es bei der Bahn. Wahrscheinlich ist der Fehler bei den nagelneuen Flirt-Triebzügen zu suchen.

Auf den Lokführer könnten juristische Konsequenzen zukommen

Anstatt nun auf eine Lok zu warten, die Anschubhilfe hätte leisten können, habe der Zugführer nach hektischen Telefonaten die Idee gehabt, die Passagiere könnten doch aussteigen und den Zug mit vereinten Kräften zurück nach Österreich schieben. Kaum zu glauben – aber wahr: Ein Zug wiegt 114 Tonnen, aber „die Reibungskräfte sind tatsächlich relativ gering“, sagt Meridian-Chef Kai Müller-Eberstein. „Es hat funktioniert.“

Dennoch ist so ein Vorgang natürlich absolut inakzeptabel, wie Bahnexperten betonen. Fahrgäste dürften keineswegs auf freier Strecke auf den Gleisen herumturnen. Die Strecke Kufstein-Kiefersfelden ist stark befahren und zweigleisig – nicht auszudenken, wenn auf dem Gegengleis ein anderer Zug entlangrast. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft hat die Oberlandbahn „unverzüglich zu einer Stellungnahme aufgefordert“, wie BEG-Chef Johan Niggl erklärt. Die Sicherheit der Fahrgäste müsse Priorität haben. Genauso sieht es das Eisenbahnbundesamt. „Wir erwarten von der BOB umfassende Informationen zum Hergang des Geschehens und zu den daraus gezogenen Konsequenzen.“ Die Behörde werde dann „über das weitere Vorgehen entscheiden“. Auf den Lokführer könnten juristische Konsequenzen zukommen – wegen gefährlichen Eingriffs in den Schienenverkehr.

Dirk Walter

Auf der Werdenfels-Strecke und beim Meridian gibt es seit längerer Zeit Probleme. Der Landtag setzt jetzt deshalb auch die Staatsregierung unter Druck.

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