+
Schwer verletzte Masthühner, die schon als Küken überzüchtet sind, verenden qualvoll: Sie können nicht mehr laufen.

Zustände bei Hubers Landhendl

Putenmast: Tierschützer decken Skandal auf

Augsburg - Schwer verletzte Puten, brutal niedergeknüppelt, halb lebend weggeworfen: Die SOKO Tierschutz hat die Zustände bei Hubers Landhendl dokumentiert - die Firma beliefert Rewe, Edeka und das Oktoberfest.

In den Mastbetrieben der Firma herrschen katastrophale Zustände: Schwerstverletzte Puten leiden Tag für Tag, werden brutal niedergeknüppelt und halb lebend weggeworfen. Die Bilder, die die SOKO Tierschutz mit versteckter Kamera gefilmt hat, sind in einem Betrieb südlich von Dillingen enstanden - und nur schwer zu verdauen.

Die SOKO Tierschutz ist ein gemeinnütziger Verein, der sich auf die Rechte von Tieren, Umwelt- und Verbraucherschutz spezialisiert hat. In den vergangenen eineinhalb Jahren haben die Tierschutz-Ermittler recherchiert und die Zustände bei Lieferanten von Hubers Landhendl dokumentiert. "Flatternde Tiere werden weggeworfen, brutal niedergeknüppelt und für den Verkauf ab Hof illegal geschächtet", ist in einer Pressemitteilung der SOKO Tierschutz zu lesen. "Schwerstverletzte Puten leiden Tag für Tag in den Tierfabriken." Die teilweise schockierende Bilder wurden am Sonntagabend bereits in Spiegel-TV ausgestrahlt.

Hubers Landhendl profitiert von Wiesenhof-Skandal

Zu den Kunden von Hubers Landhendl zählen Rewe, Edeka, Netto, Penny Höhenrainer, Vinzenzmurr, viele Metzgereien und das Münchner Oktoberfest. Die SOKO Tierschutz hat bereist im vergangenen Jahr die Tierquälerei-Vorwürfe beim Geflügelproduzent Wiesenhof dokumentiert.

Von den Skandalen um Wiesenhof hat besonders ein Konzern profitiert: Der österreichische Konzern Hubers Landhendl und dessen Schlachthof in Deutschland, die Süddeutsche Truthahn AG.

"Zwischen Wiesenhof und Hubers Landhendl gibt es aber einen Unterschied", sagt Friedrich Mülln, erster Vorsitzender des Vereins SOKO Tierschutz, der seinen Sitz in Augsburg hat. "Wiesenhof hat nie bestritten, Massentierhaltung zu betreiben." Huberst Landhendl hingegen tut genau das: Von zufriedenen freilaufenden Puten ist auf der Homepage des Unternehmens die Rede - auf den Bildern wird jedoch genau das Gegenteil gezeigt. "Hubers Landhendl betreibt ein perfides Spiel."

Der SOKO Tierschutz liegen Aufnahmen von sechs Farmen vor, die den Konzern Hubers Landhendl beliefern. Von dem Image idyllischer und traditioneller Bäuerlichkeit und Tierwohl bleibt darin nichts übrig.

Hier sehen Sie ein Youtube-Video, in dem die SOKO Tierschutz die Haltebedingungen der Tiere dokumentiert hat.

Die Aufnahmen der Recherche zeigen außerdem, dass massiv Antibiotika eingestetzt wurden. Schon Küken konnten nicht mehr laufen, weil sie bereits so viel Fleisch angesetzt hatten, dass sie von ihrem eigenen Gewicht gezwungen wurden, qualvoll zu verenden. Denn sie schafften es nicht mehr, zur Wasserstelle zu laufen.

"Aufnahmen übertreffen alles bisher dagewesene"

Noch halb lebende Tiere werden mitsamt den Tierkadavern in großen Tonnen entsorgt.

Auch das Verladen der Tiere wird äußerst brutal gezeigt: Die Puten wurden aus mehreren Metern Entfernung in die Transportboxen geschmettert. Die Tiere, die in den Stallungen der Farmen blieben, vegetierten vor sich hin: schwach, krank und schwerstverletzt.

"Die aktuellen Aufnahmen aus einem Betrieb im Landkreis Dillingen übertreffen alles bisher da gewesene", ist in der Pressemitteilung der SOKO Tierschutz weiter zu lesen. "Wahllos drischt ein Arbeiter mit einem Knüppel auf die Puten ein, Tiere mit deutlichen Lebenszeichen werden zu den Kadavern in die Mülltonne geworfen. Vor der Tür schlitzt der Arbeiter schwer verletzte systematisch bei vollem Bewusstsein auf." Das alles passierte laut Friedrich Mülln inmitten von toten Tieren und Kot. "Ich habe dann dort inkognito angerufen", erzählt Mülln. "Und mir wurde das frisch geschlachtete Fleisch zum Verkauf direkt ab Hof angeboten."

Das besonders perfide an dem Betrieb südlich von Dillingen: Er ist Teil eines Programms für "besonders tierfreundliche Stallhaltung", wie SOKO Tierschutz sagt und expandierte in den letzten Jahren massiv. "Wir haben natürlich Anzeige erstattet", sagt Friedrich Mülln. Hubers Landhendl sei auch mit den Aufnahmen konfrontiert worden, wollte sich dazu aber nicht äußern.

Die zuständigen Veterinärämter seien zu einer „schnellstmöglichen und umfassenden Aufklärung der Vorwürfe“ aufgefordert, sagte am Montag ein Sprecher des bayerischen Verbraucherschutzministeriums.

Wiesenhof-Skandal hat Nachahmer geschaffen

In dem Betrieb werden etwa 20.000 Tiere gehalten, das ist völlig legal. Per Gesetz sind 58 Kilogramm Pute pro Quadratmeter erlaubt - also drei Tiere. "Die können sich dann kaum noch umdrehen", sagt der SOKO-Tierschutz-Vorsitzende. "Und das ist der eigentliche Skandal: Die Anzeigen verlaufen oft im Nichts, weil das vollkommen legal ist."

Das Veterinäramt habe bislang die sofortige Kontrolle verweigert. SOKO Tierschutz fordert ein Ende dieser Tierquälerei und harte Strafen für Rechtsbrüche in der Tierhaltung. "Offenbar hat das lächerliche Vorgehen der Behörden bei dem von SOKO Tierschutz aufgedeckten Wiesenhof-Skandal im September 2013 erst recht Nachahmer geschaffen", sagt Friedrich Mülln.

pak/dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„A weng weng“ ist oberfränkisches Wort des Jahres 2016

Kleinlosnitz - Wohlklingende Poesie des Alltags: „A weng weng“ - auf Hochdeutsch „Ein bisschen wenig“ - ist zum oberfränkischen Wort des Jahres gekürt worden. 
„A weng weng“ ist oberfränkisches Wort des Jahres 2016

88-Jähriger ertrinkt in der Würm

Gräfelfing - Die Rettung kam zu spät: Ein im Flüsschen Würm treibender, älterer Mann ist in Gräfelfing bei München ums Leben gekommen. 
88-Jähriger ertrinkt in der Würm

Zwei tödliche Motorradunfälle 

Immenreuth/Burgheim - Zwei Motorradfahrer sind am Samstag auf bayerischen Straßen tödlich verunglückt.
Zwei tödliche Motorradunfälle 

Freie Wähler wollen die Wehrpflicht zurück

Nürnberg - Mit der Forderung nach Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht wollen die Freien Wähler im kommenden Jahr in den Bundestagswahlkampf ziehen. Diesmal …
Freie Wähler wollen die Wehrpflicht zurück

Kommentare