Sorgt für Streit in Bayern: Albrecht Dürers "Selbstbildnis im Pelzrock".

Landtag einig: Pelzrock-Dürer soll nach Nürnberg

Nürnberg - Nürnberg will Dürers "Selbstbildnis im Pelzrock" ausleihen - doch die Alte Pinakothek rückt das Kunstwerk nicht raus. Nun bekommen die Franken Unterstützung vom Landtag.

Nürnbergs größter Sohn Albrecht Dürer eint den Landtag: Alle fünf Fraktionen im Münchner Maximilianeum plädieren in Dringlichkeitsanträgen dafür, dass die Alte Pinakothek in München das weltberühmte “Selbstbildnis im Pelzrock“ für die geplante große Dürer-Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum nach Nürnberg ausleiht. Dem 1471 geborenen und 1528 gestorbenen Dürer ist damit ein knappes halbes Jahrtausend nach seinem Tod geglückt, was wenigen Lebenden gelingt: weitgehende Übereinstimmung im Landtag herzustellen. Die

Dürer-Debatte

in der Plenarsitzung am Donnerstag fiel allerdings aus, weil die Diskussion über die Dringlichkeitsanträge in die Landtags-Ausschüsse verwiesen wurde. Bislang weigern sich die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, das Bild auszuleihen.

SPD und Grüne hatten ihre Forderungen zuerst eingereicht - sie fordern die Staatsregierung auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die Ausleihe zu erreichen. CSU und FDP folgten am Donnerstag in einem gemeinsamen Antrag: Für die größte Dürer-Ausstellung in Deutschland seit 40 Jahren sei die Leihgabe ein “unschätzbarer Gewinn“. Die Freien Wähler verwiesen darauf, dass auch internationale Museen wie der Pariser Louvre die Nürnberger Ausstellung mit Leihgaben unterstützen.

Ganz 100-prozentig ist die Übereinstimmung aber nicht: Der Grünen-Kulturpolitiker Sepp Dürr plädierte dafür, das Dürer-Selbstporträt möglicherweise dauerhaft nach Nürnberg zurückzugeben, wenn es wegen schlechten Erhaltungszustandes nicht oft transportiert werden sollte.

Das kritisierte die Münchner FDP-Abgeordnete Julika Sandt als “unglaublich“: “Damit schüren die Grünen Misstrauen, dass das Bild möglicherweise nicht nach München zurückkehrt.“ Schließlich müsse auch das frühere Herrscherhaus der Wittelsbacher für die Ausleihe gewonnen werden. Denn entscheiden kann die Staatsregierung über einen Verleih des Bildes nicht: Die Wittelsbacher-Landesstiftung ist Eigentümerin des Bildes. Im Vorstand dieser Stiftung des öffentlichen Rechts sitzen ein Vertreter des bayerischen Kunstministeriums, ein vom Ministerium ernannter Museumsexperte sowie ein Vertreter des Hauses Wittelsbach.

Der historische Hintergrund: Nürnberg war zwar Dürers Heimat - doch haben die Nürnberger im Laufe der Jahrhunderte so gut wie alle in ihrem Besitz befindlichen bedeutenden Werke des berühmtesten Sohns der Stadt verkauft, verschenkt oder anderweitig verloren. Für die Ausstellung müssen daher Dürer-Werke aus aller Welt ausgeliehen werden.

dpa

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