+
Am Donnerstag wurde Gustl Mollath mit der Aussage des Richters konfrontiert, der ihn 2006 in die Psychiatrie schickte.

Er schickte ihn in die Psychiatrie

Ehemaliger Richter verteidigt Mollaths Einweisung

Regensburg - Sieben Jahre saß Gustl Mollath in der Psychiatrie. Das Landgericht Regensburg versucht, die Umstände seiner Einweisung zu klären. Der Richter, der Mollath damals eingewiesen hat, verteidigt seine Entscheidung.

Im Wiederaufnahmeverfahren gegen Gustl Mollath versucht das Landgericht Regensburg, die Umstände und Verzögerungen der Zwangsunterbringung des Nürnbergers zu beleuchten. Der erste Richter, der Mollath im August 2006 in die Psychiatrie eingewiesen hatten, verteidigte am Donnerstag sein damaliges Urteil. „Dem Bundesgerichtshof hat unser Urteil gereicht, dann war es wohl nicht zu beanstanden“, sagte der inzwischen pensionierte Richter des Landgerichts Nürnberg-Fürth. Zuvor hatte ein Psychiater erläutert, warum er eine gerichtlich anberaumte Zwangsbegutachtung Mollaths im Juli 2004 nicht durchgeführt hatte und den Nürnberger an ein anderes Bezirkskrankenhaus verwiesen hatte.

Gustl Mollath muss sich wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung verantworten. Das Nürnberger Landgericht Nürnberg-Fürth hatte 2006 festgestellt, dass der Angeklagte seine Ehefrau misshandelt hatte, sprach ihn aber wegen Schuldunfähigkeit frei. Ein Gutachter hatte den Nürnberger damals wegen Wahnvorstellungen als gemeingefährlich eingestuft, deshalb wies das Gericht Mollath in die Psychiatrie ein. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil 2007 bestätigt. Das Bundesverfassungsgericht urteilte später, seit 2011 sei seine Unterbringung in der Psychiatrie verfassungswidrig. Erst 2013 kam er nach sieben Jahren frei.

Richter: Keine Verschwörung gegen Mollath

Der damalige Richter vom Landgericht Nürnberg-Fürth räumte am Donnerstag ein, beim Durchlesen des Urteils kleine Fehler übersehen zu haben. Dabei habe es sich um ein Datum gehandelt und um die Reihenfolge der geschilderten Übergriffe des Angeklagten. „Die Hauptverhandlung war aber nicht schludrig“, sagte der 71-Jährige. Es habe auch keine Verschwörung gegen Mollath gegeben. Erinnerungen an das Verfahren habe er aber nicht mehr. Er habe am Tag seiner Pensionierung alle Notizen aus den Hunderten Verfahren, die er als Richter seit 1971 geleitet hatte, vernichten lassen.

Die beisitzende Richterin hatte in ihrer Zeugenaussage in der Vorwoche erklärt, dass das damalige Urteil unter Zeitdruck verfasst wurde. Sie habe es lediglich anhand ihrer Notizen und einiger Aktenkopien diktiert, die Abschrift aber nicht mehr kontrolliert. „Ich bin dann in den Urlaub gefahren“, hatte die Richterin ausgesagt.

"Dem schaut der Wahnsinn aus den Augen"

Ein damaliger Schöffe hatte Anfang dieser Woche von einer brisanten Aussage des damaligen Vorsitzende Richters berichtet: „Dem schaut der Wahnsinn aus den Augen“, habe der Richter 2006 in einer Verhandlungspause über Mollath gesagt. Auf Nachfrage der Verteidigung am Donnerstag, ob die Äußerung so gefallen ist, sagte der als Zeuge geladene Richter: „Das kann ich Ihnen nicht sagen.“ Er habe an die Verhandlung keine Erinnerung. Der Richter reagierte empört über die Angaben seines damaligen Schöffen. „Ich halte das für einen Verstoß gegen das Beratungsgeheimnis.“

Auch diesen Zeugen befragte Mollath selbst. „Guten Tag, Herr (...), mein Beileid zum Tod ihrer Frau“, begrüßte der Angeklagte den Richter, der ihn in die Psychiatrie geschickt hatte. Der Zeuge brauste kurz auf: „Ach, hören Sie doch auf. Der Tod meiner Ehefrau geht niemanden im Gerichtssaal etwas an. Ich brauche auch Ihr Mitleid nicht.“

Auch der Psychiater von damals sagte aus

Der erste gerichtlich beauftragte Psychiater hatte zuvor erklärt, warum er den zur Zwangsbegutachtung eingewiesenen Angeklagten im Juli 2004 nicht untersucht hatte. Einem Nachbarn habe er zuvor eine unverbindliche private Einschätzung von Mollaths Geisteszustand gegeben, sagte der Leiter der Forensik des Bezirkskrankenhauses Erlangen am Donnerstag vor dem Landgericht Regensburg. Zu diesem Zeitpunkt habe er jedoch noch gar nicht gewusst, dass es sich um Gustl Mollath handelte.

Kontakte mit Kollegen von Frau Mollath

Der Nachbar war damals ein Arbeitskollege von Frau Mollath und hatte dem Psychiater privat über die Schwarzgeldvorwürfe des Mannes berichtet. Der Nachbar habe dann um eine Einschätzung zum Grad der Bedrohlichkeit gebeten. Als er dann später den Nürnberger untersuchen sollte, sei ihm schnell klar geworden, dass er nicht die notwendige Objektivität habe, betonte der 56-Jährige. Daher habe er einen Befangenheitsantrag gestellt und die Überstellung Mollaths an das Bezirkskrankenhaus Erlangen vorgeschlagen.

Psychiater: Mollath wollte nur über Schwarzgeld reden

Der Psychiater habe Mollath dann in täglich Gesprächen während des einwöchigen Aufenthaltes in der Klinik eine Exploration angeboten. „Ich sagte ihm, eine Begutachtung sei nicht dramatisch und er könne anschließend schnell wieder nach Hause“, erläuterte der Zeuge. Zudem habe er Gustl Mollath vorgeschlagen, einen zweiten Anwalt einzuschalten. Aber Mollath habe nur über angebliche Schwarzgeldtransfers der Bank seiner Frau reden wollen.

Auf Nachfrage der Verteidigung, warum der Psychiater diesen Aspekt, der ein wesentlicher Punkt des Ehestreits der Mollaths gewesen sei, an den Rand drängen wollte, betonte der Zeuge: „Eine allgemeine psychiatrische Exploration fängt bei mir mit der Lebensgeschichte des Patienten an.“ Das Bank-Thema hätte er angesprochen, aber nicht an erster Stelle. Das habe Gustl Mollath aber nicht gewollt.

Bei der Befragung des Zeugen beschrieb Gustl Mollath anschließend die Situation in der Klinik aus seiner Sicht. „Ich wurde in einer Einzelzelle in Vollisolation gequält und hatte nur dreimal Hofgang in dieser Zeit.“ Nachts sei er durch Beleuchtung und die Schreie anderer Patienten um den Schlaf gebracht worden.

„Zwangsunterbringung ist sicherlich keine angenehme Umgebung“, erklärte der Psychiater. Daher sei es ja auch sein Anliegen gewesen, die Sache möglichst schnell zu beenden.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schlange fällt vom Himmel auf Gehweg

Mitterteich - In der Oberpfalz ist am Mittwoch eine Schlange aus heiterem Himmel auf den Gehweg gefallen. Die Polizei hat nun eine Erklärungstheorie.
Schlange fällt vom Himmel auf Gehweg

Bayern wirbt für die Erd-Trassen

München/Berlin – Aus den Augen, aus dem Sinn? Die Staatsregierung ist sich sicher, dass die neuen Vorschläge für die gigantischen Erdleitungen für Starkstrom durch …
Bayern wirbt für die Erd-Trassen

Sportwetten: Die Sucht nach Siegen

Vogtareuth - 14 Jahre lang gab es in Fabian Zilkens Leben nichts Wichtigeres als Sportwetten. Er verspielte ein Gehalt nach dem anderen, zerstörte fast alle …
Sportwetten: Die Sucht nach Siegen

Wanderer stürzt 80 Meter tief und stirbt

Berchtesgaden - Ein Wanderer ist in den Berchtesgadener Alpen rund 80 Meter in die Tiefe gestürzt und ums Leben gekommen.
Wanderer stürzt 80 Meter tief und stirbt

Kommentare