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Vandana Shiva

„Agro-Gentechnik macht Bauern abhängig“

München – Der US-Konzern Monsanto steht wegen seinem gentechnisch veränderten Saatgut immer wieder in der Kritik, doch niemand wählt so deutliche Worte, wie die indische Umweltschützerin Vandana Shiva. Sie wirft dem Unternehmen Genozid an 200 000 indischen Bauern vor.

An 200 000 Bauern, die von Reichtum träumten, doch ihre Samen alljährlich teuer vom Monopolisten Monsanto kaufen mussten, mehr und mehr Pestizide auf ihren Feldern ausbrachten, in Abhängigkeit und Schulden verfielen und sich schließlich verzweifelt das Leben nahmen.

Die Trägerin des alternativen Nobelpreises tourt durch Europa, spricht vor tausenden Zuhörern, warnt vor genmanipulierten Pflanzen. Gestern legte sie einen Zwischenstopp in München ein, denn Monsanto ist auch in Bayern Thema. Zuletzt erhitzte die Debatte um die Maissorte Mon 810 die Gemüter im Freistaat, dessen Anbau Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner schließlich verbot.

Eingeladen hatte das Netzwerk Zivilcourage, dessen Sprecher Christoph Fischer betonte: „Unser aller Lebensgrundlagen werden durch die Agro-Gentechnik gefährdet.“ In Bayern entstehe eine Basisbewegung, die sich notfalls auch mit „zivilem Ungehorsam“ verteidigen müsse. Konzernen wie Monsanto oder der deutschen BASF ginge es um die Kontrolle der Zukunft, so Shiva. „Für die Industrie gibt es keinen anderen Grund für gentechnische Manipulation, als den, Patente anmelden zu können.“ Patente auf Gene führten faktisch zu Patenten auf Pflanzen. Das wiederum treibe die Bauern in die Abhängigkeit. Die „Gen-Lotterie per Computer“ sei unnatürlich und geprägt von einer „rücksichtslosen Casino-Logik“.

Zu dem Gespräch eingeladen war auch der kanadische Farmer Percy Schmeiser, der durch seinen jahrelangen juristischen Kampf gegen Monsanto bekannt wurde. Er berichtete von persönlichen Erfahrungen und betonte, „dass es absolut keine Ko-Existenz gibt. Sobald gentechnisch verändertes Saatgut eingeführt ist, kann man die Ausbreitung nicht mehr kontrollieren“. Die gesundheitlichen Folgen seien ungewiss, ein erhöhter Einsatz von Chemikalien auf den Feldern notwendig. Monsanto strebe die „totale Kontrolle über die Farmer“ an und würde diese sogar anstiften, sich gegenseitig zu bespitzeln, ob der Nachbar Genpflanzen ohne Lizenz ausbringe. Es herrsche eine „Kultur der Angst“.

Auch Bayerns Umweltminister Markus Söder suchte das Gespräch mit den internationalen Gästen und lud kurzfristig zu einem Pressetermin, nur zwei Stunden vor dem von langer Hand geplanten Treffen. Dass sich Söder spontan ins Rampenlicht zu rücken versuchte, nahm Richard Mergner vom Bund Naturschutz sportlich. „Früher hätte die CSU gar nicht mit uns geredet.

Thomas Schmidt

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