Dreharbeiten zu einem Franken-"Tatort" in Nürnberg 2014. Foto: Daniel Karmann/Archiv
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Dreharbeiten zu einem Franken-"Tatort" in Nürnberg 2014.

Eine Stadt im Film-Fieber

Auszeichnung: Nürnberg ist der "Drehort des Jahres"

Nürnberg - Als „Drehort des Jahres“ hat Nürnberg weit mehr zu bieten als den Franken-„Tatort“. Auch internationale Produzenten haben die Kaiserburg-Stadt für sich entdeckt.

Ist es die stattliche Kulisse der Kaiserburg oder der Erfolg des fränkischen „Tatorts“? Immer mehr Filmschaffende zieht es nach Nürnberg, an Bayerns „Drehort des Jahres“. Den undotierten Preis von der Initiative Filmkulisse Bayern nahm der Zweite Bürgermeister Christian Vogel am Donnerstag von Medienministerin Ilse Aigner (CSU) entgegen. Zu Recht, meint die Branche. Während die Münchner von Filmdrehs in der eigenen Stadt zunehmend genervt sind, fühlen sich die Kreativen in Nürnberg willkommen. In der Franken-Metropole werden immer mehr Produktionen abgedreht.

45 Anfragen von Filmteams hat Alexandra Foghammar von der Stadt Nürnberg in diesem Jahr bislang beantwortet, etliche Drehgenehmigungen stellte sie aus. Ein größeres internationales Kinoprojekt für das kommende Jahr sei derzeit in der Pipeline, aber noch nicht sicher, sagt sie. Auch der Albrecht Dürer Flughafen rechnet mit bis zu 100 ausgestellten Drehgenehmigungen bis Jahresende.

„Wir können das hier bei uns noch besser in die Abläufe integrieren als etwa der Flughafen in München“, sagt ein Sprecher. Deswegen sei der Nürnberger Airport in der Filmszene äußerst beliebt. „Die kurzen Wege und die Übersichtlichkeit, die die Passagiere schätzen, spielen auch für die Filmteams eine wichtige Rolle.“ Erst kürzlich wurde bei den Taxi-Halteplätzen und im Parkhaus für den nächsten Nürnberger „Tatort“ gedreht, der voraussichtlich im April 2016 ausgestrahlt wird.

Dass vermehrt Werbeaufnahmen, Musikvideos, Kino- und Fernsehfilme in Nürnberg gedreht werden, ist nicht zuletzt das Ergebnis beharrlicher Aufbauarbeit durch die Stadt. „Wir haben eine Locationtour mit dem FilmFernsehFonds Bayern (FFF) gemacht“, berichtet Stadt-Mitarbeiterin Foghammar. 45 Produzenten, Aufnahme- und Produktionsleitern, Locationscouts, Szenenbildnern und Drehbuchautoren wurden auf diesem Wege mögliche Drehkulissen schmackhaft gemacht. Beim FFF gibt es das Bestreben, dass es nicht immer nur das bilderbuchhafte Voralpenland und München auf die Mattscheibe schaffen, sondern in ganz Bayern gefilmt wird.

Weiterer Pluspunkt: „Der Oberbürgermeister nimmt sich Zeit und spricht mit den Leuten“, sagt Foghammar. Mit ihr schaffte die Stadt außerdem eine zentrale Ansprechpartnerin. Dahinter stehe eine Verwaltung, die ratzfatz arbeite: „Alle geben sich Mühe, weil es halt auch noch etwas Besonderes ist“, meint Foghammar. Mit Erfolg.

„Wir waren rundum zufrieden“, betont Stephanie Heckner von der „Tatort“-Redaktion. Die Stadt habe die Arbeit bislang immer „mit Leidenschaft und vollem Einsatz unterstützt“, schwärmt sie. Die Franken-Metropole sei „außerordentlich vital und vielschichtig“, so habe sich die Story des ersten Franken-„Tatorts“ „nahezu von selbst ergeben“. Außerdem setze die Stadt in Sachen Förderung Maßstäbe, betonte Schauspielerin Veronica Ferres in ihrer Laudatio.

Wer sich in der Branche umhört, bekommt vielfach zu hören: Im Gegensatz zu München sei Nürnberg noch nicht „totgedreht“. Es gebe noch Neuland mit vielen unverbrauchten Motiven. Auch Regisseur und Drehbuchautor Christian Zübert zog Nürnberg für Aufnahmen seines preisgekrönten Films „Dreiviertelmond“ bewusst dem „zehntausendsten München- oder Berlin-Film“ vor. Die Stadt habe „eine gewisse Härte“, sagte er den „Nürnberger Nachrichten“.

Autohersteller wie Audi, Ferrari, Porsche und Maserati haben Nürnberg für Werbespots entdeckt. „Die waren total begeistert von unserer Hafenkulisse“, berichtet Foghammar. „Die Teams kamen aus München, da gibt's keinen Hafen.“ Beliebt war zuletzt auch das ehemalige Quelle-Gelände. Der Leerstand hat nun aber einen Investor gefunden.

Schnellstmöglich braucht Foghammar nun Ersatz, denn Drehs erfreuen nicht nur das städtische Marketing. Während der Arbeiten bringen die Filmcrews jede Menge Geld in die Region. Neben Einnahmen für Copyshops, Mietwagen-Verleihe, Schneider und Co. profitiert auch das örtliche Hotellerie- und Gastgewerbe. „Die Leute müssen essen und übernachten - das schafft Arbeitsplätze“, sagt Anja Metzger vom FFF, die von einem „enormen Wirtschaftsfaktor“ spricht.

2014 landeten an 79 Drehtagen dank der Filmcrews allein im Hotellerie- und Gastgewerbe Mittelfrankens 711 000 Euro zusätzlich. Für 2015 erwartet der FFF für Mittelfranken dank der Filmindustrie nochmal deutlich mehr Einnahmen. In Messezeiten wird es dann trotz großer Häuser und rund 18 000 Betten in der Stadt schon mal eng. „Das einzige Manko der Stadt ist ihr Erfolg“, heißt es dazu in der Jurybegründung.

Franken-Tatort

Airport Nürnberg zu Drehs am Flughafen (S. 26)

Filmkulisse Bayern

Film Commission Bayern

Homepage der Stadt für Filmproduktionen

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