Verhafteter Arzt war Rot-Kreuz-Helfer

Bub (5) mit Blaulicht-Fahrzeug verschleppt?

Augsburg - Der kürzlich wegen des Verdachts des schweren sexuellen Kindesmissbrauchs verhaftete Kinderarzt könnte eines seiner Opfer mit einem Fahrzeug des Roten Kreuzes verschleppt haben. Das BRK bestätigte einen entsprechenden Zeitungsbericht.

Der Mann war rund 20 Jahre als ehrenamtlicher Helfer beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) tätig.

Möglicherweise habe er am 18. August in Garbsen bei Hannover sogar mit einem auf das Rote Kreuz zugelassenen Auto einen Fünfjährigen verschleppt, bestätigte der Augsburger BRK-Kreisgeschäftsführer Michael Gebler am Montag entsprechende Informationen der „Augsburger Allgemeinen“.

Es handelt sich zwar um den Privatwagen des 39-Jährigen, aber da der Mediziner für das Augsburger BRK als leitender Notarzt tätig gewesen sei, verfüge er über ein Auto mit Blaulicht. In solchen Fällen sei es üblich, dass das Fahrzeug von dem Verband zugelassen werde, sagte Gebler. Der Kinderarzt hatte auch die Funktion eines Chefarztes im Vorstand des Kreisverbands inne.

Der Mediziner sitzt seit der vergangenen Woche in Untersuchungshaft, weil er sich seit 2012 in München, Augsburg und Garbsen an mindestens vier Buben im Alter von vier bis sieben Jahren vergangen haben soll. Bei dem Fall in Niedersachsen wurde das Kind mit einem Auto entführt, missbraucht und nach etwa zwei Stunden wieder freigelassen. Die anderen Fälle sollen sich ähnlich zugetragen haben.

Die Kripo prüft nun, ob der Mann für andere ungeklärte Taten verantwortlich ist. Nähere Details zu den Ermittlungen will die Staatsanwaltschaft vorläufig nicht bekanntgeben. Es werde erst dann weitere Mitteilungen geben, wenn es so viele neue Verdachtsfälle gebe, dass der Haftbefehl angepasst werden müsse, oder aber beim Abschluss des Verfahrens, sagte Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai.

Der 39 Jahre alte Augsburger hatte früher im Klinikum in seiner Heimatstadt gearbeitet, seit September 2013 war der Kinderarzt an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) beschäftigt. In München soll er studiert haben. Laut Gebler war er ein „sehr engagierter“ Rot-Kreuz-Helfer. Bemerkt hätten die BRK-Kollegen in all den Jahren nichts an dem Mediziner. Es habe „Null Komma Null“ Auffälligkeiten gegeben, sagte der Geschäftsführer.

dpa

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