Kriminalität, Polizei
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In einem Haus in Wallenfels wurden Babyleichen gefunden. Ermittler bei der Spurensicherung.

In Oberfranken

Babyleichen-Fund: Mögliche Mutter festgenommen

Wallenfels - Schrecklicher Fund: In einem Anwesen nahe Kronach wurden bei einem Notarzteinsatz acht Babyleichen entdeckt. Die Polizei hat die mögliche Mutter am Freitagabend festgenommen.

+++ Update Samstag, 15.15 Uhr +++  Nach dem Fund von acht Babyleichen in Oberfranken hat die Mutter ein Geständnis abgelegt. Sie habe eingeräumt, „einige Kinder“ lebend zur Welt gebracht und danach getötet zu haben, teilte die Polizei am Samstag mit.

Die neuen Details zum Babyleichen-Fund:

Die Ereignisse nach dem Babyleichen-Fund in Wallenfeld

Auf dem Berggasthof, keine acht Kilometer vom Ort Wallenfels in Oberfranken entfernt, hat der Wirt gerade Besuch bekommen. Kürzlich war auch die Polizei hier, es ging um Zechprellerei. Eine Frau mit Begleitung – der Wirt denkt „’s Gspusi“ – war die Zeche für mehrere Tage im Doppelzimmer schuldig geblieben. 50 Euro pro Nacht, Frühstück inklusive. Doch jetzt wird diese Frau mit kurzem, dunklen Haar, nicht mehr wegen Zechprellerei gesucht, sondern im Zusammenhang mit einem Kapitalverbrechen: Andrea G. (45) soll jene Mutter sein, in deren Wohnung im zweiten Stock eines Hauses in Wallenfels bis zum Freitagnachmmittag acht tote Babys gefunden wurden.

Als erstes hatte ein Notarzt den Horrorfund gemacht. Er war wegen eines toten Säuglings am Donnerstag in das Haus gerufen worden. Eine Anwohnerin hatte in der Wohnung die sterblichen Überreste eines Säuglings gefunden. Daraufhin entdeckten die vom Arzt alarmierten Polizisten in einem Zimmer mehrere weitere Leichen, die letzte, die eines Neugeborenen, am Freitagnachmittag. Alle sterblichen Überreste waren in Tüchern oder Plastiktüten eingewickelt. Die Obduktion der acht toten Säuglinge – die Leichen waren in schlechtem Zustand – begann am Freitag in der Rechtsmedizin Erlangen. Erst anschließend lässt sich sagen, wie alt die Kinder waren, ob sie bei der Geburt noch lebten. Oder wie sie starben. Die Obduktion könnte sogar ergeben, dass es um noch mehr Babys geht.

Mutter in Begleitung eines Mannes weggefahren

Die kleine Stadt im Frankenwald steht seither unter Schock. Die gesuchte Mutter, die noch drei kleinere und mindestens zwei ältere Kinder haben soll, ist gut integriert im Ort. Man kennt sie vom Kiosk im Freibad her, als nette, fürsorgliche Frau. Vom ersten Mann ist sie geschieden, mit dem zweiten hatte sie zusammen die jüngeren Kinder. Ihre Friseurin zur tz: „Wir sind sprachlos, können es nicht fassen, sie ist doch eine nette Frau.“

Seit wenigen Wochen soll die Beziehung zu ihrem zweiten Mann zerrüttet gewesen sein und das Paar sich getrennt haben. Wegen Manfred S. vielleicht, der soll eben jener Mann sein, mit dem Andrea G. im Berggasthof eingecheckt hatte und mit dem sie in einem dunklen Wagen unterwegs ist? Und wie ist sie überhaupt in den grusligen Fall verwickelt? Ob sie als dringend tatverdächtig gilt, wollte eine Polizeisprecherin nicht sagen: „Nach ihr wird zumindest gesucht als mögliche Mutter der Kinder.“ Der Wirt im Berggasthof, der ums Geld betrogen worden ist, hätte ihr nicht einmal die Zechprellerei zugetraut. Er sah sie bislang als „vertrauenswürdig und aufgeschlossen“ an. Das letzte Mal, als der Gastronom An­drea G. erlebte, ließ sie ihn wegen der Rechnung wissen: „Wir müssen erst auf‘d Kass’“, Gemeint war der Geldautomat. Das dürfte die bislang letzte Spur von ihr gewesen sein.

Derweil ringt in Wallenfels Bürgermeister Jens Korn um Fassung. Eine heile Welt habe man doch eigentlich. Viele Bürger beschäftige die Frage, ob man diese Tragödie verhindern hätte können. „Es herrscht Trauer in unserer Stadt um die Kinder, die nicht leben durften.“ Die Polizei hat wegen des grausigen Falls eine Ermittlungsgruppe mit dem Namen Schlossberg gegründet.

Ähnliche Fälle in Deutschland

Einen ähnlich schrecklichen Fund hatte am Mittwoch ein Mann im Raum Landshut gemacht. Im Kofferraum des Autos seiner Tochter entdeckte er nach Angaben der Polizei eine Babyleiche in einem Plastiksack. Die Ermittler gehen davon aus, dass die 22-Jährige ihre Schwangerschaft verheimlicht und den Säugling nach der Geburt getötet hat.

Auch in den vergangenen Jahren sorgten Funde von Babyleichen in Deutschland immer wieder für Aufsehen. Im Mai stand eine Frau in Siegen (Nordrhein-Westfalen) vor Gericht, sie war die Mutter zweier toter Säuglinge, die in Kühltruhen entdeckt worden waren. Sie wurde zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.

In Bad Alexandersbad in Oberfranken waren im Oktober 2013 zufällig bei Bauarbeiten zwei Babyleichen gefunden worden, die Mutter soll sie in den 1980er Jahren geboren, aber nicht versorgt haben. Das Landgericht Hof sprach sie vor fast genau einem Jahr frei: Mord sei ihr nicht mehr nachzuweisen - und Totschlag sei bereits verjährt.

Sieben Babyleichen in Oberfranken gefunden

dpa/Markus Christandl

Markus Christandl

Markus Christandl

E-Mail:markus.christandl@tz.de

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