+
Hubert Haderthauer im Gerichtssaal am Landgericht in München.

Modellbau-Affäre

Prozess: Haderthauer will auspacken

München - Christine Haderthauers Ehemann Hubert will im Prozess um die Modellbau-Affäre aussagen. Aber aber erst im Januar. Schon jetzt ließ er mitteilen, dass er den Betrugsvorwurf nicht auf sich sitzen lassen will.

Um kurz vor 9.30 Uhr kommen drei graue Herren den langen Gerichtsflur entlang. Sie würden niemandem auffallen, wüsste man nicht, wer sie sind: Dr. Hubert Haderthauer (58) und seine Verteidiger. Der Angeklagte blickt zu Boden. Sein Gesicht ist fahl und eingefallen, unter den Augen dicke Tränensäcke. Nichts erinnert an den Hubert Haderthauer, den man von den glamourösen Bildern kennt, auf denen er mit seiner Frau Christine um die Wette strahlt. Er sieht unfit aus, krank sogar. Trotzdem ist er gekommen, wird sein Anwalt später sagen. Um den Prozessbeginn nicht zu verhindern.

Nun hat der Prozess gegen den Ehemann der früheren Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer (53, CSU) begonnen. Der suspendierte Landgerichtsarzt muss sich vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II wegen Steuerhinterziehung und Betrugs verantworten. Es geht dabei um die Firma Sapor Modelltechnik, deren Geschäfte von 1990 bis 2003 Christine und von 2004 bis zum Verkauf 2008 Hubert Haderthauer führten. Die Firma verkaufte teure Modellautos, die von Straftätern in der Psychiatrie gebaut wurden, vor allem von Dreifachmörder Roland S., der in den Bezirkskrankenhäusern Ansbach und Straubing untergebracht war.

Der Staatsanwalt wirft Haderthauer vor, dass er seinen früheren Mitgesellschafter Roger Ponton beim Verkauf von Sapor um insgesamt rund 84 000 Euro betrogen hat. Außerdem soll er in den Jahren 2008 und 2011 insgesamt 43 000 Euro Steuern hinterzogen haben, indem er unberechtigte Betriebsausgaben angab und vier Oldtimer-Modelle aus dem Umlaufvermögen der Sapor entnahm. Ponton hatte seinen früheren Kompagnon angezeigt.

Mit Haderthauer ist auch der Rechtsanwalt Ernst Michael R. (50) des Betruges angeklagt, der die Haderthauers 2011 bei Vergleichsverhandlungen mit Ponton vertrat. Das Verfahren gegen den herzkranken Mann wurde aber gestern abgetrennt, da noch nicht klar ist, ob er verhandlungsfähig ist.

Während von Engel die Anklage verliest, sitzt Hubert Haderthauer zusammengesunken auf einem Stuhl zwischen seinen drei Verteidigern. Er hört zu, ohne sich zu regen, ohne einen Laut von sich zu geben. Es sind nur ein paar leise Worte, die er zu Prozessauftakt spricht: seine Personalien. In einer Akte stehe „Hubertus“ statt „Hubert“, sagt der Vorsitzende Richter Rupert Heindl. Haderthauer schüttelt den Kopf: „Ich bin noch nie auf die Jagd gegangen.“ Es folgen die weiteren Daten: geboren am 24. 12. 1956 in Weißenburg, von Beruf Landgerichtsarzt, wohnhaft in Ingolstadt. Mehr sagt der Angeklagte nicht.

 Stattdessen gibt sein Verteidiger Norbert Scharf eine Erklärung für ihn ab. Der Angeklagte werde sich dem Verfahren stellen und mitwirken, heißt es darin. So habe er es auch in der Vergangenheit gehalten. Doch seine Hoffnung, dass das zur Aufklärung beiträgt, habe sich nicht erfüllt. Deshalb wolle er sich nun im Prozess stellen. Haderthauer werde aussagen, aber noch nicht am ersten Tag. „Auf unser Anraten“, sagt Scharf. Der Grund: Es seien noch nicht alle Akten durchgearbeitet.

Dennoch habe Haderthauer den Prozessbeginn im Dezember nicht verhindern wollen, „auch wenn es ihm gesundheitlich sehr schlecht ging“. Er werde „seine Person, sein Handeln, Denken und seine Fähigkeiten“ einer eigenständigen Prüfung durch die Strafkammer unterwerfen – und wolle den Vorwurf des Betrugs ausräumen. Er habe das Verfahren „nicht im Wege des Strafbefehls erledigen“ wollen. Voraussichtlich sagt er am 7. Januar aus.

Christine Haderthauer, die nicht erschien, kommt in der Anklage als „anderweitig Verfolgte“ vor. Nachdem ihre Immunität als Landtagsabgeordnete aufgehoben wurde, muss sie mit einem Strafbefehl wegen Steuerhinterziehung rechnen. Sie und ihr Mann sollen gewinnmildernd die Beschäftigung ihrer Stimmkreismitarbeiterin vorgetäuscht haben, obwohl diese nie für Sapor tätig war.

Nina Gut

Mitteilung Staatsanwaltschaft

Mitteilung des Gerichts

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wegen Oberleitungsschaden: Probleme bei Erlangen

Erlangen - Wegen eines Oberleitungsschadens in der Nähe des Bahnhofs Erlangen war der Bahnverkehr stark beeinträchtigt. Die Deutsche Bahn leitete den Fernverkehr um und …
Wegen Oberleitungsschaden: Probleme bei Erlangen

Einschulung: Jedes zwölfte bayerische Schulkind übergewichtig

Bamberg - Fast jedes zwölfte Kind in Bayern ist bei seiner Einschulung übergewichtig - und gleich 3,3 Prozent aller Kinder in dem Alter sind adipös. 
Einschulung: Jedes zwölfte bayerische Schulkind übergewichtig

Schlafender Fahrer: PKW rollt rückwärts auf Autobahn 

Würzburg - Ein Mann ist in seinem Auto eingeschlafen und damit rückwärts auf die Autobahn 3 gerollt. Dabei prallte er laut Polizei in einen Lastwagen.
Schlafender Fahrer: PKW rollt rückwärts auf Autobahn 

KZ-Tor aus Dachau: Ist es wirklich das Original?

Dachau - Das gestohlene Tor der Dachauer KZ-Gedenkstätte wurde höchstwahrscheinlich endlich aufgefunden. Die Polizei erwartet nun mit Spannung neue Infos aus Norwegen.
KZ-Tor aus Dachau: Ist es wirklich das Original?

Kommentare