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Anlässlich des Internationalen Tages gegen Rassismus demonstrieren jedes Jahr am 21.03. viele Menschen in Deutschland gegen Fremdenfeindlichkeit.

Nach Ferguson-Urteil

Wie schlimm ist der Alltagsrassismus in Bayern?

München - Das Geschworenen-Urteil im Fall des schwarzen Teenagers Michael Brown hat in den USA heftige Proteste ausgelöst. Die Debatte schwappt nun nach Bayern über.

Wenn Hamado Dipama ausgehen will, wird es schwierig. „Heute ist Studentenparty“ oder „Nur mit Reservierung“, heißt es von den Türstehern vor den Clubs, sobald sich der dunkelhäutige Mann dem Eingang nähert. Und auch Ahmed Amirhadschi kennt die Probleme, die ein fremdländisches Aussehen mit sich bringen kann. Wenn der Iraner mit dem Zug fährt, hält er den Ausweis schon bereit. „Ich werde fast immer kontrolliert“, sagt er.

Dass Amirhadschi oft der einzige im Waggon ist, der sich ausweisen muss, und dass Dipamas deutsche Freunde auch ohne Reservierung in die Disco kommen, ist Alltag für die beiden. „Viele Betroffene sagen, das sei halt so. Sie haben sich dran gewöhnt“, sagt Dipama.

Die US-amerikanische Stadt Ferguson, wo nach den Todesschüssen eines weißen Polizisten auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Tausende auf die Straße gingen, kennt derzeit fast jeder. Denn der Schütze muss sich nicht vor Gericht verantworten. Doch auch in Bayern sind Polizeigewalt und - zum Teil versteckter - Rassismus ein Thema.

„Bayern hat definitiv mit Alltagsrassismus zu kämpfen“, sagt die Rassismus-Expertin der Grünen, Katharina Schulze, mit Blick auf eine Studie ihrer Partei, die vor einigen Tagen vorgestellt wurde. „Rassismus beginnt nicht erst bei Neonazi-Gewalttaten, sondern immer dann, wenn Menschen ausgegrenzt werden.“

Wenn Schulze mitbekommt, wie jemand mit ausländischem Aussehen von der Polizei gefilzt wird, fragt sie nach. „„Stichprobe“, heißt es dann.“ Schulze wünscht sich mehr interkulturelles Training in der Polizeiausbildung und mehr Migranten unter den Beamten.

Ralf Neumüller ist mitverantwortlich für die Ausbildung junger Polizisten. „Neben der interkulturellen Kompetenz sind auch Themen wie Menschenrechte oder Extremismus feste Bestandteile der Ausbildung bei der Bayerischen Polizei“, erklärt er.

Derzeit haben etwa 150 der 40.000 Polizeimitarbeiter keinen deutschen Pass, teilt das bayerische Innenministerium mit. Wie viele Mitarbeiter Deutsche mit ausländischen Wurzeln sind, werde nicht erfasst. „Die Zahl liegt aber sehr viel höher“, sagt ein Sprecher.

Schulze sieht dennoch Nachholbedarf, denn wie in vielen anderen Bereichen gelte auch beim Arbeitgeber Polizei offenbar: Gleiche stellen Gleiche ein. „Da muss sich noch einiges ändern“, sagt sie.

Wie viele Menschen in Deutschland jeden Tag mit Rassismus konfrontiert sind, zeigt ein Blick auf die Aktion der Deutschlandstiftung Integration. Unter dem Stichwort #AuchichbinDeutschland veröffentlichen Menschen Bilder, auf denen sie selbst mit einer Spruch-Tafel zu sehen sind: „Musst du kein Kopftuch tragen?“, steht auf dem Schild einer jungen Frau. Und „Nein, Vodka trinke ich nicht jeden Tag“ auf dem Schild einer anderen.

Dipami hatte irgendwann die Nase voll. Nachdem das Mitglied des Ausländerbeirats der Stadt München in einem Test in 20 von 25 Discotheken abgewiesen wurde, zog er vor Gericht und klagte auf Unterlassung und Schmerzensgeld. Sechs Fälle wurden verhandelt, in einem davon bekam der Mann aus Burkina Faso vor wenigen Tagen Recht. Der Betreiber einer Disco muss nach Angaben von Dipama 500 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Klingt nach einem sehr kleinen Erfolg, doch der 38-Jährige ist zufrieden. „Das hat eine große Bedeutung für mich und alle Menschen mit Rassismuserfahrung“, sagt er. Er hofft, auch anderen Menschen Mut zu machen, sich gegen Diskriminierung zu wehren.

dpa

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