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Sie kennt die Schüler und weiß, was sie gerne essen: Köchin Betty Diane war sieben Jahre für das Schulessen in Traunstein zuständig. Nun ist ihr gekündigt worden. Das Essen wird aus dem Raum Würzburg angeliefert.

Protest in Traunstein

Ausgekocht: Schulköchin verliert Auftrag an Großküche

Traunstein - Jahrelang hat Betty Diane für die Mittelschüler in Traunstein das Schulessen gekocht. Nun musste der Auftrag neu ausgeschrieben werden. Die Köchin hat gegen eine Großküche verloren, die sechs Cent billiger ist. Diese Entscheidung versuchen die Musiker Claudia Koreck und Alex Diehl zu kippen.

Ulrike Hoernes muss seit einigen Wochen etwas erklären, das sie eigentlich gar nicht erklären kann. Weil sie es selbst nicht begreift. Hoernes ist Stadträtin in Traunstein. Und sie ist auch Konrektorin der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule. Für ihre Schüler hat sieben Jahre lang Betty Diane gekocht. Sie hat einen Catering-Service, nur 500 Meter von der Schule entfernt. Die Schüler haben ihr Essen geliebt, Betty Diane weiß genau, was sie gerne essen. Das Essen war frisch und aus der Region. Sie hat es in wiederverwendbaren Edelstahlbehältern angeliefert.

Doch dann ist ihr Vertrag ausgelaufen. Auch an sechs weiteren Kindertagesstätten und Schulen in Traunstein. Die Stadt musste die Verträge europaweit ausschreiben. Seit Anfang des Jahres wird das Essen von den Maltesern aus der Nähe von Würzburg angeliefert. 400 Kilometer für 40 Portionen, jede in Alu eingeschweißt und in Spezialöfen aufgewärmt. Jede Portion sechs Cent billiger als das Essen von Betty Diane. Macht rund 350 Euro Ersparnis pro Jahr. Das war letztendlich ausschlaggebend für die Auftragsvergabe.

„Wir sind an das EU-Vergaberecht gebunden“, sagt Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD). „Wenn alle Bewerber die Qualitätskriterien erfüllen, müssen wir an den Auftrag an den günstigsten Anbieter vergeben – das ist EU-Recht.“ Hätte die Stadt Traunstein Betty Dianes Vertrag verlängert, wäre das glatter Rechtsbruch gewesen, betont Kegel. Er hat einige böse Emails bekommen, seit sich herumgesprochen hat, dass das Schulessen nun aus dem Würzburger Raum angeliefert wird. „Ich verstehe, dass das im ersten Moment nicht nachvollziehbar ist“, sagt er. „Aber dafür muss man Brüssel anklagen – nicht uns.“

Es gibt zwei bekannte Musiker aus Traunstein, die die Schuld allerdings nicht in Brüssel sehen. Sondern Oberbürgermeister Kegel für die Entscheidung verantwortlich machen. Sie haben ihm einen offenen Brief geschrieben, in dem sie vor allem kritisieren, wie sich Kegel im BR-Magazin „quer“ geäußert hatte. Auch Würzburg sei eine Region, hatte er argumentiert. „Gesund, regional und umweltschonend schaut anders aus“, schreiben die beiden Traunsteiner Musiker. „Vielleicht lässt sich ja der Vertrag mit der Riesenfirma, der 40 Essen mehr oder weniger vergleichsweise nichts bedeuten, noch rückgängig machen“, schreiben sie. Claudia Koreck und Alex Diehl haben ein Gratis-Unplugged-Konzert organisiert, das heute um 19 Uhr in der Festung Traunstein, Betty Dianas Betrieb, stattfinden soll. Es kostet keinen Eintritt – die beiden Musiker hoffen auf Spenden, um die 350 Euro zu erspielen, die die Stadt durch den neuen Vertrag spart.

Stadträtin Ulrike Hoernes glaubt nicht daran, dass sich die Entscheidung noch kippen lässt. Sie hatte in der Stadtratssitzung darum gebeten, noch einmal Gespräche mit beiden Bewerbern zu führen. „Die Malteser sind auf unsere Mittelschule nicht angewiesen“, sagt sie. „Wenn sie bereit gewesen wären, die Bewerbung zurückzuziehen, hätte weiterhin Betty Diane für unsere Kinder kochen können.“ Der Stadtrat hat abgestimmt, es war knapp. Hoernes und ihren Mitstreitern fehlte genau eine Stimme. Der Auftrag wurde an die Malteser vergeben. „Ich hatte wirklich gedacht, dass wir mit reinem Menschenverstand eine Lösung finden, die nicht gegen das EU-Recht verstößt“, sagt Hoernes. Und sie hätte nicht gedacht, dass die Kriterien „frisch gekocht“ und „regional“ so dehnbar wären, sagt sie.

Betty Diane freut sich über die Unterstützung von Koreck und Diehl, macht sich aber kaum Hoffnungen, dass die Entscheidung noch zu kippen ist. „Ich habe eben Pech gehabt.“ Sie versucht, eine gute Verliererin zu sein. Dann ergänzt sie noch einen Satz: „Ich hätte mir nur gewünscht, dass die Stadt ihre kleinen Betriebe mehr unterstützt.“

Katrin Woitsch

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