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Beste Freunde: Conrad Anker (l.) überlebte in der Lawine, Alex Lowe starb.

Starnberger findet Leiche einer Bergsteiger-Legende

Lawine im Himalaya: Das Drama im ewigen Eis

Shishapangma - Der Starnberger Bergsteiger David Göttler will den Shishapangma im Himalaya erklimmen. Dabei stößt er auf zwei Leichen. Dies ist die Geschichte hinter den Toten.

Bei alpinistischen Abenteuern an Achttausendern klettert der Tod immer mit. Wie greifbar nah er sein kann, haben der Starnberger Extrem-Bergsteiger David Göttler (37) und sein Schweizer Spezl Ueli Steck (39) gerade bei einer Tibet-Expedition am 8027 Meter hohen Shishapangma ­erlebt. Am Fuße der vergletscherten Südwand entdeckten die beiden jetzt die Leichen von zwei lange vermissten Alpinisten: Alex Lowe und David Bridges. Sie waren 1999 von einer Lawine begraben worden. Lowe galt damals als bester Bergsteiger der Welt. In Begleitung seines Kameramanns Bridges wollte er den vierzehnthöchsten Berg mit Skiern abfahren. Doch sein Rekordversuch endete in einer Katastrophe. Die tz erzählt das Drama im ewigen Eis. 

Lawine im Himalaya

Extrem-Bergsteiger David Göttler.

Ein Knall irgendwo aus dem Himalaya-Himmel, ein paar flüchtige, bange Blicke nach oben - dann rannten die Männer um ihr Leben. Einer nach links, die anderen beiden nach rechts. Bis ihnen die Lawine den Boden unter den Füßen wegriss. Als sich der Nebel aus Schnee- und Eiskristallen gelichtet hatte, konnte sich der Extrembergsteiger Conrad Anker selbst ausgraben. Aber von seinem besten Freund Alex Lowe (damals 40) und dessen Kameramann David Bridges (29) fehlte jede Spur. Verzweifelt suchte Anker gemeinsam mit anderen Expeditionsteilnehmern die verschütteten Kameraden. Nach zwei Tagen gaben sie auf. Sie hatten nur einen einzelnen Handschuh gefunden - und die traurige Gewissheit, dass sie nichts mehr für Lowe und Bridges tun können.

Es sollte 16 Jahre, sechs Monate und 22 Tage dauern, bis der Berg nun seine eisige Grabkammer öffnete. Zufällig stießen David Göttler und Ueli Steck auf die sterblichen Überreste, als sie sich gerade auf eine Durchsteigung der Südwand vorbereiteten. In einem Telefonat mit Anker beschrieb Göttler zudem den Fundort und Ausrüstungsgegenstände. Wenig später bestätigte die Alex-Lowe-Stiftung, dass es sich um die vermissten Bergsteiger handeln muss.

Neue Liebe durch die Trauer

In der Trauer vereint hatten sich Anker und Lowes Witwe Jennifer ineinander verliebt, sie heirateten zwei Jahre nach dem Unglück. Jetzt wollen sie gemeinsam mit Lowes drei Kindern zum Shishapangma pilgern, um die Bergung des Leichnams und dessen Überführung zu organisieren. "Es ist Zeit, Alex zur Ruhe zu betten."

Extrem-Bergsteiger Reinhold Messner.

"Ich kenne Alex' Familie und weiß, wie wichtig es ihr ist, dass es eine Erinnerungsstätte gibt", berichtet Reinhold Messner im tz-Gespräch - und adelt Lowe praktisch posthum. "Er war ein großartiger Bergsteiger, ich habe ihn für seine Leistungen bewundert." In der Bergsteiger-Szene galt Lowe als eine Art aktiver Nachfolger Messners als lebende Legende - vor allem wegen seiner gewaltigen Kondition. Kameraden nannten ihn "die Lunge auf zwei Beinen".

2014 stirbt Münchner am Shishapangma

Doch bei dem Lawinenabgang habe selbst der Ausnahmekönner schlichtweg keine Chance gehabt, erläutert Messner. "Die Südwand des Shishapangma ist zwar nicht brutal steil. Aber der Schnee verteilt sich darin gleichmäßig auf großen Breiten. Dadurch können sich an vielen Stellen gewaltige Lawinen lösen. Wenn man in diesem Moment darunter in der Wand unterwegs ist, gibt es praktisch keinen Notausgang."

Ein Schicksal, das nach Lowe auch einen Münchner Alpinisten ereilte: 2014 starb Basti Haag am Shishapangma in einer Lawine.

Andreas Beez

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