Der Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Traunstein (Zweigstelle Rosenheim), Jürgen Branz (hinten 2.v.l-r), der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Traunstein, Wolfgang Giese, und der Polizeipräsident von Oberbayern-Süd, Robert Kopp, informieren am 16.02.2016 in Bad Aibling (Bayern) während einer Pressekonferenz zum Bahnunglück von Bad Aibling über die Unfallursachen. Foto: Peter Kneffel/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Der Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Traunstein (Zweigstelle Rosenheim), Jürgen Branz (hinten 2.v.l-r), der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Traunstein, Wolfgang Giese, und der Polizeipräsident von Oberbayern-Süd, Robert Kopp, informierten in Bad Aibling bei einer Pressekonferenz über die Unfallursachen.

Ursachenforschung in Bad Aibling

Zugunglück: So kam es zu dem verhängnisvollen Signal

Bad Aibling – Die Ursachensuche beim Zugunglück von Bad Aibling ist ein Puzzle mit vielen Teilen. Langsam wird aber das Bild klarer, lassen Aussagen der Staatsanwaltschaft Schlüsse zu, wie es zu dem Unglück kommen konnte.

Am Bahnhof Kolbermoor wartete am Dienstagmorgen vergangener Woche um 6.45 Uhr der Meridian-Zug M 79506 auf das Ausfahrsignal Richtung Bad Aibling. Der Normalfall wäre gewesen, dass er erst losfährt, wenn der Gegenzug M 79505 aus Bad Aibling in Kolbermoor eingetroffen ist. Doch an diesem Tag hatte M 79505 drei bis vier Minuten Verspätung.

Der Fahrdienstleiter, gegen den nun ermittelt wird, stand vor einem gewissen Dilemma: Entweder er hätte den verspäteten Zug noch länger warten lassen, bis der Gegenzug aus Rosenheim vorbeigefahren ist. Dann hätte sich die Verspätung vergrößert. Oder aber er hätte den bisher pünktlichen Zug in Bad Aibling einige Minuten anhalten müssen (bis M 79505 zur Zugkreuzung eingetroffen ist) – dann aber hätten beide Züge Verspätung gehabt.

Offenbar entschied sich der Fahrdienstleiter für die erste Variante. Es war daher geplant, das Kreuzen der Züge in den Bahnhof Bad Aibling zu verlegen. Daher wurde für den bisher pünktlichen Zug M 79506 eine so genannte Ausfahrstraße freigeschaltet – das heißt, das Ausfahrsignal zeigte grün und der Zug fuhr los.

Gegenzug M 79505 indes hätte in Bad Aibling warten müssen – was aber nicht geschah. Warum nicht? Normalerweise ist das Ausfahrsignal auf rot geschaltet – und die Fahrstraße technisch blockiert. Hier kam offenbar dem Fahrdienstleiter eine fatale Rolle zu. Er griff, so stellte es der Traunsteiner Oberstaatsanwalt Jürgen Branz am Dienstag dar, in den technischen Ablauf ein und gab „ein Sondersignal“, das „nicht hätte gegeben werden dürfen“. In der Fachsprache heißt es Ersatzsignal Zs1.

Möglicherweise hat der Fahrdienstleiter Zs1 gleich zwei Mal betätigt – anders ist nicht denkbar, dass gleich zwei Sicherungsmechanismen außer Kraft gesetzt wurden. Zum einen die so genannte Punktförmige Zugbeeinflussung (PZB), deren Wirkung der Lokführer bei einem Ersatzsignal zum Passieren des Ausfahrsignals unterbrechen kann. Das ist eigentlich nur erlaubt, wenn – was im Bahnverkehr tatsächlich nicht selten ist – ein Signal eine Störung hat. Eigentlich muss der Triebfahrzeugführer – wovon am Dienstag aber nicht die Rede war – durch Umlegen eines Kippschalters das Überfahren eines „Fahrt“ zeigenden Hauptsignals bestätigen.

Lesen Sie hier: Die Pressekonferenz der Ermittler im Ticker und Live-Stream

Dann wurde aber offenbar noch eine zweite Sicherung übersprungen: Der Meridian-Zug, der Richtung Kolbermoor unterwegs war, hielt noch vorschriftsmäßig am Haltepunkt Bad Aibling-Kurpark, passierte aber beim Ausfahren ein Blocksignal, das wohl ebenfalls durch Eingriff vom Stellwerk neutralisiert worden war. Ein Blocksignal ist eine technische Sicherung zur Abstandshaltung, die definiert, dass in einem Streckenabschnitt („Block“) immer nur ein Zug fährt. M 79505 fuhr auf der eingleisigen Strecke weiter, obwohl der Zug aus Rosenheim eine gültige Fahrstraße hatte.

Um etwa 6.48 Uhr kam es zur Katastrophe.

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