ARCHIV - Der wegen versuchten Mordes angeklagte Phillip K. (M) unterhält sich am 16.09.2015 zu Prozessbeginn im Sitzungssaal im Landgericht Nürnberg-Fürth in Nürnberg (Bayern) mit seinen Anwälten Martin Gelbricht (l) und Harald Straßner. Der Anwalt soll aus seiner Wohnung heraus auf zum Teil fahrende Autos geschossen haben. Die Anklage lautet auf dreifachen Mordversuch. Foto: Daniel Karmann/dpa (zu dpa "Anklage fordert für Nürnberger Heckenschützen zwölf Jahre Haft" vom 13.10.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Prozess in Nürnberg

Urteil: So lang muss der Autoschütze in den Knast

Nürnberg - Als Rechtsanwalt sollte er Recht und Gesetz kennen. Doch beides schien er zu vergessen, wenn es um seine Schießleidenschaft ging. Der Jurist schreckte nicht einmal davor zurück, wahllos auf Autos zu schießen. Dafür muss er ins Gefängnis.

Er hat mit einem Jagdgewehr wahllos auf Autos geschossen - dafür erhielt ein 50 Jahre alter Nürnberger Rechtsanwalt nun eine Gefängnisstrafe von siebeneinhalb Jahren. Das Landgericht Nürnberg-Fürth stufte die Tat in seinem Urteil am Mittwoch als versuchten Mord ein. Der Mann habe im November vergangenen Jahres von seiner Wohnung aus gezielt auf Autos geschossen, stellte die Schwurgerichtskammer fest. Die Schüsse trafen zwei Fahrzeuge, Insassen wurden glücklicherweise nicht verletzt.

Staatsanwalt forderte 12 Jahre Haft

Der Staatsanwalt hatte eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren gefordert. Aus Sicht der Verteidigung haben dagegen die Beweise nicht ausgereicht, um Mordversuch nachzuweisen. Daher hatten die Anwälte für eine Bewährungsstrafe plädiert. Der Angeklagte hatte die Schüsse zwar gestanden. In der Erklärung seiner Rechtsanwälte wurden sie jedoch als harmlose Übungsschüsse abgetan.

Für besonders bedenklich hielt die Vorsitzende Richterin Barbara Richter-Zeininger die Tat vom 4. November 2014. Damals löste die Schießlust des 50-Jährigen anscheinend ein Auffahrunfall auf einer Schnellstraße aus. Dabei habe er in der Dunkelheit auf einen der Unfallwagen geschossen - ohne Rücksicht auf möglicherweise Unfallbeteiligte. „Natürlich wusste der Angeklagte, dass dort jemand sitzen könnte“, sagte die Richterin.

Seit 1990 Vorliebe für Schusswaffen

Während des mehrtägigen Prozesses war deutlich geworden, dass der Angeklagte bereits seit den 90er Jahren eine Vorliebe für Schusswaffen hat. Damals war er in einen Schützenverein eingetreten, den er 2007 wieder verließ. Waffen behielt er trotzdem weiter und übte damit im Flur seiner Wohnung. Im August 2014 entschied er, den Jagdschein zu machen und bestellte eine Waffe in den Niederlanden - jenes Gewehr, mit der später auf die Autos schießen sollte. Einen Waffenschein hatte er dafür nicht. Unklar war am Mittwoch noch, ob der verurteilte Jurist gegen das Urteil in Revision gehen will.

dpa

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