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Bei diesem Anblick läuft einem doch das Wasser im Mund zusammen. Aber was passiert, wenn in der Küche Tradition auf Moderne trifft?

Heftiger User-Streit um das Küchenwunder

Ofen vs. Thermomix: Wer macht besseren Schweinebraten?

München - An diesem Küchengerät scheiden sich die Geister: der Thermomix, dessen Klon kürzlich sogar für Handgreiflichkeiten sorgte. Eine Frage treibt den bayerischen Verbraucher besonders um: Kann das Gerät auch Schweinebraten?

Nach den Tumulten zum Start der Aldi-Billig-Version des Thermomixes wird heftig über Sinn und Unsinn des Küchengeräts diskutiert. Besonders an einer Frage scheiden sich die Geister: Am Schweinebraten. Gelingt mit dem Thermomix ein leckerer, knuspriger Schweinebraten, wie ihn Oma schon gemacht hat? Ist der Einsatz eines Thermomix nicht wesentlich aufwendiger, als den Krustenbraten einfach ins Rohr zu schieben?

Darüber wird heftig und unnachgiebig diskutiert. User Hubert findet beispielsweise: "Ob 500 oder 5000 W, so ein Ding hat in einem normalen Haushalt nix verloren, a Schweinsbradn ghert in Ofen und derf ned gedünstet werden." Ein anderer User fürchtet um das bayerische Traditionsgericht: "Wer soll da satt werden von den Minimischungen? Macht der a an Schweinsbrodn? Für mich nichts anderes wie ein Fertiggericht. Ich koche gerne selber."

Ein anderer nimmt den Thermomix in Schutz vor den Spötteleien: "An die bayrische Kochkunst 'Fleisch in die Röhre und warten, bis es verbrennt' kommt das Teil natürlich nicht ran. Nein im Ernst, man kann damit bestens kochen. Ich mag das Teil."

Vergleich: Schweinebraten mit Biersauce im Ofen und im Thermomix

Um der Sache auf den Grund zu gehen, starten wir den großen Vergleich: Ofen versus Thermomix. Was braucht man dafür? Spart man sich wirklich Zeit und Material? Und: Wie schmeckts denn am Ende? Zuerst aber das Wichtigste - die Zutaten.

  • 1,5 Kilo Schweinebraten, natürlich mit dicker Schwarte drauf
  • 2 Kartoffeln
  • 1-2 Karotten
  • 2 Zwiebeln
  • Knoblauch
  • 100g Knollengemüse (wie zum Beispiel Sellerie)
  • 1 Flasche Dunkles oder Helles Bier, kein Pils
  • Gewürze (Salz, Pfeffer, Kümmel)
  • Wasser

Ausstattung und Kochgeschirr

Für die Zubereitung des Schweinebratens mit Sauce im Thermomix benötigt man einmal das Gerät selbst, selbstverständlich mit Mixtopf. Zusätzlich dazu den Varomatopf, in dem der Braten vorgegart wird. Den Varomatopf kann man für 79 Euro dazu kaufen. Für die herkömmliche Zubereitung, wie zum Beispiel nach diesem Rezept von Chefkoch.de, reicht eine große feuerfeste Reine oder ein Bräter für den Ofen und ein Topf, in dem im Anschluss die Sauce zubereitet werden soll.

Vorbereitung des Schweinebratens

Der erste Schritt ist bei beiden Varianten gleich: Die Schwarte des Schweinebratens wird zunächst so eingeschnitten, dass kleine Vierecke entstehen. Danach wird das Fleisch mit Salz, Pfeffer und Kümmel eingerieben. Nach Geschmack auch mit kleinen Knoblauch-Stücken.

Nach der herkömmlichen Methode wird das Fleisch nun kurz angebraten und kommt dann zusammen mit dem kleingeschnittenen Gemüse und ein wenig Wasser in die Reine.

Beim Thermomix geht es aus logistischen Gründen mit der Sauce los: Rund 1 1/4 Liter Wasser und eine halbe Flasche Bier kommen zusammen in den Thermomix-Mixtopf. Das Gemüse wird kleingeschnitten und kommt zusammen mit dem Braten in den Varomatopf, der über dem Mixtopf platziert werden muss. Der Braten darf dabei nicht auf der Schwarte liegen.

Nach der Garzeit ist vor der Garzeit

Während der Thermomix nun für 60 Minuten auf Varoma Stufe 1 den Schweinebraten gart, ist das Verfahren bei der herkömmlichem Methode ein wenig aufwendiger: Rund eineinhalb bis zwei Stunden, brutzelt der Braten nun im Ofen bei 250 Grad vor sich hin. Dabei muss er immer wieder mit Bier übergossen werden, als Schutz vor dem Austrocknen.

Nach 60 Minuten macht die Thermomix-Variante der Zubereitung auch wieder ein wenig Arbeit: In den Mixtopf kommt nun das restliche Bier. Eventuell mit etwas Wasser nachgießen. Dann gibt es für den Schweinebraten noch eine Stunde Hitze auf Varoma Stufe 1. Anschließend muss der Braten aus dem Varoma-Bräter in einer feuerfesten Reine noch für 30-40 Minuten bei 250 Grad in den Backofen. Schließlich soll auch hier die Kruste knusprig und lecker werden.

Das Herzstück des Gerichts: Die Sauce

Ist der Schweinebraten endlich fertig, wird er bei beiden Varianten erst einmal auf die Seite gestellt. Denn es ist an der Zeit, sich um die Sauce zu kümmern:

Bei der herkömmlichen Methode wird alles, was sich noch in der Reine befindet, nachdem das Fleisch draußen ist, durch ein Sieb in einem Topf passiert. Ein wenig nachwürzen, aufkochen, wer mag, mit Saucenbinder abbinden und fertig ist die Sauce.

Und beim Thermomix? Das Gemüse aus dem Varoma-Topf kommt in den unteren Mixtopf und wird dort durchpüriert. Für eine klare Sauce kann auch hier durch ein Sieb püriert werden.

Fazit: Aufwand und Ersparnis

Zusammenfassend kann man sagen, dass für die Zubereitung des Schweinebratens im Thermomix definitiv ein Ofen benötigt wird - schließlich soll die Kruste nicht weich und labberig bleiben. Dazu braucht man allerdings eine feuerfeste Reine, denn braten kann der Thermomix selbst nicht. Zählt man nun das Kochgeschirr grob zusammen kommt man bei der herkömmlichen Methode auf eine Reine, einen Topf und ein Sieb. Beim Thermomix hingegen wurde der Mixtopf, der Varoma-Topf, eine Reine und ein Sieb benötigt. Ein Teil mehr, das abgespült werden muss.

Garzeit deutlich länger

Auch die Garzeit lässt zu wünschen übrig: Braucht der Schweinebraten im Ofen zwar etwas mehr Pflege und Aufmerksamkeit, kostet der Thermomix Zeit. Insgesamt zwei Stunden und mindestens 30 Minuten braucht der Braten insgesamt. Maximal zwei Stunden sind es beim Schweinebraten im Ofen.

Auch wenn Fans und Anhänger vom Thermomix schwärmen: Keiner der Vorteile konnte durch diesen Vergleich bewiesen werden. Im Gegenteil: Soll nun auch noch eine Beilage zu dem Schweinebraten hergestellt werden, muss der Koch oder die Köchin auf jeden Fall auf einen Herd zurück greifen. Außer man besitzt noch einen zweiten Thermomix. Wohlgemerkt: Das Rezept für den Thermomix wurde für das Originalgerät geschrieben. Ob die billigen Klon-Geräte das leisten können, ist fraglich.

Video: Tumulte im Discounter wegen Billig-Thermomix

vf

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