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Wegen Überfüllung: In Zirndorf werden vorerst keine weiteren Flüchtlinge aufgenommen.

Aufnahmestopp auch in Zirndorf

Katastrophale Zustände in Flüchtlingslager

München - Nach dem Masernausbruch in der Münchner Bayernkaserne hat sich die Situation in Zirndorf tagelang zugespitzt. Am Dienstag haben die Behörden eingegriffen und auch dort einen Aufnahmestopp verhängt. Doch die Probleme sind damit nicht gelöst. Im Gegenteil.

Es ist schon ein paar Wochen her, dass Gunnar Dillschneider von der Rummelsberger Diakonie das letzte Mal in der Zirndorfer Erstaufnahmeeinrichtung war. Damals waren dort 1100 Flüchtlinge untergebracht und schon damals mussten sie in Zelten, Garagen und Gemeinschaftsräumen schlafen, weil einfach kein Platz mehr war. Denn die Einrichtung ist eigentlich nur für 650 Asylbewerber konzipiert. Doch seit dem Masernausbruch und dem Aufnahmestopp in der Münchner Bayernkaserne hat sich die Situation in der einzigen anderen bayerischen Erstaufnahmeeinrichtung dramatisch zugespitzt. Mehr als 100 Flüchtlinge trafen jeden Tag dort ein. Am Dienstag ist die Zahl auf 1600 gestiegen. Für die Diakonie Bayern stand am Dienstagmorgen schon fest, dass es bis zum großen Kollaps nur noch eine Frage der Zeit ist. Ein paar Stunden später hat auch das Sozialministerium reagiert – und sich mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) darauf verständigt, auch in Zirndorf einen Aufnahmestopp zu verhängen. Aufgenommen werden im Freistaat nun nur noch Asylbewerber, für deren Anträge der Freistaat allein zuständig ist – sie machen nur etwa fünf Prozent aller Flüchtlinge aus, die tagtäglich ankommen. Alle anderen werden vorübergehend in anderen Bundesländern untergebracht.

"Es sind einfach katastrophale Zustände"

„Der Stopp ist die einzig richtige Entscheidung“, sagt Gunnar Dillschneider. „Sie war längst überfällig.“ Denn die Zustände, unter denen die Menschen in Zirndorf untergebracht sind, waren schon bei seinem letzten Besuch menschenunwürdig. „Jeder freie Fleck ist mit Betten belegt“, erzählt er. Draußen sind Wohncontainer übereinander gestapelt, vor einigen Tagen wurden zusätzlich beheizte Zelte aufgestellt. „Es gibt keinen freien Fleck mehr, auf dem sich die Menschen aufhalten können“, erzählt der Diakonie-Sprecher. Familien müssen getrennt werden, gegessen wird nur noch in Schichten. Das größte Problem sind die sanitären Einrichtungen, berichtet Dillschneider. Die Duschen und Toiletten reichen schon für 650 Menschen nicht aus. Wie lange die Warteschlangen bei einer Belegung mit 1600 Menschen sind, kann er sich nicht mal mehr vorstellen. „Es sind einfach katastrophale Zustände.“

Bayern muss erstmal mehr Flüchtlinge als bisher aufnehmen

Die Situation in Zirndorf wird sich durch den Aufnahmestopp erstmal nicht weiter zuspitzen – besser wird sie für die Menschen dort so schnell allerdings auch nicht. Besonders leiden Kranke, Behinderte und Familien mit Kindern unter der Situation. Das Diakonische Hilfswerk fordert eine stärkere Hilfe vom Bund, er solle umgehend leerstehende Gebäude bereitstellen. Denn es dauere zu lange, bis die geplanten drei neuen Erstaufnahmerichtungen in Bayreuth, Regensburg und Deggendorf fertig seien. Wie lange der Aufnahmestopp für die Einrichtung in Zirndorf gilt, könne man noch nicht abschätzen, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums. Es hängt davon ab, wie lange die Bayernkaserne noch gesperrt bleibt und wie schnell die Flüchtlinge aus Zirndorf an andere Einrichtungen weitergeleitet werden können.

Je länger der Stopp dauert, desto größer wird das Problem für Bayern auf lange Sicht. Denn der Freistaat muss rückwirkend ausgleichen, dass er die gesetzliche Aufnahmequote eine Zeit lang nicht erfüllen konnte – und erstmal mehr Flüchtlinge als bisher aufnehmen. Es könnte sein, dass der Ausnahmezustand keine Ausnahme bleibt.

Von Katrin Woitsch

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