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Der Fernfahrer, der als Autobahn-Schütze eine Frau schwer verletzte, bei der Gerichtsverhandlung in Würzburg.

Prozess in Würzburg

Autobahn-Sniper: Opfer lehnt Entschuldigung ab

Würzburg - Im Prozess um die Schüsse auf deutschen Autobahnen hat eine von einer Kugel getroffene Frau die Entschuldigung des angeklagten Fernfahrers zurückgewiesen.

„Kein Geld der Welt wird das, was mir passiert ist, je wieder wettmachen“, sagte die 45-Jährige am Montag vor dem Landgericht Würzburg als Reaktion auf eine angebotene Entschädigung. Eine Kugel hatte sie Ende 2009 auf der A3 bei Würzburg in den Hals getroffen.

Es ist der schwerwiegendste Fall in der jahrelangen Serie von Schüssen. Der Fernfahrer aus der Eifel hatte beim Prozessauftakt Schüsse auf die Ladung von Lastwagen gestanden. Er sagte aber, dass er sich an Zahl und Ort der Taten in der Regel nicht erinnern könne.

„Die Tatsache, dass ich hier sitze, dass ich hierher gelaufen bin, ist ein kleines Wunder“, sagte die Frau bei ihrem Auftritt vor Gericht. Sie berichtete, dass sie den Schuss selbst am 10. November 2009 nicht bemerkt habe. Sie erinnere sich nur noch an einen unheimlichen Krach, und dass sie plötzlich schräg im Wagen gelegen habe. „Ich merkte dann, dass die Seitenscheibe nicht mehr vorhanden war und das Fahrzeug gegen die Mittelleitplanke schlug.“

Die Frau war damals auf der Fahrspur in Richtung Nürnberg unterwegs. Der 58 Jahre alte Lastwagenfahrer soll von der Gegenrichtung aus vermutlich auf einen Autotransporter gezielt und die Frau in den Hals getroffen haben. Das Opfer jedenfalls hatte viel Glück: Ein Würzburger Rechtsmediziner sagte in dem Verfahren, dass der Steckschuss die Dornfortsätze der Wirbelsäule um Millimeter verfehlt und nur Weichteile verletzt habe.

Sie sei total verwirrt gewesen, erzählte die 45-Jährige. Die blutende Wunde am Hals habe sie zunächst für eine Verletzung durch gesplittertes Glas gehalten. Dass sie beschossen worden war, habe sie erst im Krankenhaus erfahren - da wurden zwei aus dem Nacken entfernte Metallteile als Projektilsplitter identifiziert.

Der Lasterfahrer betonte in dem Prozess, er habe niemanden verletzen wollen. Die Verteidigung weist den Vorwurf des versuchten Mordes in fünf Fällen deshalb zurück. Insgesamt ist der Mann wegen 171 Fällen angeklagt. Jahrelang hatten Ermittler erfolglos nach dem Schützen gefahndet.

Beim ersten Treffen mit der Geschäftsfrau im Gerichtssaal entschuldigte sich der Lastwagenfahrer erneut: „Ich würde das ja gerne rückgängig machen“, sagte er. „Sie waren nie das Ziel meiner Tat.“ Aus der Haft hatte er der Frau bereits einen Brief geschrieben.

Nach Darstellung der Polizei zeigen die Lkw-Mautdaten des Fernfahrers, dass er beim Angriff auf die Geschäftsfrau am Tatort gewesen sein kann. Er sei um 16.55 Uhr an der Anschlussstelle Nürnberg-Nord auf die Autobahn 3 Richtung Frankfurt gefahren, sagte eine Kriminalbeamtin. Bei einer Geschwindigkeit von gut 83 Stundenkilometern wäre er dann zur passenden Zeit bei Würzburg gewesen.

dpa

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