Das handschriftliche Unfallprotokoll angefertigt.

Fast die gleiche Stelle

Bad Aibling: Schon 1945 gab es hier ein Zugunglück

Bad Aibling - Vor 71 Jahren stießen an fast der gleichen Stelle an der am Dienstag zwei Meridianzüge kollidierten, ein Militärzug und ein Leerzug zusammen. Fünf Menschen starben damals.

In unserem Ticker halten wir Sie über die Entwicklungen nach dem Zugunglück von Bad Aibling auf dem Laufenden.

Die Unglückorte von 1945 und 2016 liegen nur 800 Meter auseinander.

Nur 800 Meter von der Stelle des Zugunglücks entfernt sind vor 71 Jahren schon einmal zwei Züge kollidiert. Damals sind fünf Menschen ums Leben gekommen. In Bad Aibling erinnern sich heute nicht mehr viele Menschen an die Tragödie vom 28. Mai 1945. Der Krieg war gerade vorbei. An jenem Tag war gegen 23 Uhr ein Militärzug mit ehemaligen Wehrmachtssoldaten aus Rosenheim auf der Strecke unterwegs. Aus Richtung Holzkirchen kam ihm ein leerer Zug entgegen. Bei Kilometer 29,5 prallten die beiden Züge zusammen. Die Unglücksstelle von vergangener Woche liegt bei Streckenkilometer 30,3.

Der SPD-Gemeinderat Richard Lechner.

Richard Lechner war ein Jahr alt, als das Zugunglück 1945 passierte. „Es war immer wieder mal Thema in Bad Aibling“, erzählt der SPD-Gemeinderat. Nach dem tragischen Unglück vor einigen Tagen hat er sich wieder daran erinnert – und in dem Buch „150 Jahre Eisenbahn Mangfalltal“ von Armin Franzke und David Hruza nachgeblättert. Dort hat er eine Zeichnung der Bahnmeisterei Bad Aibling entdeckt. Darunter steht „Faksimile des handschriftlichen Unfallprotokolls vom 29. Mai 1945“. Die Skizze zeigt den genauen Streckenverlauf und den Unfallort. Viele Informationen stehen nicht dabei. Fünf Wehrmachtssoldaten kamen damals ums Leben, 21 weitere wurden verletzt, einige von ihnen schwer.

Das handschriftliche Unfallprotokoll angefertigt.

Vier der Toten beerdigte später der Aiblinger Pfarrer Hermann Braun. Von zwei Männern waren nicht einmal die Namen bekannt. Das Zugpersonal und einer der Lokführer haben damals überlebt. Geborgen wurden alle Insassen durch Angehörige der Wehrmacht unter Mithilfe der amerikanischen Besatzung, steht in dem Buch. Die Amerikaner haben auch die Verletzten in das damalige Teillazarett Ludwigsbad in Bad Aibling transportiert. Die beiden Lokomotiven werden als nur leicht beschädigt beschrieben. Doch etliche Waggons waren entgleist oder ineinandergeschoben.

„Die Unglücksursache liegt darin, dass die Fernsprechleitungen und die Fernmeldeleitungen zwischen Bad Aibling und Kolbermoor seit mehr als acht Tagen unterbrochen waren“, steht in dem Buch. Daher sei keine Verständigung zwischen den Bahnhöfen möglich gewesen. Zugfahrten sind damals auf Sicht durchgeführt worden.

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Eva Langwieder

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