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Die große Bühne überlässt Dan Brown lieber anderen.

Seine Bücher verkaufen sich millionenfach

Dan Brown im Interview: Das ist sein "Inferno"

Berlin - Dan Brown ist einer der erfolgreichsten Buchautoren der Gegenwart. Auch die Verfilmungen seiner Bücher sind mehr als beliebt. Wir trafen ihn zum Interview.

Nur die Bibel ist noch erfolgreicher. Dan Brown zählt zu den erfolgreichsten Autoren aller Zeiten, seit er mit Robert Langdon einen Helden schuf, der sein Publikum im Sturm eroberte – mit den Romanen Illuminati, Sakrileg – The Da Vinci Code, Das verlorene Symbol sowie Inferno. Dan Brown hat über 200 Millionen Bücher verkauft, er ist verheiratet und lebt mit seiner Frau Blythe, einer Kunsthistorikerin, in New Hampshire, USA. Mit sprühendem Charme und Herzlichkeit begrüßt er Klatschkolumnistin Ulrike Schmidt in einer Suite des Hotels Adlon in Berlin:

Dan, wir haben am selben Tag, dem 22. Juni, Geburtstag ...

Dan Brown: Sie scherzen! Sie meinen – den gleichen Tag? Aber doch nicht das gleiche Jahr – da würde ich mich ja noch großartiger fühlen, wenn ich Sie ansehe!

Nein, drei Jahre jünger. Aber glauben sie an Astrologie, an unsere Sternzeichen?

Brown: Tut mir leid, nein. Als Kind machte ich da so eine Erfahrung: Unser Lehrer bat uns um die Geburtsdaten, weil er angeblich eine super Astrologin kannte, und dann stand bei jedem dasselbe drin. Glauben denn Sie daran?

Die Vorlage für "Inferno": Dantes Göttliche Komödie

Iiijaaaa. Dafür glauben Sie an große Rätsel und Symbole ...

Brown:Natürlich! Es gibt eine Menge unter der Oberfläche, was wir nicht sehen. Entweder, weil wir es nicht verstehen oder weil die Hinweise versteckt sind – ganz besonders in der Kunst.

Wenn Sie jetzt so einen Roman anfangen, was ist da zuerst: das Rätsel, das Ende oder die Geschichte?

Brown: Bei Inferno wusste ich, ich wollte immer über Dante Alighieri schreiben, die Unterwelt, wie in der Göttlichen Komödie beschrieben. Aber ich wusste lange nicht, wie man Dante einem modernen Publikum vermitteln kann. Fasziniert hat mich dann die Tatsache der Überbevölkerung, dass sich allein in den letzten 80 Jahren die Menschheit verdreifacht hat. Ich überlegte mir, wenn ich dieses Thema über das von Dante legte – das wäre der Weg für einen Roman. Dann habe ich mit der Recherche begonnen – ein Jahr des Reisens, Lesens und der Frage der Konstruktion. Das Schreiben dauerte mehrere Jahre, und immer wieder bin ich zurück nach Florenz und Istanbul, um die Geschichte weiterzuentwickeln. Es ist ein langer Prozess. Ich muss sehr viel studieren, um so ein Buch zu schreiben.

So werden Sie mit jedem Roman gescheiter und gescheiter...

Brown (lacht auf):  Das denken Sie! Was passiert ist, dass ich mit jedem neuen Roman den vorhergehenden vergesse... Ich schreibe gerade wieder an einem neuen.

Welchen?

Brown: Er heißt Origin und kommt nächstes Jahr auf den Markt – das beschäftigt gerade meinen Kopf. Es geht um die großen Fragen der Menschheit.

Brown: Deutschland "wäre ein Fall für Langdon"

Sie haben deutsche Wurzeln, Ihr zweiter Name ist sogar Gerhard, da wäre doch auch die deutsche Symbolik samt unserer Sagen ein Thema, oder?

Brown: Da weiß ich, das kann gefährlich sein! Wenn ich über deutsche Verschlüsselungen oder ein Phänomen deutscher Geschichte schreibe, dann muss ich viel mehr darüber wissen, eine Zeit lang hier leben, mit Historikern sprechen ....

Wären Sie interessiert?

Brown: Es wäre faszinierend! Ich liebe Musik. Und Deutschland ist das Herz klassischer Musik. Musik ist eine symbolische Sprache, auch eine Art Code – das wäre durchaus ein Fall für Robert Langdon, und Deutschland hat ja auch eine unglaublich reiche Geschichte – ein gutes Fundament für einen Robert-Langdon-Thriller.

Woher kommt eigentlich Ihr Faible für Symbolik und Rätsel?

Brown: Es ist witzig – mein Vater ist Mathematik-Professor, und als ich ein Kind war, acht oder neun, lag da an Weihnachten unterm Baum kein einziges Geschenk, nur ein Kuvert, darin ein Code. Ich weiß nicht mehr genau welcher, aber er gab mir einen Hinweis auf den Kühlschrank, und darin war wieder ein Kuvert mit einem Code, und ich wusste, ich musste in der Garage weitersuchen – so bin ich durch das ganze Haus gekommen, und am Ende, bei den Mülltonnen, sollte ich wieder zum Christbaum zurückkehren und da waren alle Geschenke! Für mich war das ein Riesenspaß! Das sind Rätsel auch für andere – jeder, der welche löst, liebt den Aha-Moment, und ich nutze ja gern die Aha-Momente in meinen Romanen.

Dan Brown: Meine Religion ist die Arbeit

Wie fühlt es sich an, ein Multi-Millionen-Seller-Autor zu sein?

Brown: Es ist natürlich wunderbar. Aber es ändert nichts an meinem Schreibprozess: Jeden Tag sitze ich vor der leeren Seite am Computer; die Charaktere meines neuen Buches interessiert es überhaupt nicht, wie oft sich Inferno verkauft hat; ich nehme die Arbeit sehr ernst und stehe sieben Tage die Woche um vier Uhr früh auf, auch heute in Berlin, um zu schreiben. Ich bin sehr diszipliniert. Aber ich kenne auch das Gefühl, keine Bücher zu verkaufen, wie am Anfang meiner Karriere. Natürlich ist es jetzt ein großer Luxus, und ich bin dankbar dafür. Doch wenn ich mit meiner Frau zusammensitze und wir uns in die Augen schauen und uns die Frage stellen, was wäre, wenn es all dies nicht mehr gäbe, wir wieder zurück in unser kleines Appartement in Exeter müssten und ich als Lehrer arbeiten müsste – und wissen Sie was: Es wäre vielleicht härter, schon wegen der Miete, aber wir wären genauso glücklich! Wahres Glück kommt von innen.

Wovon träumen Sie noch?

Brown: Junge! Ach, ich träume davon, wovon ich immer geträumt habe: den Luxus zu haben, aufzustehen und das tun zu können, was ich liebe, und kreativ sein zu können.

Was ist Ihre Vorstellung von der Hölle, die in „Inferno“ die zentrale Rolle spielt?

Brown: Ein Buch, das kein Ende findet.

Haben Sie mal irgendwas getan, was Sie in die Hölle bringen könnte?

Brown: Sie meinen, ob ich dunkle Geheimnisse habe, die mich dorthin bringen könnten? Ich hoffe nicht! Wenn ich in mein Herz schaue, blicke ich auf ein ganz ordentliches Leben.

Ja, glauben Sie denn an die Hölle?

Brown: Nein, und deshalb auch nicht an den Himmel. Ich glaube, wir haben den Himmel auf Erden. Wir alle haben die Möglichkeit, ihn hier zu finden.

Und an Gott?

Brown: Oh, das ist eine schwere Frage. Aber ich denke, meine Religion ist die Arbeit, die sich immer weiterentwickelt. Je mehr ich lerne, desto mehr wird mir klar, dass ich nichts verstehe.

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