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Helmut Dietl und seine letzte Ehefrau und großen Liebe, Tamara.

„A bissel was geht immer“

Helmut Dietl: Seine letzten pikanten Geständnisse

München - Seine Vergangenheit, seine Geschichte. Diese Woche kommen die unvollendeten Erinnerungen von Helmut Dietl auf den Markt, herausgegeben von seiner letzten Ehefrau und großen Liebe, Tamara Dietl.

Sein erstes Mal

Der 18-jährige Helmut Dietl lernte die hübsche Louise in einem Wiener Café kennen, als er gerade vom Münchner Insel Verlag die Nachricht erhielt, dass man seine Gedichte leider für so unbedeutend und spätpubertär halte, dass man sie auf gar keinen Fall herausgeben wollte. Dietl, der sich schon als zweiter Heinrich Heine wähnte, dachte sogleich an Selbstmord. Bis er zufällig auf Louise traf. In seinem Buch schreibt er: „Es war eine wunderbare, herrliche Nacht. Gott sei Dank war Louise keine Jungfrau mehr. Es blieb mir daher erspart, mich durch Ungeschicklichkeiten mangels Erfahrungen zu blamieren. Genau besehen, brauchte ich überhaupt keine Erfahrung, denn diese hatte sie. Sie brachte es durch ihre liebevolle und selbstverständliche Art sogar fertig, mir das Gefühl zu vermitteln, als ginge ich einer Tätigkeit nach, die mir absolut vertraut sei und die ich perfekt beherrsche. Als wir zusammen ins Bett gingen, war es spät in der Nacht und noch August. Als wir am nächsten Morgen zusammen aufwachten, war es schon September. Es schien mir, als sei eine neue Zeit angebrochen. (...) Aus einem Jüngling, der den Tod gesucht hatte, war ein Mann geworden, der die feste Absicht hatte, es die nächsten Jahre erst mal mit dem Leben zu probieren.“

Liebe mit Mutter und Tochter

Helmut Dietl lernte Dorle, eine „Gottesgabe“, wie er schwärmte, bei seinem Freund, dem Künstler Udo Dossi kennen – und lieben. Als Dorle schwanger wurde, ließ sie abtreiben („Später noch grübelte ich häufig über der Frage, ob ich der Vater eines männlichen oder weiblichen Nachkommens geworden wäre“). Doch die Liebe hielt nicht – Dorle verschwand nach Paris. Helmut blieb in München – und im Bett von Dorles Mutter, Elfie Petramer, damals eine berühmte Schauspielerin, Regisseurin und Drehbuchautorin. Privat und beruflich wurden die beiden ein Paar: „Die Tatsache, dass Elfie zwanzig Jahre älter war als ich, spielte nicht nur keine Rolle, sondern war im Gegenteil das Faszinierende, das Neue, das Aufregende. Interessant war auch, dass die Beziehung zur Mutter meine Gefühle für die Tochter nicht beeinträchtigte. Es waren zwei völlig verschiedene Arten der Liebe, ein Phänomen, das ich bisher nicht kannte, mit dem ich aber in Zukunft öfter zu tun haben sollte. Da Frau Petramer mich gerne von früh bis abends und anschließend von abends bis früh an ihrer Seite haben wollte, schlug sie mir nach ein paar Tagen vor, bei ihren Fernsehproduktionen als Aufnahmeleiter, Regieassistent und Drehbuchberater mitzuarbeiten. (...)

Betrunken und ordinär

Im Gegensatz zu seiner Mutter Else, die er sehr liebte, hatte Helmut zu seinem Vater Heinz kein oder nur ein sehr schlechtes Verhältnis. Nach 15 Jahren ging die Ehe in die Brüche, nachdem die Familie in Neuhaus am Schliersee mit einer Gaststätte und einem Kino pleite ging. Noch Jahre später musste die Mutter die Schulden ihres Ehemanns abstottern. „Irgendwann betrieb dieser (der Vater, Anm.) dann zusammen mit einer etwa gleichaltrigen, ordinären, ständig betrunkenen Geliebten einen Stehausschank in der Paul-Heyse-Straße in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofes. In diesem Etablissement trat ich gelegentlich nach dem Schulunterricht an und erbettelte ein paar Mark von meinem Vater. (...) 1972 starb mein Vater. Im Alter von etwas über fünfzig Jahren hatte er sich schließlich zu Tode gesoffen. Kurz danach erhielt ich eine amtliche Anfrage, ob ich sein Erbe antreten wollte. Ich wollte nicht.“

Walter Sedlmayr – Freund und Feind

Walter Sedlmayr war der beste Freund von Elfie Pertramer, Dietls Geliebter und Förderin. Helmut und Walter kamen nicht besonders gut aus, mussten sich aber zusammenraufen: „Walter, den ich schon flüchtig durch Dorle kannte, war ein routinierter Ohrenbläser und genialer Intrigant. Außerdem war er ein sehr origineller Schauspieler. (...) Für Walter war ich ein Konkurrent. Nicht, dass er auf mich eifersüchtig gewesen wäre wie ein Mann auf seinen Nebenbuhler. An Frauen war Walter sexuell nicht interessiert, seine Neigung gehörte, wenn auch nur in aller Heimlichkeit, jungen Männern, hauptsächlich Strichern. Seine Beziehung zu Elfie war kompliziert. Sie war für ihn alles, Mutter, Schwester, Tochter, Freundin, und er für sie auch. (...) Gleichzeitig versäumte er auch keine Gelegenheit, ebenfalls in Nebensätzen, Elfie vor mir zu warnen (...). Elfie wollte mir zunächst nicht von diesen ätzenden Bemerkungen Waltis erzählen. (...) Ein paar Tage später hatte sie ihm dann offenbar unmissverständlich ins Gewissen geredet, denn Walter war plötzlich so nett zu mir, dass ich mich fast schon vor ihm zu fürchten begann.“

Frühreifer Frauen-Sammler

„Ich hatte mir (...) ab dem Alter von ungefähr zehn Jahren angewöhnt, von jeder neuen Freundin ein Foto zu erbitten, um dieses dann in einer alten Brieftasche auf dem mit Gerümpel voll gestopften Speicher des Hauses der Greiner-Oma zu verstecken. Es gab viele ,Freundinnen‘, daher auch viele Fotos. Wie andere gleichaltrige Knaben Briefmarken, Mickey-Mouse- und Tarzan-Hefte oder Fußballerbildchen sammelten, so sammelte ich Freundinnen. Da ich im Durchschnitt selten länger als zwei Wochen mit ein und derselben „ging“ und meistens schon eine Neue hatte, bevor ich mit der Alten Schluss machte, kam ich im Jahr auf eine Anzahl von fünfundzwanzig bis dreißig, in besonders guten Jahren sogar darüber. (...) Den ersten richtigen Geschlechtsverkehr hatte ich erst im Alter von achtzehn Jahren und zwei Monaten.“

Als Möchtegern-Bohemien

Seine dreimonatige Grundausbildung musste Helmut Dietl bei den Fallschirmjägern in der Prinz-Eugen- Kaserne im nordbadischen Külsheim ableisten. Dort lernte er eine für ihn bis dato unbekannte Welt kennen. Ex-Nazis, Saufbrüder, Raufbolde. Ständig wurde vor dem „Russen“ und dem Dritten Weltkrieg gewarnt. Dietl war schockiert: „Ich saß auf dem hohen Ross der Schwabinger Möchtegern- Bohemiens, schrieb Gedichte, war befreundet mit Verlagsleitern und Modedesignern, hatte Erfolg bei den Frauen, die Mutter meiner Freundin war eine populäre Schauspielerin, ganz zu schweigen von meinem Großvater, der ein berühmter Stummfilmstar gewesen war.“

Sein Grab

Auf dem Alten Bogenhausener Friedhof fand Helmut Dietl, der mit 70 Jahren an Lungenkrebs starb, seine letzte Ruhe. Seine Karriere begann er als Regieassistent an den Münchner Kammerspielen. Berühmt geworden ist er mit TVSerien wie Münchner Geschichten (1974), Der ganz normale Wahnsinn (1979), Monaco Franze (1983) und Kir Royal (1986) wie auch durch seine Kinofilme Schtonk und Rossini.

Maria Zsolnay

Maria Zsolnay

E-Mail:Maria.Zsolnay@tz.de

Sandra Brockötter

Sandra Brockötter

E-Mail:Sandra.Brockoetter@tz.de

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