Herbert Grönemeyer
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Herbert Grönemeyer bei seinem Auftritt in den USA

Auftritt in den USA

Grönemeyer in New York: Eine Art Missverständnis

New York - Herbert Grönemeyer ist am Dienstag in Manhattan aufgetreten. Er will nun auch im Ausland berühmt werden. Nur: Wie vermittelt man das einem Saal voller deutscher Fans? Ein Konzert als Missverständnis.

Herbert Grönemeyer ist stur. So stur, dass er einfach auf Englisch weitermacht. „Deutsch“ rufen die Fans im ausverkauften New Yorker Irving Plaza Theater und fordern lautstark die Klassiker: „Männer!“, „Bochum!“, „Alkohol!“. Aber der sture deutsche Superstar hat es sich nun einmal in den Kopf gesetzt, auch in Amerika erfolgreich zu sein, sich künstlerisch weiterzuentwickeln, und mindestens einmal im Leben ein Konzert in New York zu spielen.

„Es ist einer dieser Auftritte, von denen du träumst, und dann bist du da und kannst es gar nicht wirklich glauben“, sagt Grönemeyer - natürlich auch auf Englisch - als er es am Dienstagabend (Ortszeit) endlich auf eine Bühne in Manhattan geschafft hat. „Ein historischer Tag.“

Schon mehrfach hat sich der 56-Jährige in seiner jahrzehntelangen Karriere an englischsprachigen Alben versucht, aber alle sind mehr oder weniger gefloppt. Jetzt hat er seinen neuesten Versuch „I Walk“ auf den Markt gebracht und zwei Konzerte durchgesetzt, eins in Chicago, eins in New York. 1983 sei er zum ersten Mal in den USA gewesen, erzählt Grönemeyer beim Auftritt in Manhattan. „Und ich habe mich sofort in dieses Land verliebt: Dieser Platz, dieser Geist, diese positive Kindlichkeit. Alle sind einfach entspannter hier als in Deutschland.“

Aber Amerika will Grönemeyer noch nicht zurücklieben. In Chicago bleibt der Saal halbleer, in New York muss der Auftritt in einen kleineren Raum verlegt werden, weil nicht genügend Tickets verkauft wurden. Zwar ignorieren Grönemeyers US-Agenten jede Anfrage deutscher Medien, weil die Auftritte „hauptsächlich für ein amerikanisches Publikum gedacht seien“ - aber die Konzerte geraten dennoch weitgehend zu Klassentreffen von in den USA lebenden Deutschen.

Und die wollen nicht „Mr. Groenemeyer“, sondern ihren „Herbie“. Mit Deutschlandtrikots, Fußballschals und schwarz-rot-goldenen Fahnen aus Schminke im Gesicht füllen sie den etwa 1000 Menschen fassenden Saal in Manhattan und jubeln - allerdings hauptsächlich dann, wenn der wie häufig auf der Bühne ganz in schwarz gekleidete Grönemeyer auf Deutsch singt.

Der spielt seine neuen englischen Titel, rockt zu Cover-Versionen von Bruce Springsteen, Willie Nelson und Joe Cocker und tut so, als ob er die zahlreichen „auf Deutsch!“-Rufe nicht versteht. „Was? Ich habe so ein Ding im Ohr, ich höre nichts.“ Nein, der nächste Song sei nicht „Bochum“. „Das spielen wir später.“ Nach jedem englischen Titel, für den er Applaus bekommt, ballt Grönemeyer die Siegerfaust und strahlt. Ein Konzert als Missverständnis.

Es hilft alles nichts: Erst nach einer halb auf Deutsch, halb auf Englisch gesungenen „Alkohol“-Version stehen die Zuschauer von ihren Sitzen auf und als Grönemeyer nach fast zwei Stunden hauptsächlich englischer Titel zur Zugabe ansetzt, wird gefeiert. „Jetzt geht's los! Jetzt geht's los!“ Grönemeyer hat sich erweichen lassen, singt nun Klassiker wie „Bochum“ („Du bist keine Weltstadt, nicht so wie New York“), „Vollmond“ und „Der Weg“.

Es sei schade, dass er nicht noch mehr deutsche Lieder gespielt habe, sagt eine in New York lebende Deutsche später. „Auf Englisch kommt die Stimmung einfach nicht so rüber.“ Ihr aus dem Senegal stammender Mann ist dagegen begeistert von seinem ersten Grönemeyer-Konzert. „Ich fand alles toll, auch die englischen Lieder.“

Zwei extra aus Deutschland angereiste Fans schämen sich gar ein wenig für das Verhalten der anderen Zuschauer. „Man muss doch respektieren, dass Grönemeyer das so möchte. Und die englischen Lieder sind doch auch toll“, sagt die aus Braunschweig eingeflogene Vanessa. „Immerhin haben sie nicht gebuht und gepfiffen, das habe ich in London auch schon einmal erlebt“, sagt ihr Freund Fabian aus Nürnberg. „Ich fand das Konzert großartig. In so einem kleinen, intimen Rahmen sieht man Grönemeyer in Deutschland doch nie.“

Am Ende scheinen sowohl Star als auch Publikum einigermaßen versöhnt. „Das ist wirklich ein ganz besonderer Abend für mich. Später bei einem Bier werde ich dasitzen und nicht glauben, dass das alles passiert ist“, sagt Grönemeyer nach mehreren Zugaben und einer fast dreistündigen Show unter dem Jubel des Publikums. „Hoffentlich kann ich eines Tages zurückkommen. Bis zum nächsten Mal!“

dpa

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