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Jörg Kachelmann fordert von mehreren Medien Schmerzensgeld.

Nach Vergewaltigungsprozess

Kachelmann will Schmerzensgeld in Rekordhöhe

Köln - In der Schmerzensgeld-Klage des Fernsehmoderators Jörg Kachelmann gegen die „Bild“-Zeitung (Print und Online) hat das Landgericht Köln eine gütliche Einigung angeregt.

Der Vorsitzende Richter Dirk Eßer ließ durchblicken, dass die Kammer in einigen Fällen tatsächlich zu dem Schluss kommen könnte, dass „Bild“ das Persönlichkeitsrecht des Wetterexperten schwerwiegend verletzt habe. Eßer sagte ausdrücklich nichts zu der Summe, die das Gericht ihm an Geldentschädigung zusprechen würde. Aus seinem Vortrag war jedoch herauszuhören, dass es sich kaum um die von Kachelmann geforderten 2,2 Millionen Euro handeln dürfte.

Kachelmann war 2011 vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden. Er sieht sich durch die Prozess-Berichterstattung weiter Teile der Medien verleumdet. „Bild“ und die anderen Medien, die von ihm verklagt worden sind, weisen die Vorwürfe zurück. Falls sich Kachelmann und „Bild“ nicht einigen, will das Gericht am 24. Juni eine Entscheidung mitteilen.

Ein ähnliches Verfahren wie gegen „Bild“ hat Kachelmann gegen die Magazine „Bunte“ und „Focus“ angestrengt. Diese Verfahren wurden am Mittwoch aber auf einen anderen Termin verschoben.

Kachelmann (56) erschien selbst zu der Sitzung. Es gehe ihm unter anderem darum, was seine Kinder später einmal bei Google über ihn lesen würden, sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Medien hätten ihn in die berufliche Lage gebracht, in der er sich heute befinde. „Deswegen ist das für mich ein wichtiger Tag, und deswegen wollte ich da auch mit dabei sein.“

Insgesamt belaufen sich Kachelmanns Forderungen auf 3,25 Millionen Euro. Dies wäre nach Angaben des Gerichts die höchste Geldentschädigungssumme, die es jemals in einem solchen Verfahren gegeben hat. Weil „Bild“ bundesweit erscheint, konnte Kachelmann den Gerichtsstand frei wählen und entschied sich für Köln.

Der Fall Kachelmann - eine Chronologie

Der Fall Jörg Kachelmann war einer der spektakulärsten Strafprozesse der vergangenen Jahre - und auch nach dem Freispruch für den Moderator hören die juristischen Streitigkeiten nicht auf. Kachelmann sieht sein Persönlichkeitsrecht in schwerwiegender Weise verletzt.

Eine Chronologie des Falls:

9. Februar 2010: Die Radiomoderatorin Claudia D. ruft die Polizei an. Ihr Freund habe sie in der Nacht zuvor vergewaltigt. In der späteren Vernehmung sagt sie, um wen es sich handelt. Kachelmann fliegt am selben Tag nach Kanada, wo er als Wetterexperte von den Olympischen Spielen berichtet.

20. März 2010: Bei seiner Rückkehr wird Kachelmann am Frankfurter Flughafen festgenommen. Er kommt in Untersuchungshaft.

19. Mai 2010: Die Staatsanwaltschaft Mannheim erhebt Anklage wegen des Verdachts der Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall und gefährlicher Körperverletzung.

29. Juli 2010: Das Oberlandesgericht Karlsruhe hebt den Haftbefehl gegen Kachelmann auf. Es bestehe kein dringender Tatverdacht.

6. September 2010: Der Prozess vor dem Landgericht Mannheim beginnt.

13. September 2010: Die Staatsanwaltschaft verliest die Anklage. Demnach soll Kachelmann seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben.

9. März 2011: Kachelmann heiratet seine Freundin Miriam, eine Psychologie-Studentin.

31. Mai 2011: Das Gericht spricht Kachelmann frei - nach dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“.

9. Juni 2011: Kachelmann gibt der „Zeit“ ein Interview. Er betont, dass er unschuldig sei - und kündigt juristische Schritte gegen alle an, die etwas anderes behaupten.

8. Oktober 2012: Das Buch „Recht und Gerechtigkeit“ erscheint. Kachelmann hat es gemeinsam mit seiner Frau Miriam geschrieben. Sie berichten darin über ihre Sicht auf den Prozess.

dpa

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