Annett Louisan
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Sängerin Annett Louisan musste als Opfer eines Erpressungsversuchs vor Gericht als Zeugin aussagen.

Sängerin als Zeugin vor Gericht

Ex-Freund erpresste Annett Louisan - Geldstrafe

Hamburg - Mehr als zehn Jahre nach dem Schlussstrich steht Sängerin Annett Louisan ihrem Ex-Freund im Gericht gegenüber. Der 42-Jährige wollte Geld von der Sängerin erpressen.

Der 42-jährige Angeklagter und sein Anwalt.

Der Erpresser von Annett Louisan hat eine CD dabei: Auf dem Cover ein Bild der Sängerin, im Inneren eine Widmung mit seinem Namen. Laut liest der 42-Jährige die Worte vor: „Für dich würde ich meine Hand ins Feuer legen.“ Vor mehr als zehn Jahren führt er eine Beziehung mit der heute 38-Jährigen, nun wird er wegen versuchter Erpressung der Musikerin vom Hamburger Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt.

Vor dem Richter gibt er bei der Verhandlung zu die Wahl-Hamburgerin im April vergangenen Jahres bedroht und erpresst zu haben. Doch für seine Geldforderung hat er nach eigener Ansicht einen guten Grund gehabt: Als Berater und Co-Manager sei er maßgeblich am Erfolg der Sängerin beteiligt gewesen.

„Sie hat mich Anfang 2003 darum gebeten, ihr zu helfen - sie war verzweifelt, ihr Manager wollte abspringen“, sagt der Mann. Erfolglos habe sie Lieder auf Englisch gesungen, durch ihn sei sie auf deutsche Balladen umgeschwenkt. „Wir hatten einen mündlichen Vertrag über die Bezahlung“, sagt der 42-Jährige.

"Ich habe mich bedroht gefühlt"

Über Facebook fordert Mann, der inzwischen Hartz-IV-Empfänger ist, die Musikerin dazu auf, ihre gesamten Einkünfte von 2004 an aufzulisten und ihm 20 Prozent der Gesamtsumme zu überweise. Der Hintergrund: Mit ihrem ersten Album „Bohème“ gelang Louisan 2004 der Durchbruch. Für seine „Dienste“ habe er 20 000 bis 25 000 Euro verdient.

Außerdem drohte er, die „Schuld“ von Louisan auf eine „persönliche immaterielle Weise“ zu regeln, sollte sie der Forderung nicht nachkommen. Als der Richter ihn auf die nebulöse Drohung in seiner Nachricht anspricht, betont er immer wieder, dass es sich dabei um einen Bluff gehandelt habe. „Ich wollte meiner Forderung einfach nur Nachdruck verleihen“, sagt er. Deshalb habe er sich auch später per Facebook bei der Sängerin entschuldigt.

Louisan empfindet die Drohung nicht als Bluff. Sie nimmt die Warnung sehr ernst. Als Zeugin trifft sie nach Jahren zum ersten Mal wieder auf den Mann. Dunkel gekleidet nimmt sie in der Nähe ihres Erpressers Platz, ohne ihn einmal anzusehen. „Ich habe mich bedroht gefühlt - der Ton der Nachricht war voller Hass“, sagt die 38-Jährige. Sie habe Angst gehabt, dass ihr jemand etwas antue. Ihr Anwalt sitzt während der Aussage die ganze Zeit an ihrer Seite.

"Ich schulde ihm nichts"

Die Forderungen ihres ehemaligen Lebensgefährten bezeichnet sie als „absurd“. „Ich schulde ihm nichts“, sagte sie mit fester Stimme. Er habe ihr in Alltagsgesprächen Tipps und Ratschläge gegeben, aber mündliche Vereinbarungen über eine Bezahlung dafür habe es nicht gegeben.

Bereits 2005 hatte der 42-Jährige Geld von der Sängerin gefordert. Damals per E-Mail und ohne Drohung. Louisan räumt vor Gericht ein, 1000 Euro gezahlt zu haben. „Danach habe ich gesagt: Ruf mich nie wieder an“, sagt die Musikerin. Das sei ein Fehler gewesen, sagt sie.

Mit der Aussage gegen ihren Ex-Freund will die Künstlerin einen Schlussstrich unter das Kapitel ziehen. „Ich will nicht, dass das weitere zehn Jahre weitergeht“, sagt sie. Damals habe sie ihm vertraut, aber er sei seit Jahren nicht mehr Teil ihres Lebens.

Kurz vor dem Urteil verlässt Louisan das Gericht. Ihr Anwalt Olaf Meinking, der bei der Verkündung anwesend ist, sagt: „Wir glauben, dass die Angelegenheit damit beendet ist.“

Der 42-Jährige Erpresser will sich nach der Verhandlung nicht äußern. Er verlässt wortlos den Saal - mit seiner CD.

dpa

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