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Kann erstaunlich witzig sein: Russell Crowe.

Interview zu "The Nice Guys"

Russell Crowe: Peinlicher Lachkrampf auf der Bühne

Los Angeles - In "The Nice Guys" zeigt sich Russell Crowe von seiner extrem komischen Seite. Im Interview gibt er ungewohnt private Einblicke - und berichtet von einem äußerst peinlichen Lachkrampf.

Er ist zwar etwas grauer und breiter geworden als zu Gladiator-Zeiten, aber ein bisschen Rebell steckt noch immer in Russell Crowe. Als er zu unserem Interview im noblen Beverly Hills Hotel die Tür zu seiner Suite aufmacht, hat er eine qualmende Zigarette im Mundwinkel. Und das in Amerika, wo Rauchen in geschlossenen Räumen fast Todesstrafen-würdig ist. Der 52-Jährige zuckt nur mit den Schultern: „Tür ist doch zu. Also egal.“

Hatten Sie nicht vor einigen Jahren verkündet, dass Sie den Zigaretten abgeschworen haben?

Russell Crowe: Hatte ich auch. Und dann habe ich dem Abschwören abgeschworen (grinst und zieht noch einmal tief, ehe er seinen Stummel in einer Untertasse zerdrückt). Ich habe nämlich festgestellt, dass ich ohne Zigaretten schlechtere Entscheidungen treffe, weil ich mich ohne sie einfach nicht tief genug in Dinge hineindenken kann. Und Nikotinpflaster sind einfach kein Ersatz.

Wie lange haben Sie denn durchgehalten?

RC: Ganze vier Monate. Ich weiß noch, dass ich auf PR-Tour in New York war. Und nach vier Tagen mit Journalisten ging es nicht mehr. Ich habe gebrüllt „Gebt mir eine fucking Zigarette“.

Ist Rauchen Ihr größtes Laster?

RC: Mit Abstand. Ich trinke auch ganz gerne ab und zu, aber ich bin noch nie von Alkohol abhängig gewesen wie von Zigaretten. Ich brauch nicht jeden Tag einen Drink, wohl aber meine Kippen.

Crowe von seiner väterlichen Seite

In ihrem neuen Film „The Nice Guys“ lassen Sie Ihre väterliche Seite raushängen. Im wahren Leben sind Sie immer zurückhaltend, wenn es darum geht, etwas über das Verhältnis zu ihren Söhnen Charles und Tennyson zu sagen.

RC: Da muss ein bisschen aufpassen. Weil meine Ex-Frau sich immer total aufregt, wenn ich über meine Kids rede. Das ist total bescheuert, weil sie ein immens wichtiger Teil meines Lebens sind. Ich staune immer wieder, was sie mit 12 und 9 schon alles wissen. Unglaublich. Besonders was sie am Computer können.

Manche Eltern sehen ihre Kids mit Sorge am Computer.

RC: Ich auch. Weil sie viel zu früh im Leben erfahren, was für schlimme Dinge auf der Welt abgehen. Das ist nicht gesund. Wenn man etwas reifer und älter ist, kann man damit umgehen. Aber in so jungen Jahren besteht die Gefahr, dass man alles glaubt, was man online liest. Man kann den Glauben an das Gute verlieren. Und wenn dann auch noch Computerspiele für einen interessanter werden als eine Geschichtsstunde, dann ist das ein verdammtes Problem. Für unsere ganze Gesellschaft.

Wie gehen die Beiden mit Daddys Berühmtheit um?

RC: Sie bekommen mit, wie Leute mich auf der Strasse ansprechen und sich mit mir fotografieren lassen wollen. Mein Jüngster hat mich einmal darauf angesprochen, dass ich solche Bitten häufig abschlage: „Ich weiß, dass du das wegen mir und Charlie tust. Aber du machst eine Menge Leute traurig.“ Ich habe gefragt: „Soll ich das ändern?“ Von da an habe mich mit jedem fotografieren lassen, der darum gebeten hat. Am ersten Tag waren es 30, 40 Fotos. Am nächsten schon 50 oder 60. Da hat Tennyson zu mir gesagt „Dad, ich glaube wir müssen die Regelung wieder ändern“.

Schwierige Vorbild-Funktion

Sind Sie ein Vorbild für Ihre Boys?

RC: Ich bemühe mich. Es gibt einige Dinge, die man als Vater nicht tut. Obwohl ich von ihrer Mutter getrennt bin, tauche ich nicht plötzlich mit neuen Freundinnen vor ihnen auf oder mache ihre Mama schlecht.

Apropos. Es sah einmal so aus, als ob Sie die Scheidung abblasen würden.

RC: Wir sind jetzt seit 4 Jahren auseinander und machen nur einmal im Jahr Ferien als Familie. Und damit hat es sich.

Ihre eigenen Eltern sind seit 55 Jahren verheiratet.

RC: Was nicht heißt, dass sie erwarten, dass anderen dasselbe Glück beschert ist. Trotzdem sind meine Eltern moralische Vorbilder für mich. Sie haben nie anderen gepredigt, wie sie leben sollten. Ihr Motto ist „Jeder sollte das machen, was in glücklich macht“. Das habe ich von ihnen übernommen.

Peinlicher Lachkrampf auf der Bühne

Verstehen Sie Spaß?

RC: Ich bin jetzt keiner, der ständig Witze reißt. Aber ich kann schon mal herzhaft lachen. Manchmal leider an der falschen Stelle. Gott, ich erinnere mich da an eine Situation, wo ich Theater gespielt habe... Aber egal.

Moment, das müssen Sie jetzt aber erzählen.

RC: Na gut. Es war vor einigen Jahren in Australien. Ich stand auf der Bühne und eine Frau in der ersten Reihe hat mitten im Stück einen Herzinfarkt erlitten. Sie wurde rausgetragen und ins Krankenhaus gebracht. Nach einer Unterbrechung ging es dann weiter. Und mein nächster Satz war ausgerechnet: „Ich kann von hier den Friedhof sehen.“ Ich konnte mich nicht beherrschen und habe einen Lachkrampf bekommen. Das Publikum war geschockt. Totenstille. Das hat mich dann noch mehr zum Lachen gebracht. Echt peinlich.

Ihr Co-Star Ryan Gosling ist für seinen trockenen Humor bekannt.

RC: Dieser kleine Arsch hatte es sich zur Aufgabe gemacht, mich mit seinen Sprüchen vor der Kamera zum Lachen zu bringen. Er hat leider genau gewusst, was ich witzig finde. Ich habe beim Dreh mehr Lach-Attacken bekommen als in meinen 26 Jahren als Schauspieler zusammen.

Neben dem Schauspiel haben Sie Ihre Musik. Treten Sie immer noch mit Ihrer Band auf?

RC: Ja und wir haben auch ein Album. Aber wenn wir spielen, dann sehen wir das nicht als Konzert. Wir nennen es „Indoor Gartenparty“.

Christian Thiele / Karen Martin

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