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"Ich fand das Drehbuch gut, die Figuren sind bestens ausgearbeitet und ich verstehe mich sehr gut mit dem Regisseur": Harrison Ford (r.) spielt im neuen Star-Wars-Film noch einmal die Rolle des Han Solo. Dierk Sindermann hat ihn zum Interview getroffen.

Vor "Star Wars"-Premiere

Harrison Ford im Interview: "Han Solo ist der Alte - nur besser"

Los Angeles - Vor 32 Jahren wollte Harrison Ford eigentlich, dass Star-Wars-Regisseur George Lucas seinen Charakter Han Solo sterben lässt. Jetzt spielt er ihn nochmal in Episode 7, "Das Erwachen der Macht" - und verrät im Interview, warum er keine Sekunde gezögert hat, die Rolle anzunehmen.

Update vom 12. August 2016: Auf "Star Wars"-Fans wartet ein neuer Film, der im Dezember in die Kinos kommen soll. Zeitlich spielt er vor Episode IV und soll einige offene Fragen zur Vorgeschichte der Star-Wars-Saga klären. Der neue Trailer enthüllt nun: Darth Vader ist im neuen Film "Star Wars: Rogue One" wieder dabei. Vielleicht auch ein junger Han Solo?

Er wirkt geistesabwesend, fast ein bisschen mürrisch. Aber davon darf man sich bei Harrison Ford nicht täuschen lassen. Der Mann hat Humor. Als wir uns zum Interview treffen, wird "Star Wars – Das Erwachen der Macht" zehn Tage vor der Premiere wie ein Staatsgeheimnis gehütet. "Hi Harrison, ich habe den Film noch nicht gesehen." Leises Lächeln: "Soll ich Ihnen meinen Part vorspielen?" -"Was spielen Sie noch mal? Hans..." - "...Yo Yo."

Mal im Ernst. Warum haben Sie sich entschieden, nach 32 Jahren noch mal die Rolle von Han Solo zu übernehmen? Geld brauchen Sie ja nicht.

Das sagen Sie. Ich sehe das anders (lacht). Ich habe es aus dem einzigen Grund getan, aus dem ich Rollen annehme: Weil ich sie wollte. Ich fand das Drehbuch gut, die Figuren sind bestens ausgearbeitet und ich verstehe mich sehr gut mit dem Regisseur.

Und Sie haben sofort zugesagt?

Klar. Ich war arbeitslos und hatte nichts im Terminkalender. Warum hätte ich zögern sollen.

Weil Sie von George Lucas einst gefordert haben, dass er Han Solo um die Ecke bringt!

Dieses Statement habe ich vor einem Vierteljahrhundert gemacht. Ich fand einfach, dass es glaubwürdiger gewesen wäre, wenn Han Solo nicht überlebt hätte. Ich wollte mich opfern. Als großer Ansporn für die Jedi-Ritter, gegen das Imperium ins Feld zu ziehen.

Harrison Ford: "So viel Fun, wieder mit Carrie und Mark vereint zu sein"

Was ist mit dem Kostüm von damals? Haben Sie es aufgehoben?

Ja. Es hängt ganz hinten im Schrank. Als ich es rausgeholt habe, dachte ich "Wow, das sieht ja richtig gut aus".

Wie hat es sich angefühlt, zurück an einem "Star Wars"-Set zu sein?

Ich war so glücklich, als ich ankam und meinen Namen an der Garderobentür sah. Es war so viel Fun, wieder mit Carrie (Fisher) und Mark (Hamill) vereint zu sein. Ich hatte die Möglichkeit eingeplant, dass sich das ganze Projekt als blödsinnig entpuppt. Doch das hat es nicht. Es hat unheimlich Spaß gemacht.

Hat sich Han Solo verändert oder ist er noch der selbe zynische Träumer aus jungen Jahren?

Er hat die selben Charakterzüge wie früher, aber es sind im Laufe der Jahre noch ein paar andere dazu gekommen. Er ist mit der Erfahrung im Leben reifer geworden. So wie ich auch. Deshalb konnte ich mich auch wieder so gut in ihn hinein versetzen. Han Solo ist der Alte. Nur besser im Alter.

Fühlen Sie den Erfolgsdruck, der mit einem so großen Film verbunden ist.

Druck? Ach ja (gähnt).

Ist Ihr Sohn Liam eigentlich ein "Star Wars"-Fan?

Nein, nicht wirklich. Er ist 14, steht aber mehr auf Detektivfilme wie Hercule Poirot oder Sherlock Holmes. Science Fiction ist nicht sein Ding. Ich werde ihn und meine älteren Kinder aber trotzdem mit zur Premiere nehmen, weil es ein echt guter Film ist, den sie alle sehr genießen werden.

Weihnachten steht vor der Tür…

...erinnern Sie mich nicht daran. Ich habe durch die PR-Tournee für "Star Wars" noch keine Zeit gehabt, Geschenke zu kaufen. Das werde ich frühestens am 19. Dezember schaffen. Das wird eng.

Harrison Ford: "Wünsche mir eine große Kiste mit Extra-Zeit"

Wie wird im Hause Flockhart-Ford Weihnachten gefeiert?

Mit einem großen Familienfest. Alle Kids kommen mit ihren Familien. Es ist eine wundervolle Zeit, weil wir alle zusammen sind.

Was wünschen Sie sich eigentlich?

Eine große Kiste mit Extra-Zeit im Leben.

Für was?

Zeit haben, um mehr zu reisen. Ich würde auch gerne mehr Zeit zu Hause verbringen. Ich würde gerne mehr Zeit mit meinen Kindern und Enkeln verbringen und mehr Zeit auf meiner Ranch in Wyoming. Und dann möchte ich noch gerne öfter Flugzeuge fliegen. Vor allem solche, die ich bislang noch nicht geflogen bin.

Sie fliegen also nach ihrem schweren Unfall immer noch?

Was heißt fliegen, ich bevorzuge Abstürze (lacht). Natürlich fliege ich immer noch. Ich bin vielleicht dumm, aber der Absturz hat nichts an meiner Leidenschaft geändert. Ich habe mich der nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sofort wieder in meinen Hubschrauber gesetzt. Ich hatte sogar noch mein rechtes Bein in Gips, aber die Zehen guckten heraus. So konnte ich die Pedale bedienen.

Und ihre Frau Calista hat Sie so einfach wieder ins Cockpit gelassen?

Sie unterstützt mich total. Sie weiß, wie viel mir die Fliegerei bedeutet.

In "Star Wars" kämpfen Sie um fremde Planeten in weit entfernten Solarsystemen. Privat setzten Sie sich für unsere Erde und den Schutz der Umwelt ein. Wer ist der größte Bösewicht, der das Überleben unseres Planeten bedroht?

Wir alle sind schuldig. Es nützt nichts, mit dem Finger auf eine bestimmte Person zu zeigen. Es liegt an uns allen, das zu schützen, was die Natur uns zum Nulltarif liefert. Frische Luft, sauberes Wasser, Wälder und Wiesen, Fische im Meer, Tiere. Viele verstehen einfach nicht den Wert der Natur, die uns auf der Erde überleben lässt. Daher müssen wir uns endlich zusammen tun und im Kampf gegen den Klimawandel an einem Strang ziehen.

Harrison Ford: "Wir brauchen Pragmatismus"

Wie schlimm steht es um unsere Welt?

Wenn ich morgens die Zeitung aufschlage und über die Gewalt und Ungerechtigkeiten lese, dann habe ich echt Angst. Wir müssen es einfach schaffen, die richtigen Politiker zu finden, die uns vereinen und uns nicht weiter mit perfiden Populismus entzweien. Mit Ideologie kann man keine Probleme lösen, wir brauchen Pragmatismus.

Mit Indiana Jones und Han Solo haben Sie gleich zwei der berühmtesten Helden der Filmgeschichte gespielt. Was haben die beiden gemeinsam?

Sie sehen beide sehr gut aus (grinst breit). Sie haben beide einen rebellischen Zug, sind zynisch, neigen zur Ironie und passen beide nicht in die Norm. Sehr sympathisch.

Da wir schon bei Selbstbetrachtung sind. Sie kommen immer so gelassen daher. Werden Sie eigentlich nie wütend?

Nie.

Wirklich nie?

So gut wie nie. Es bringt doch nichts.

Das Interview führte Dierk Sindermann.

Lesen Sie außerdem zum neuen Star-Wars-Film:

"Star Wars 7": Fakten und Gerüchte zu "The Force Awakens"

So sehen die Star-Wars-Darsteller heute aus

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