+
US-Schauspieler Will Smith bei der Europa-Premiere seines Films "Suicide Squad" in London. 

US-Schauspieler im tz-Interview

Will Smith: "Mein größter Antrieb ist es, wenn andere an mir zweifeln"

Will Smith kann auch anders: In seinem neuen Film spielt der Mann mit dem verschmitzten Lächeln einen brutalen Killer. Im Interview zeigt er sich gefühlvoll- und spricht über den US-Wahlkampf, Glück und die Schattenseiten des Ruhms.

Egal ob als Prinz ("von Bel-Air"), Geheimagent ("Men in Black") oder sogar Trickbetrüger ("Focus") - immer erobertWill Smith die Fans mit Charme und Schlitzohrigkeit. Mal sehen, was jetzt passiert. In seinem neuen Film "Suicide Squad" ist der Held der Herzen ein gnadenloser Killer. Dessen Name alles sagt: "Deadshot." 

War das eine Umstellung für Sie? 

Will Smith: Und wie. Ich habe noch nie einen Bösewicht gespielt. Als ich mich in "Deadshot" hineinversetzen wollte, da klappte das nicht. Ich konnte nicht verstehen, wie jemand für Geld Leute umlegt. 

Offenbar hat es aber dann doch bei Ihnen geklickt.

Smith: Weil der Regisseur mir das Buch "Anatomie eines Motivs" zu lesen gegeben hat. Darin geht es um Serienmörder. Und die erste Zeile lautet "Warum hat er es getan?". Die Antwort ist: Menschen tun etwas, weil sie sich danach besser fühlen, als wenn sie es nicht getan hätten. Und niemand hält sich deswegen für böse. Egal wie schlimm die Tat ist, der Killer denkt, dass er das Richtige getan hat. 

Ist es eigentlich schwer als Schauspieler zum Comicbuch-Charakter zu werden mit all den Special Effects, die hinterher eingebaut werden müssen? 

Smith: Sie werden lachen, aber der Regisseur David Ayer ist kein großer Freund von Special Effects. Er dreht so realistisch wie möglich. In einer Kampfszene hingen ungelogen 80 Leute von Drahtseilen und hat auch echte Explosionen eingebaut. Ich glaube, das man so einfach authentischere Emotionen hervorruft. 

Was halten Ihre Kinder von ihrem Mords-Daddy? 

Smith: Sie werden lachen, das Wortspiel passt. Meine beiden Söhne haben den Film gesehen und waren begeistert. Mein ältester, Trey, hat gesagt "Alter, hör auf mit der Schauspielerei. Du kannst im Leben keine Rolle mehr kriegen, in der du so cool bist".

Und der Grund dafür ist? 

Smith: Seine Tochter. "Deadshot" will mit der Welt abrechnen, weil sie ihn schlecht behandelt hat. Alle Menschen sollen dafür büßen. Dann tritt ein kleines Mädchen in sein Leben und hält ihn davon ab. 

Auch Sie haben eine Tochter... 

Smith: ... die mich beeinflusst hat. Vor langer Zeit war es mein Ziel, der größte Filmstar der Welt zu werden. Dafür habe ich Zeit und Kraft geopfert. Dann kam Willow auf die Welt und ich konnte mich nicht mehr so in die Arbeit hineinknien. Ich musste Filme ablehnen. 

Zum Beispiel? 

Smith: „Django“. Ich war ernsthaft an der Rolle interessiert. Dann sagte Willow "Aber Daddy, dann musst du crazy spielen. Und du wirst für lange Zeit crazy sein." Und so wurde Jamie Foxx "Django". Mittlerweile ist Willow 15. 

Wie geht man als Vater mit einer Tochter im Teenie-Alter um? 

Smith: (lacht): Man sollte einen Teenager als Heimsuchung ansehen. Wenn man sich mit anderen Eltern unterhält, dann heißt es "Was, du hast einen Teenager. Mann, tust du mir leid". Es gibt nichts Schwierigeres als Eltern einer 15-Jährigen zu sein. Jeden Tag geht die Welt unter. 

Was viele Leute voraussagen, wenn Donald Trump Präsident wird.  

Smith: Das wird nicht passieren. Ich glaube an Amerika. Furcht ist die stärkste Antriebskraft. Aber wenn ein Volks Angst hat, verliert es seine Moral. Ein Oberhaupt muss besonnen sein, die Menschen beruhigen. 

Sie spielen - um im Bilde zu bleiben - seit 30 Jahren eine Oberhaupt-Rolle in Hollywood. Wie bleibt man so lange oben? 

Smith: Mein großer Antrieb war es stets, wenn andere an mir gezweifelt haben. Ich brauche das, um alles aus mir herausholen zu können. Ich habe mich immer weiter gepuscht, bis ich an meine Grenzen gestoßen bin. Deshalb habe ich vor vier Jahren auch eine längere Auszeit genommen. 

Welche Grenzen waren das?

Smith: Man kann keine Rolle spielen, die tiefer ist als man selbst. Für mich war es deshalb wichtig, mich persönlich weiter zu entwickeln, mich weiter zu ergründen. Das habe ich mit Hilfe meiner Familie und meiner Freunde geschafft. 

Was weiß der tiefgründigere Will Smith heute, was er vor ein paar Jahren noch nicht wusste? 

Smith: Dass ein Hit an der Kinokasse nicht glücklich macht. Ebenso wenig wie tolle Klamotten oder ein guter Körper. Das einzige, was dich je glücklich machen kann, ist die Fähigkeit, liebevolle Beziehungen zu schaffen. Früher ging es mir um meine Leistung. Heute geht es um Menschen. Ich stelle mir die Frage "Kann dieser Film das Leben von jemand anders verbessern?". Und wenn man sich diese Frage nicht beantworten kann, dann sollte man die Finger davon lassen. 

Wie sehen das Ihre Kinder, die ebenfalls im Rampenlicht stehen?

Smith: Sie sind durch ihre Erziehung abgehärtet. Ich weiß, es klingt komisch, wenn ich das als Elternteil sage. Aber ich wollte von Anfang an, dass sie so viel wie möglich traumatische Erfahrungen mit öffentlichen Anfeindungen machen, ohne dass sie daran zerbrechen. Die Welt ist hart und wir brauchen einfach das Selbstbewusstsein, um bestehen zu können. 

Und können sie das?

Smith: Willow tut ihr Bestes, dass Dinge ihr nicht zu nahe gehen. Trey musste eigentlich sehr wenig einstecken, im Gegensatz zu meinem jüngeren Sohn Jaden. Doch der kommt damit am Besten zurecht. Er fühlt sich total wohl in seiner Haut. Ich bewundere ihn, dass er sich von der Meinung andere nie abhalten lässt, sein eigenes Ding zu machen. 

Welche Superpower würden Sie sich wünschen zu haben? 

Smith: Ich habe bereits eine. Ein Super-Mitgefühl für andere. Ich habe eine besondere Antenne dafür, wie sich andere Menschen fühlen.

Das Gespräch führte Dierk Sindermann 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Weihnachtspulli-Trend kommt nach Deutschland

Elegant und festlich sind sie nicht, trotzdem tragen auch in Deutschland immer mehr Menschen Weihnachtspullover. In den USA ist der "Ugly Christmas Sweater" Kult - sogar …
Weihnachtspulli-Trend kommt nach Deutschland

Bob Dylan bedankt sich für seinen Nobelpreis

Los Angeles - Musikikone Bob Dylan wird seinen Literaturnobelpreis am Samstag nicht persönlich entgegennehmen, aber er hat zumindest vor, sich zu bedanken.
Bob Dylan bedankt sich für seinen Nobelpreis

Ina Müller präsentiert ihre Lieblingshits im Radio

Köln - Die Sängerin und Fernsehmoderatorin Ina Müller (51) setzt sich für den Radiosender WDR 4 hinter das Mikrofon.
Ina Müller präsentiert ihre Lieblingshits im Radio

Sarah Lombardi nackt im „Playboy“?

München - Räkelt sich Sarah Lombardi bald nackt im Playboy? Offenbar liegt der 24-Jährigen wenige Wochen nach der Trennung von Pietro ein Angebot vom Männermagazin vor.
Sarah Lombardi nackt im „Playboy“?

Kommentare