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02.09.2010

Leserbriefe

 

Toleranz beruht auf Gleichwertigkeit
„Später Triumph der Toleranz“, Nr. 33 (19.8.)

 

Sehr gelungen finde ich die Bestandsaufnahme von Matthias Gierth des Verhältnisses zwischen den westlichen Mehrheitsbevölkerungen und den eingewanderten Muslimen. Nicht nachvollziehen kann ich dagegen die Schlüsse, die er daraus in seinem Leitartikel zieht. Wie kann er bei seiner Empfehlung darüber hinwegsehen, dass der Bau einer Moschee auf Ground Zero tatsächlich erst die Vollendung des blutigen Anschlags vom 11. September wäre? Anstelle der weltbekannten Symbole des Kapitalismus – aber auch der westlichen Freiheit – würde sich dann eine Moschee mit ihren Minaretten in den New Yorker Himmel erheben. Den muslimischen Mördern um Mohammed Atta hätte das sicher gut gefallen. Auch der geplante Name „Cordoba“ ließe sich leicht anders interpretieren, nämlich als Programm einer muslimischen Reconquista, wenn auch noch nicht in Spanien. Unverständlich finde ich darüber hinaus, dass in diesem Zusammenhang immer wieder das beliebte Märchen von der angeblichen Toleranz im spanischen Kalifat angeführt wird. Toleranz beruht stets auf einer Gleichwertigkeit. Die hat es aber in keinem islamischen Staat je gegeben. Christen und Juden sind dort bis heute Bürger zweiter Klasse, wie der Autor selbst erwähnt.
Dr. Klaus-Jürgen Bremm, 49088 Osnabrück

 

Der Widerstand gegen das Cordoba-Zentrum in der Nähe der Türme des 11. September in Amerika hat mehrere Ursachen. Schon die Benennung „Cordoba“ ist doppelsinnig. Das historische Córdoba steht für die fruchtbare kulturelle Begegnung von Christentum, Judentum, Islam. Das heutige Córdoba kämpft unter anderem gegen die Islamisierung durch Häusererwerb und Ansiedlung. Dies kann dort der Beginn einer Entwicklung sein, die im heutigen Libanon schon weit fortgeschritten ist. Viele libanesische Christen haben deshalb ihr Land Richtung Amerika verlassen. Man sollte Verständnis dafür haben, dass viele Amerikaner eine entsprechende Entwicklung im Land der Freiheit nicht wollen.
Professor Dr. Friedrich Moll, 55127 Mainz

 

Im ersten Teil seines Artikels belegt Matthias Gierth den „weltlichen Herrschaftsanspruch“ des Islam sehr eindrucksvoll und weist darauf hin, dass „der Islam diesen Herrschaftsanspruch nie überzeugend abgelegt hat, es in den USA und andernorts vielfach am eindeutigen Engagement von Muslimen für Staat und Gesellschaft fehlt und es am lautstarken Protest gegen die zahllosen Unmenschlichkeiten und Terrorakte im Namen Allahs mangelt“. Völlig unverständlich ist es daher, dass der Autor den Bau des muslimischen Gemeindezentrums „Cordoba House“ in unmittelbarer Nähe von Ground Zero verteidigt, der angesichts des im Namen Allahs begangenen Massenmordes an fast 3000 unschuldigen Zivilisten eine ungeheuerliche Provokation ist. Gierths Begründung: „Ein Erfolg der Baugegner böte den Islamisten eine Steilvorlage: Sie warten nur darauf, das wahre Gesicht des gottlosen Westens, der angeblich den Islam bekämpft, zu entlarven und für ihre Propaganda zu nutzen.“ Diese Haltung ist typisch für unsere westliche Gesellschaft, die offenbar unfähig ist, ihre Werte und ihr Selbstbewusstsein gegenüber einer Religionsgemeinschaft durchzusetzen, die seit ihrer Gründung auf die Beseitigung aller Nicht-Muslime, der Ungläubigen, ausgerichtet ist. Während „der gottlose Westen“ bis zur Selbstverleugnung Toleranz gegenüber diesem Islam praktiziert, dürfen Christen in islamischen Ländern keine Kirchen bauen oder werden sogar physisch verfolgt. Erst wenn der Islam den Nachweis erbringt, dass er weltweit tatsächlich Toleranz gegenüber allen (!) gesellschaftlichen Gruppen, wie zum Beispiel Christen, muslimischen Frauen, übt, kann über den Bau von Moscheen in westlichen Ländern nachgedacht werden – in der Hoffnung, dass diese nicht wieder als Keimzellen für Terroristen missbraucht werden.
Nikolaus Schuck, 49082 Osnabrück

 

Warum fehlt es den Muslimen nicht nur in den USA, sondern auch in Europa an bürgerschaftlichem Engagement für Staat und Gesellschaft? Als Lehrer, der viele muslimische Schüler zu unterrichten hat, habe ich nicht mit gutsituierten Muslimen zu tun, sondern mit der sogenannten Unterschicht. Eltern wollen/sollen nicht Deutsch lernen; man tut, was der Imam sagt. Integration ist so fast unmöglich.
Günter Ziegler, 78628 Rottweil

 

Mir fällt auf, dass Sie sich verstärkt für muslimisches Recht und Toleranz einsetzen. Obwohl Sie erkennen, dass Muslime einen Körperschaftsstatus wohl nicht erreichen können, Moscheebauten weiterhin als ihre Kasernen ansehen, Christenverfolgungen in ihren Ländern gleichgültig dulden und es ihnen an bürgerschaftlichem Engagement fehlt, wollen Sie ihnen den Weg nach Deutschland in vorauseilendem Gehorsam doch ebnen und es ihnen gemütlich machen. Das ist nicht unsere Aufgabe; es wird auch nie erfolgreich sein, da der Koran es seinen Gläubigen nicht erlaubt, mit Christen an einem Tisch zu sitzen. Ein bürgerschaftliches Engagement, wie Kritik an Selbstmordattentaten, Ehrenmorden oder am Koran, verbietet sich ihnen schon allein durch mögliche Repressalien der vielen Mullahs und Imame.
Gerhart Schwarthoff, 58579 Schalksmühle

 

Priester werden zu Schauspielern
„Die Jungen wollen sich unterwerfen“, Nr. 32 (12.8.)

 

Das Interview mit Paul Michael Zulehner über die Einstellungen katholischer Priester ist sehr aufschlussreich, für mich als Katholik zugleich aber auch ernüchternd und desillusionierend. Was den Zölibat und dessen konsequente Beachtung durch den Klerus betrifft, so hört man zwar des Öfteren gerüchteweise oder durch öffentliches Eingeständnis, dass Priester eine Beziehung unterhalten. Die Dimension, wie sie jetzt in der Studie von Zulehner offengelegt wird, übertrifft allerdings meine Einschätzung deutlich. Es ist fürwahr bedrückend, zu erfahren, dass ein nicht unerheblicher Prozentsatz der Priester bekennt, dass sie eine Beziehung entweder zu einer Freundin oder zu einem Freund haben. Es geht mir nicht darum, nicht zölibatär lebende Priester moralisch zu verurteilen oder gar zu diffamieren. Was ich allerdings erwarte, ist Glaubwürdigkeit, Geradlinigkeit und konsequentes Handeln. Der Wunsch nach Abschaffung des Zölibats ist legitim, jedoch er existiert noch. Insofern darf man erwarten, dass Priester diese Lebensform zu einem Grundpfeiler ihrer „Verantwortlichkeit“ machen. Ein Priester, der nicht in Übereinstimmung mit den von ihm selbst und freiwillig gewählten Regeln lebt und im Gottesdienst fromme Sprüche klopft, ist für mich nicht mehr als ein Schauspieler. Das Image der Kirche ist durch die Missbrauchsfälle schon genug ramponiert. Es wird höchste Zeit, dass sie durch Priester, die durch ihr beispielhaftes Leben und ihr Engagement überzeugen und die auch das tun, was sie sagen, positive Schlagzeilen macht.
Peter Weber, 51519 Odenthal

 

Nach welchen Kriterien wurden die 500 Priester in der Befragung von Zulehner ausgewählt? Könnte die Gruppe derer, die geantwortet haben, die statistische Relevanz der Daten gegenüber der Gesamtgruppe inklusive derer, die nicht geantwortet haben, nicht auch verfälschen? Schließlich steht der Name Zulehner durchaus für eine bestimmte Richtung! Störend sind die Kampfvokabeln des Professor emeritus. Warum wollen sich alle, die nicht die sich zunehmend totalitär gebärdende innerweltliche Logik auch in Gänze auf die Kirche angewendet sehen möchten, „unterwerfen“? Kennt Zulehner nicht den biblisch-christlichen Grundgegensatz von Rebellion und Gehorsam, der diesen Zugang vom prächristlich-antiken unterscheidet, der den Menschen zwischen Vernunft und Leidenschaften kämpfen sah? Ist es nicht Zeichen eines Lebens nach dem Sündenfall, „Gehorsam“ stets als ängstlich, langweilig und eben als „Unterwerfung“ zu interpretieren, als unterwürfen wir uns nicht auch den Naturgesetzen, weil es sinnvoller ist, als darauf zu hoffen, dass Steine von unten nach oben fallen! Untheologisch gesprochen: Wenn das Gute aus sich heraus als das, was sein soll, einleuchtet, ist es doch keine Unterwerfung, sondern wesentlich auch ein Akt der Vernunft, dieses Gute zu tun.

 

Ich selbst habe kürzlich in Altötting ein Treffen der Gemeinschaft Emmanuel besucht. Die dortigen Priester, die sich um 1800 Teilnehmer kümmerten, huldigten keinem „klerikalen Priesterbild“, sondern hörten bis Mitternacht auf den Wiesen die Beichten auch vieler junger Leute. Laien und Priester beteten miteinander, füreinander und feierten gemeinsam ihren Glauben. Und das in denkbar katholischer Weise: eucharistisch, anbetend, lebensfroh und mit gehaltvollen neuen geistlichen Liedern! Wie gut täte es der Kirche, wenn die Generation der Kampf-68er sich endlich einmal ihrem Ruhestand widmen würde und nicht auch noch die heutige Generation mit ihren Ideen zu infiltrieren versuchte, die mit ihren Thesen à la „Wir sind Kirche“ die Lebens- und Glaubenswirklichkeit der aktiven Jungen längst nicht mehr treffen!
Josef Zellner, 83700 Rottach-Egern

 

Verkehrsminister ohne Einblick
„Der tiefe Graben“, Nr. 33 (19.8.)

 

Es ist ja schön, dass Sie beim Streit um das Projekt Stuttgart 21 beide Seiten zu Wort kommen lassen. Das haben seit Jahren nur wenige Medien hier in Stuttgart getan und stattdessen die Propaganda der Macher von S 21 nachgebetet. Als Gegner des Projekts möchte ich anmerken, dass es in einem demokratischen Staat nicht angehen kann, dass solche Projekte im Hinterzimmer ausgehandelt und unterschrieben werden, ohne dass die demokratischen Gremien Einblick in die Kosten bekommen. Nicht einmal der Bundesverkehrsminister bekommt Einblick in die Planungen der Bahn.
Heiko Hellwig, 70180 Stuttgart

 

Die Stuttgarter haben schon viel geschafft: die Stadt aus den Ruinen geholt, unermüdlich zerbombte Gleise der Bahn schnell betriebsbereit gemacht, die Straßenbahn mit großen Höhenunterschieden und einfachster Technik mit Unterführungen modernisiert. Mit einem Wort: ein für technisch Neues überaus aufgeschlossenes Volk. Und nun das. Es ist eigentlich kein Wunder. Denn die gleichen Menschen sind Wanderfans, die man sonst suchen kann. Vertraut mit Stock und Stein, wieder hoch oben barfuß über die Wiesen der Schwäbischen Alb, von klein auf vertraut mit Felsen, einer Unmenge von heißen Quellen, Höhlen und Erderschütterungen und mit großem Respekt vor dem, was die Natur als Unvorhergesehenes bereithält. Die schwäbische Eisenbahn zwischen Stuttgart, Ulm, Biberach und Bodensee beglückte von Anfang an die Streckenanwohner mit Beben eigener Art: Bei jedem vorbeifahrenden Zug knackst es im Gebälk. Was wird erst der schwäbische Jura dröhnen, wenn schon beim Autobahnbau die Natur unvorhergesehene Streiche spielte? Weil die Summe aller Fachdisziplinen noch kein Ganzes ausmacht! Es könnte sein, dass die Vielfalt der Landschaft dazu beigetragen hat, dass sich die Denkfähigkeit der Bewohner noch am längsten erhalten hat – aufbauend auf dem Fundament, das Dichter und Denker in dieser Gegend Europas gelegt haben.
Dr. Gisela von Canal, 89075 Ulm

 

Bobby wurde überfahren
„Welche Serie bist du?“, Nr. 32 (12.8.)

 

Ein wunderbarer Artikel! Tatsächlich können Serien süchtig machen. Angefangen hat es bei mir mit den Cliffhangern von „Dallas“. Daher: Bobby wurde nicht in der Dusche ermordet, sondern überfahren! Und tauchte dann ein halbes Jahr später unter der Dusche wieder auf. Unverzeihlich von den Regisseuren.
Sabine Kaufmann, 28215 Bremen

 

Leben als Gottesdienst
„Rom sieht Seifenblasen“, Nr. 32 (12.8.)

 

Natürlich ist der Messdiener für die Zeremonien in der Kirche sehr brauchbar. Ist dies deshalb Gottesdienst? Wir brauchen eine Jugend, die ihr Leben als Gottesdienst einrichtet, da reicht allein der „Kirchendienst“ nicht. Ich war selbst einmal heißblütiger Ministrant. Aber mein Leben für Christus musste ich auf ganz anderem Wege erfahren.
Alois Himml, 52152 Simmerath


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