"Fuck Marvel"

"Suicide Squad": Wenn Böse gegen Böse kämpfen

Scheinprovokantes, damit die Kassen klingeln: „Suicide Squad“ hat ordentlich die Werbetrommel gerührt, doch der Film wird dem Aufwand kaum gerecht.

„Fuck Marvel!“, hat David Ayer bei der Premiere des Films gerufen – und sich nachher auf Twitter entschuldigt. Das beschreibt das Phänomen „Suicide Squad“ besser als alles, was auf der Leinwand zu sehen ist: Es ist ein scheinprovokantes Studio-Strategiepapier plus Online-Kampagne – das pflichtschuldig noch einen (im weiteren Sinne) Film mitschleift. „Suicide Squad“ ist der Versuchsballon von Warner/ DC, die Tragfähigkeit seiner Comic-Rechte auch jenseits von Bat- und Superman für ein lukratives Franchise-Universum à la Disney/ Marvel auszubeuten.

Kein Hauch von Gruppendynamik

Die Titel-Squadron ist eine Elite-Einheit aus Bösewichten der B-Klasse, die von Geheimdienst und Militär genötigt werden, gegen das noch Bösere (Cara Delevingne) zu kämpfen. Als da wären Deadshot (Will Smith), Harley Quinn (Margot Robbie), El Diablo, Captain Boomerang, Killer Croc, Katana und so weiter. Wohlgemerkt: Bösewichte! Man muss das betonen, denn dem Film ist das Bemühen, den Figuren auch Raum zur Läuterung zu geben, aus dem Ruder gelaufen.

Von der katalogartigen Exposition abgesehen, handelt er von nichts als Dienern des (unhinterfragten) US-Staats, die alle nur von Ehe und Familienglück träumen. Von Gruppendynamik spürt man dabei keinen Hauch. Und verständlich der Drang des Films, seine Charaktere mit Tattoos, Logos und Accessoires zu beschriften: Anders schafft er es kaum, etwas über sie zu erzählen.

Zufällige Aneinanderreihung unverbundener Szenen

Nicht zuletzt wegen des Debakels von „Batman v Superman“ hat bei „Suicide Squad“ das Studio seine eigene Schnittfassung antreten lassen gegen die des Regisseurs (der einst ordentliche Polizei-Filme drehte wie „End of Watch“). Der fertige, faule Kompromiss? Nun, es passiert doch in Slapstick-Filmen gern, dass jemand eine Skulptur umstößt und die Scherben irgendwie zusammenleimt, hoffend, dass es niemand merkt. Über weite Strecken wirkt der Film genau so, wie eine zufällige (verblüffend statische) Aneinanderreihung von unverbundenen Sätzen, Einstellungen, Szenen, zu der im Nebenzimmer die CD von „Bravo präsentiert: Die 20 abgenudeltsten Soundtrack-Pophits!“ spielt.

Nachdem seit Monaten Jared Leto seine Co-Stars und die Internet-Öffentlichkeit nervt, wie verrückt er sich die Rolle des Jokers zu eigen gemacht hat, sind davon im Endprodukt circa fünf Netto-Minuten Gastauftritt geblieben. Ein Gutes aber hat das: freiere Bühne für Margot Robbie, deren Harley Quinn sich auf dem Drehbuch-Papier nur in Sehnsucht verzehrt nach ihrem Joker-Mann und von der Kamera arg Teenager-lüstern begafft wird. Kraft ihrer puren Präsenz gelingt es aber, in dem ganzen als pubertäre Coolness getarnten Kleinbürger-Mief die einzige ferne Ahnung zu geben von jenen Mächten der Subversion und Destabilisierung, von denen die Werbekampagne ständig trompetet.

„Suicide Squad“

Mit Margot Robbie, Will Smith

Regie: David Ayer

Laufzeit: 123 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie einfach mal „Deadpool“ anschauen.

Rubriklistenbild: © dpa

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